Impuls zum Mittwoch der 4. Woche im Jahreskreis

Bild von Pexels auf Pixabay

Lesungen

Einführung:

In der heutigen Lesung aus dem Hebräerbrief wird es schon etwas komplizierter. Hier ist die Rede von Züchtigung und von Schlägen. Etwas, das mit unserem Weltbild, mit unserer Pädagogik und schließlich unserem Gottesbild nicht mehr sehr viel zu tun hat. Aber um den Text verstehen zu können, müssen wir uns gleich einen Moment lang in die damalige Zeit versetzen. Aber auch der Text des heutigen Evangeliums ist nicht weniger anspruchsvoll. „Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen, wie in seiner Heimat“. In beiden Texten geht es um Schubladen in unserem menschlichen Denken – von denen kann sich kaum jemand frei machen – aber sie bewusst zu haben, das ist vielleicht ein wichtiger Punkt, den uns die heutigen Texte mitgeben werden.

Impuls:

Neben meinem Schreibtisch habe ich einen Schrank mit einer Sockenkiste. In diese Sockenkiste kommen alle Socken nach dem Waschen hinein. Das ist sehr praktisch, denn dann liegen sie nicht herum, sind gut aufgehoben und ich kann sie ohne Geruch als „sauber“ identifizieren. Diese Kiste – oder Schublade – ist also in vielerlei Hinsicht total sinnvoll.

Letztens habe ich in einer Nachricht folgendes gelesen: „Das ist halt unser Micha, der ist so!“ Das war jetzt nix schlimmes oder sowas und ich fand das eher schmeichelhaft, aber es passt ganz gut in unseren heutigen Gottesdienst. Der Autor hat hier ganz genau das gemacht, was wir häufig tun, nämlich jemanden in eine Schublade zu packen, wie meine Socken. Das hat auch genau denselben Grund, nämlich das wir in unserem Kopf durch die Hirnschubladen erstmal schön für Ordnung sorgen. Und genau so ist es uns vermutlich auch mit der Lesung aus dem Hebräerbrief gegangen. Züchtigung??? Schläge??? Näää… Ab in die Schublade – will ich nicht hören. Und ja, so geht es mir mit solchen Texten dann auch im ersten Impuls. Aber, was steckt hinter dem schwierigen Text. Schläge und Züchtigung waren in der damaligen Erziehung oder besser Formung ein gängiges Mittel – ganz nebenbei bemerkt war das auch noch im letzten Jahrhundert unbestritten – also ein Mittel, um den Kindern oder zu Erziehenden etwas beizubringen.

Heute würde ich es eher so ausdrücken: Charakterbildung oder Formung beinhaltet oft auch Schmerz oder Rückschläge, davon dürfen wir uns aber nicht um das Ziel bringen lassen. Und hierzu passt dann auch der heutige Text aus dem Evangelium. Jesus kehrt nach Nazareth zurück und erlebt dort wenig Ansehen. Er wird dort eben nicht in die Prophetenschublade, sondern in die „Sohn der Maria“ – Schublade gesteckt. Aber Jesus sieht diesen Rückschlag nicht als Krise an und zieht sich zurück, er hat das Ziel vor Augen – seine Bestimmung – und zieht weiter, um das zu tun, wofür er Mensch geworden ist.

Amen

Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 03.02.21 Fronleichnamskirche Aachen

Hinterlasse einen Kommentar