Impuls zum Weltgebetstag für geistliche Berufe

Bredohl

Impuls zum Weltgebetstag für geistliche Berufe (zu Joh.10, 1-10)

Der Impuls findet sich auch auf den Social Media Seiten des Bistums Aachen

 

 

Von Stimmen, einem Hirten und vielen Türen.

Ich bin die Tür;
wer durch mich hineingeht,
wird gerettet werden;
er wird ein- und ausgehen und Weide finden.

Ich bin sehr klassisch katholisch aufgewachsen. Ich wurde getauft, war Schüler einer katholischen Grundschule, folgerichtig bin ich dann auch zur Erstkommunion gegangen und war danach Messdiener. In der Zeit wollte ich immer Küster werden – weil ich als Priester ja nicht heiraten darf. So war Kirche, Gott und Glaube lange Zeit immer irgendwie auch ein Teil von mir. Um im Bild des Tagesevangeliums zu bleiben: Die Türe war immer präsent und die vertraute Stimme hat mich durch meine Kindheit und frühe Jugend begleitet. Logisch wäre dann auch gewesen, dass sich meine Firmung anschließt, jedoch kam es anders! Besonders durch den frühen Tod eines mir nahestehenden Menschen war für mich klar, ich kann keinem Gott vertrauen, der dieses Leid zulässt. Die Türe habe ich geschlossen und die vertraute Stimme wollte ich nicht mehr hören. Eine Kirche habe ich für lange Zeit nur sehr selten betreten. Es gibt im Leben immer viele Türen, durch die man gehen kann, aber auch Türen, die man verschließt.

Das Leben ging weiter. In den letzten Jahren kam es jedoch immer wieder zu Momenten, in denen ich mich dabei ertappte, dass ich mich über Berufe in der Kirche informierte, meistens im Internet. Das endete oft damit, dass ich mich fragte: „Was soll der Nonsens, hör auf damit!“, aber die Abstände dieses Suchens wurden immer kürzer. Der erste Moment der „Klarheit“ kam dann, als ich auf einer Beerdigung war. Plötzlich war die vertraute Stimme wieder da. Die Lieder, die Atmosphäre, die Liturgie, alles war so vertraut und gab mit Halt.

Es blieben aber dieses Gefühl, etwas mehr machen zu wollen.

Nach einem Besuch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Berufungspastoral hat sich dann für mich herauskristallisiert, dass das Diakonat etwas für mich sein könnte. Gerade die Verbindung zwischen einem „weltlichen“ Beruf und einem „kirchlichen Beruf“ hat für mich einen großen Reiz. „Der Diakon mit Zivilberuf ist die Tür zwischen der Welt und der Kirche.“, den Satz hatte ich irgendwo gelesen und das hat mich fasziniert

Ich habe dann für mich entschlossen, ein paar Tage ins Kloster zu gehen, um einmal die Lautstärke des Alltages auszuschalten, um vielleicht genauer auf das hören zu können, was die vertraute Stimme mit sagen möchte. In den paar Tagen von Ruhe und Gebet wurde mir klar, dass es sich richtig anfühlt, diesen Weg zu wagen.

Immer wieder nehme ich mir solche Ruhezeiten, um für mich zu hören, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Berufung ist für mich ein stetiges Hinhören auf die vertraute Stimme.

Es gibt im Leben immer viele Türen, durch die man gehen kann. Es gibt viele Türen, die man verschließen kann. Aber selbst, wenn man Türen verschließt oder verbarrikadiert, die Türen bleiben dennoch da.

Ich möchte euch ermutigen, dem Nachzuspüren, was ihr in euch spürt und euch die Zeit und die Ruhe zu nehmen, die Alltagslautstärke einmal runter zu drehen, um zu hören, was man dann erfahren kann.

 

Ihr/ euer Michael Bredohl

Mehr zum Weltgebetstag für geistliche Berufe: https://www.berufung.org/