
Impuls zum Mittwoch der Karwoche (Lesungen)
Einführung:
Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt, weil ich so vieles falsch gemacht!
– Im Lichte des heutigen Evangeliums könnte man denken… Dieses Lied ist voll und ganz auf Judas Iskariot geschrieben worden.
Heute, am Tage vor dem Triduum – den heiligen drei Tagen – hören wir von Jesu Verrat durch Judas – der Stein, der alles ins Rollen gebracht hat.
Wie gerne sind wir Menschen doch dazu bereit, jemandem die Schuld zu geben; Eine oder Einen zu benennen, der die Ursache ist. „Der Busfahrer ist schuld das ich zu spät bin“; „der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen“; „das chinesische Virus“.
Das macht es vielleicht einfacher für uns komplexe Ursachen zu verstehen, aber ist in den meisten Fällen doch fern ab von der Realität. Schwieriger wird es, wenn wir von Menschen aus unserem nächsten Umfeld enttäuscht, belogen oder verraten worden sind. Diese Wunde sitzt tief und ist oft nicht zu schließen. Aber gerade hier sind wir gefordert, auch – oder vielleicht gerade dann – zu vergeben.
Die heutige Schriftlesung fordert uns geradezu dazu auf, auf die Menschen zu schauen, die uns so sehr verletzt haben, aber auch auf uns selber und auf unsere Fehler.
Impuls:
Ich habe Ihnen heute ein Bild mitgebracht, das mich immer wieder besonders beeindruckt: Das Bild des guten Hirten, der den toten Judas auf seinen Schultern trägt. Ein Bild, das für mich wie kein anderes für Vergebung steht! Jesus trägt den Menschen, der ihn verraten und belogen hat auf seinen Schultern – gibt ihm Geborgenheit und Schutz. Dieses Bild hat bei mir ganz konkret zum Umdenken geführt.
Vor einiger Zeit wurde ich von einem mir sehr nahestehenden Menschen über einen längeren Zeitraum belogen und betrogen. Lange habe ich das vermutet aber irgendwann dann auch herausgefunden. Nachdem ich die Gewissheit hatte, habe ich den Kontakt abgebrochen – eine lange, vertrauensvolle Freundschaft beendet.
Das ganze ging so weit, das ich den Passus „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ nicht mehr beten konnte und lieber hier geschwiegen habe. Hierüber habe ich damals mit meinem geistlichen Begleiter gesprochen, der mir dann ein sehr beeindruckendes Bild mitgab, nämlich Jesu letzte Worte am Kreuz: „Herr, vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“
Jesus bittet Gott darum, den Menschen, die ihm das angetan haben, zu vergeben – er war in diesem Moment nicht in der Lage dazu, selber zu verzeihen. Aber durch diese an Gott übertragene Vergebensbitte ist der Weg Offen geblieben.
Diese Worte und das Bild vom guten Hirten haben bei mir zu einem Umdenken geführt. Ich habe Gott gebeten dem Menschen zu vergeben, der mir das angetan hat. Und das hat irgendwann tatsächlich dazu geführt, das ich den Passus im Vater unser wieder beten konnte.
Heute übrigens bin ich mit der Person wieder im Kontakt. Die Freundschaft wird sicher nie wieder so sein können, wie sie einmal war. Aber wir reden wieder miteinander.
Das heutige Tagesevangelium kann uns vielleicht mitgeben, auf unseren Umgang mit den Menschen zu schauen, die uns verletzt haben – aber auch auf die Verletzungen, die wir anderen zugefügt haben.
Amen
Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 31.3. in der Fronleichnamskirche Aachen