Impuls zum 2. Adventssonntag

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Impuls zum 2. Adventssonntag (Lesungen)

Liebe Schwestern und Brüder,

Neu-Aufbrechen… Schätze – suchen… Zusammen-finden… so lautet das diesjährige Jahresthema unserer Pfarrei und vielleicht haben Sie sich heute Morgen schon als einen unserer Schätze selber entdecken können.

In den heutigen Lesungen konnte ich für mich viel von diesem Jahresthema wiederentdecken:

Neu-Aufbrechen:

„Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Strassen“

Ich war vor einiger Zeit zum Wandern in einer mir recht fremden Umgebung. Früher als ich noch kleiner und jünger war, habe ich bei solchen Wanderungen immer Steine als kleine Erinnerung gesammelt, um mich dann zuhause ein bisschen an das Abenteuer zu erinnern. Meine Eltern fanden das oft nicht so toll wenn ich meine Steine in den Hosentaschen vergessen habe… [Sie kennen das vermutlich…] Vielleicht können Sie für sich heute auch einen solchen Stein der Erinnerung mitnehmen

Bei der Wanderung  ist es mir natürlich passiert, dass ich mich ein wenig verlaufen hatte. Mitten im Wald fand ich dann einen kleinen schmalen Pfad. Man konnte so gerade erkenne, dass hier schon jemand langelaufen sein mag. Also folgte ich diesem kleinen Pfad und … tatsächlich, er führte mich zurück auf den richtigen Weg. Scheinbar ist jemand kurz vorher diesen Weg gegangen und konnte mir so aus der Patsche helfen.

Neu-Aufbrechen bedeutet für mich, immer wieder zu handeln. Ein kleiner schmaler Pfad, der jemandem aus der Patsche hilft, ist nach kurzer Zeit nicht mehr zu sehen – wieder zugewachsen, wenn man ihn nicht immer und immer wieder geht.

Immer wieder neu aufzubrechen ist für mich heute der erste Stein, den ich mitnehme – mich immer wieder neu aufzumachen um zu trösten, um eine Hand zu halten, um Hunger oder Einsamkeit zu lindern.

Schätze-suchen…

„Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.“

Er war also scheinbar ein Mensch, der sehr asketisch, ohne viel Schnick-Schnack lebte. Heute würde man vielleicht sagen, er ist ein einfacher Mensch.

Und vielleicht kann ich an seinem Beispiel etwas für mich lernen. Brauche ich jetzt wirklich diese neue Hose oder jenes neue Hemd?

In der aktuellen Zeit der Pandemie gibt es vieles das einen aufregt, viele Einschränkungen, die uns zugemutet werden und natürlich auch existenzielle Nöte und Ängste. Einen Schatz, den ich in dieser Zeit für mich finden konnte, war eben das Geschenk der Entschleunigung. Einmal auf wesentliches konzentrieren – freilich, weil es auch nicht anders geht im „Lockdown“. So ist diese Adventszeit so ganz anders als sonst. Kein Weihnachtsmarkt, keine bunt beleuchteten Schaufenster und Musik in der Innenstadt. Bei allen Sorgen, die mich plagen in der Kurzarbeit und welche Nöte für andere daraus entstehen, so zeigt es mir aber auch einen lang vergrabenen Schatz – die Notwendigkeit, mal auf die Bremse zu treten und inne zu halten.

Schätzen zu suchen und mich auf das Wesentliche konzentrieren, das ist für mich heute der zweite Stein, den ich mitnehme.

Zusammen-finden…

„Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“

Wenn wir „Neu-Aufbrechen“ und gemeinsam „Schätze suchen“ können wir „Zusammen finden“ und zusammenfinden. Viele verschiedene Schätze werden wir in den nächsten Wochen und Monaten des Kirchenjahres zusammen entdecken. In unserer Gemeinde, in unserer Kirche und in unserem Gegenüber. Ich habe mal nach einem anderen Schatz gesucht, der uns alle hier als Aachener (egal ob in Aachen geboren oder in Aachen lebend – ist für mich das gleiche) verbinden könnte. Und natürlich kommt man dann schnell auf die Aachener Printe.

Mir hat jemand erklärt, dass die Printe so heißt, weil dort früher Bilder von Heiligen oder Königen aufgedruckt – also ge-„printet“ bzw. geprägt wurden. So glaube ich, es gab auch zum Fest des heiligen Nikolaus eine entsprechende Printe mit Nikolaus-Prägung. Und so verbindet uns nicht nur die Printe als Aachener, sondern auch die Taufe mit Wasser und heiligem Geist als Prägung, als eine Gemeinschaft.

Zusammen-finden, Gemeinsamkeiten entdecken und Gemeinschaft leben, das ist für mich der dritte Stein, den ich heute mitnehme.

Neu-Aufbrechen… Schätze-suchen…Zusammen-finden

„Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott“

Dem Gegenüber zulächeln, auch durch die Maske;

den Mitmenschen eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen, auch auf Distanz;

die Einsamen und Hungrigen nicht übersehen.

 Das sagen mir die heutigen Texte, ja… sie fordern mich grade dazu auf. Trost zu sein, nicht nur heute – sondern immer, sonst wächst der kleine schmale Pfad wieder zu und der hinter mir steht alleine und verloren da.

Impuls aus der Sonntagsmesse vom 06.12.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

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