
Bild von Colin Behrens auf Pixabay
„Das hatte ich mir alles anders vorgestellt!“
Das Leben ist voll von Enttäuschungen und Rückschlägen – kleine und große… Man geht seinen Weg und plötzlich wird er von Ereignissen durchkreuzt und alles wird auf den Kopf gestellt. Das kann eine verhauene Klausur sein, ein enttäuschender Konzertbesuch oder das mein Fußballverein das letzte Spiel verloren hat. Das können auch Verluste durch den Tod eines nahen Angehörigen sein oder existenzielle Ängste, die momentan viele Menschen plagen, die von Kurzarbeit oder betriebsbedingten Kündigungen betroffen sind. Wie geht es weiter? Wie soll ich je wieder auf den Weg kommen?
Ostern 2020 wird noch sehr lange mit COVID-19 und den Beschränkungen verbunden und im Gedächtnis bleiben. Für mich und meine Familie ist dieser Ostermontag eng mit Trauer verbunden. Vom Feuer der Osternacht bleibt für den Augenblick nur die Asche. Aber vielleicht erlaubt das auch einen anderen Blick auf das heutige Tagesevangelium, das von den Emmaus-Jüngern erzählt.
Die zwei Jünger, von denen erzählt wird, sind auf dem Weg nach Emmaus. Auf diesem Weg wird ihnen sicher einiges durch den Kopf gehen. Sie sind vermutlich voller Trauer und versuchen, das Geschehene für sich einzusortieren. Ich bin an dieser Stelle erinnert an Jesu Worte am Kreuz: „Eloï, Eloï, lema sabachtani“- „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Vielleicht haben die Jünger genau diese Worte auch gedacht und gefühlt: „Meister, warum hast du uns verlassen?“
Auf dem weiteren Weg werden die Jünger von einem „Fremden“ begleitet und ihm erzählen sie von ihrem Leid, ihrer Trauer. Später werden sie erkennen, dass Jesus sie in ihrer schwersten Stunde begleitet hat und den Weg mit ihnen gegangen ist.
In diesem Ostermontag liegt viel Karfreitag. Die Worte Jesu am Kreuz, die die Jünger auf dem Weg nach Emmaus begleiten und Jesus – der wie Simon von Kyrene – den Weg mit-geht und das Kreuz der Jünger ein Stück mitträgt. Und so macht das heutige Tagesevangelium auch Mut – Mut in den „Karfreitagen des Lebens“ trotzdem das Ostern zu sehen. Auch wenn wir uns manchmal so fühlen, das Gott uns verlassen hat – er schickt uns sich selbst, um das Kreuz mit uns zu tragen.
Einen guten Start in die neue Woche wünscht,
Ihr/Euer Michael Bredohl