
Lesung aus dem Buch Rut:
7 Sie verließ zusammen mit ihren beiden Schwiegertöchtern den Ort, wo sie sich aufgehalten hatte. Als sie nun auf dem Heimweg in das Land Juda waren,
8 sagte Noomi zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Kehrt doch beide heim zu euren Müttern! Der HERR erweise euch Güte, wie ihr sie den Toten und mir erwiesen habt.
16 Rut antwortete: Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren! Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.
17 Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein. Der HERR soll mir dies und das antun – nur der Tod wird mich von dir scheiden.
18 Als sie sah, dass Rut darauf bestand, mit ihr zu gehen, redete sie nicht länger auf sie ein.
19 So zogen sie miteinander bis Betlehem. Als sie in Betlehem ankamen, geriet die ganze Stadt ihretwegen in Bewegung. Die Frauen sagten: Ist das nicht Noomi?
20 Doch sie erwiderte: Nennt mich nicht mehr Noomi, Liebliche, sondern Mara, Bittere; denn viel Bitteres hat der Allmächtige mir getan.
21 Reich bin ich ausgezogen, aber mit leeren Händen hat der HERR mich heimkehren lassen. Warum nennt ihr mich noch Noomi, da doch der HERR gegen mich gesprochen und der Allmächtige mir Schlimmes angetan hat?
22 So kehrte Noomi mit Rut, ihrer moabitischen Schwiegertochter, aus dem Grünland Moabs heim. Zu Beginn der Gerstenernte kamen sie in Betlehem an.
Impuls:
Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt von dieser Geschichte aus dem Buch Rut. Sie handelt, das haben wir eben teilweise gehört, von 2 bzw. 3 Frauen – die das gleiche Schicksal teilen.
Rut und Ihre Schwägerin haben ihre Männer, Noomi ihren Mann und ihre beiden Söhne verloren – das ist an Tragödie kaum mehr zu überbieten. Und so fasst Noomi den Entschluss, in ihre Heimat zurückzukehren. Trotz mehrmaligem Bitten Noomis weicht Rut ihr nicht von der Seite – Nein, sie geht mit ihr, in ein fremdes Land, in eine ungewisse Zukunft. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Diese Zusage Ruts an ihre Schwiegermutter ist nicht nur sehr berührend und zeugt von einer tiefen Verbundenheit, sie ist auch mehr als mutig. Alles aufzugeben um in eine ungewisse Zukunft zu gehen.
Mit Rut und Noomi teilen wir auch heute Abend einige Gemeinsamkeiten. Beide Frauen müssen für sich nach der Erfahrung des Todes ihrer Nächsten das Leben neu erfinden – sich in der Situation voll Sorge und Angst, voll Trauer und Unverständnis, voll Zorn und Wut neu orientieren.
Für jede einzeln gesehen, wäre das vielleicht mit einem anderen Ausgang verbunden gewesen. Doch schließen sich die Beiden zusammen, gehen gemeinsam durch diese schwere Aufgabe, diese schwere Zeit. Keiner muss diesen Weg des „Neu – Erfindens“ alleine gehen.
Und wenn sie einmal einen Moment in sich hineinhorchen, vielleicht finden Sie dort eine „Rut“ in ihrem Leben. Vielleicht nicht unbedingt jemanden, der sie auf Schritt und Tritt begleitet, vielleicht jemanden, der in Kleinigkeiten mit Ihnen geht?
Die Nachbarin, die Ihnen hilft, die Glühbirne zu wechseln und somit wieder etwas Licht in ihre Wohnung bringt.
Der Hausmeister, der Ihre Heizung repariert und somit wieder etwas Wärme in ihr Haus bringt.
Die Enkelin, die gut mit dem Pinsel kann – und die somit etwas Farbe in ihre Küche bringt.
Die Bäckerin, die Ihnen morgens nicht nur 1,20- für die Brötchen abnimmt, sondern sie mit einem Lächeln in den Tag schickt.
Und genau das ist es, was mich an diesem Text immer aufs Neue fasziniert. Der Mut der Frauen in dieser alt-testamentlichen Bibelstelle – und der neue Blick auf die Menschen in meinem Leben, die wie Rut mit mir gehen – vielleicht bis jetzt ungesehen. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Ich wünsche Ihnen – eine kleine „Rut“ in Ihrm Leben
Amen
Impuls aus dem Totengedenkgottesdienst vom 07.10.2020 Grabeskirche St. Josef Aachen