Impuls zum Mittwoch der 11. Woche im Jahreskreis

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Bild von James Chan auf Pixabay

 

Impuls zum Mittwoch der 11. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

„Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen, sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.“ – so mahnt uns das heutige Evangelium. Und ich bin bei diesen Worten sofort bei einem Bild, das mich seit Tagen so wütend gemacht hat, wie lange kein anderes Bild.

(Bibel hochhalten) – nämlich genau dieses…

Jetzt kann man natürlich fragen, was macht an dem Bild so wütend?

Ein Präsident steht vor einer Kirche und hält eine Bibel hoch – ist doch nicht schlimm…. Ja, vielleicht.

Aber wenn sich der Präsident kurz zuvor den Weg zur Kirche mit Gewalt freiräumen lässt, um 3 Minuten mit der Bibel in der Hand zu posieren, ohne mit den Menschen der Gemeinde das Gespräch zu suchen, dann macht mich das wütend. Wenn man dann noch bedenkt, daß die Menschen, die gewaltsam entfernt wurden, Demonstranten der BlackLivesMatter-Bewegung waren, dann bringt mich das auf die Palme.

Unser Glaube beruht auf Nächstenliebe, Hilfe für die Bedürftigen und die Kirche soll den Menschen eine Stimme verleihen, die keine Stimme haben. Die Bibel zu benutzen um zu spalten macht mich wütend. Gerade die heute gehörten Texte zeigen uns, dass es zwischen den drei Weltreligionen viele verbindende Elemente und Geschichten gibt. So sind die beiden wichtigsten Personen in den Lesungen heute Elia und Jesus. Beide sind nicht nur für uns Christen zentrale Persönlichkeiten, sondern auch für das Judentum und den Islam. So wird Elia als Ilyas in Sure 37 als von „Gott gesandt“ beschrieben und im Judentum wird am Seder-Abend des häuslichen Passa-Mahls ein Becher Wein für Elia bereitgehalten.

Wer sich also für Fotos mit der Bibel in der Hand hinstellt, um Stimmen zu fangen und gesellschaftlich zu spalten, der hat den Inhalt nicht gelesen oder nicht verstanden. Wir können es besser machen. „Wo Güte und Liebe herrschen, da ist Gott!“  Amen

(Impuls aus dem Wortgottesdienst vom 17.06.20 – Fronleichnamskirche Aachen)

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