
Impuls zum Mittwoch der 20. Woche im Jahreskreis (Lesungen)
Einleitung:
„Gib uns Trost und Zuversicht, durch dein Licht“ so endet das Lied, das wir zur Eröffnung gehört haben.
Trost und Zuversicht, Liebe und Geborgenheit, jemand der sich um uns kümmert, das sind Wünsche und Sehnsüchte, die wir alle in uns tragen. Hierum geht es heute auch in unseren Lesungen des Tages.
Gott sieht, dass die Hirten sich nicht um Ihre Herde kümmern und sieht sich zum Handeln gezwungen. Im Text des Propheten Ezechiel zeigt er uns, dass er nicht untätig und ferne ist. Er rettet die Herde aus den Händen der untätigen Hirten.
Im Evangelium hören wir von den Arbeitern im Weinberg. Der wohl bekannteste Satz ist: „Die Letzten werden die Ersten sein!“
Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Satz des Papstes Benedikt: „Ich bin nur ein einfacher, demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn!“ Ganz so dürften es die Arbeiter aus dem Gleichnis Jesu wohl nicht gesehen haben. Hier werden wir wenig von Liebe und Geborgenheit, sondern von Missgunst hören. Dennoch finden wir auch hier die Spuren von Gottes Liebe zu uns.
Impuls:
Sie haben vermutlich schon den Ausdruck hier gesehen und als das „Kölsche Grundgesetz“ erkannt. Vermutlich haben Sie auch gesehen, dass ich einen Artikel hinzugefügt habe: Man muss auch gönnen können.“ Die Letzten werden die Ersten sein, so haben wir es gerade gehört. Das ist doch schön, oder? Ich kann mir den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen lassen während andere in der Mittagshitze malochen. Wenn es dann abends weniger beschwerlich ist, dann bequeme ich mich auch mal dazu und erhalte denselben Lohn wie alle anderen. Das Kölsche Grundgesetz hat ein wenig von dieser „Leichtigkeit“: Es ist, wie es ist. Es kommt, wie es kommt. Es ist schon immer gut gegangen…
Sieht so das Himmelreich aus?
Strenggenommen, ja! Die Worte Jesu richten sich hier an die Jünger, also an die Ersten, die Jesus nachfolgen, mit dem gesamten beschwerlichen Weg. Natürlich hat es nach den Jüngern viele Menschen gegeben, die in die Nachfolge Jesu gegangen sind, so auch wir. Wir haben heute in unseren Breitengraden einen wenig gefährlichen Weg zu erwarten. Keine Christenverfolgung, keine Kirche im Untergrund, kein staatliches Verbot der Religionsausübung. Und doch erhalten wir denselben Lohn wie die Jünger. Die Zusage des Gutsbesitzers – der in dieser Parabel sinnbildlich für Gott steht – ist da sehr eindeutig: Geht auch ihr in meinen Weinberg, ich werde euch geben, was gerecht ist!“ Gott wird uns allen in der Nachfolge geben, was gerecht ist.
Natürlich sollen wir uns nun nicht darauf ausruhen, daran erinnert uns auch die heutige Lesung aus dem Buch Ezechiel. Zum Glauben und zur Nachfolge gehört auch die Arbeit, die Nächstenliebe, das Zweifeln und Hinterfragen. Aber am Ende steht die Zusage, geliebt und geborgen zu sein. Egal, ob wir von Anfang an dabei waren oder erst später hinzukamen.
Man muss auch gönnen können.
Amen
Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 19.08.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen