Impuls zum Mittwoch der 2. Osterwoche

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Impuls zum Mittwoch der 2. Osterwoche (Lesungen)

Einführung:

Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.

So sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern.

Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.

Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

Wissen Sie, von wem diese Zeilen stammen? Sie sind von Jochen Klepper aus dem Jahr 1938 – und ja, ich weiß… es ist eigentlich ein Advent-, bzw. Weihnachtslied. Aber ich finde dieses Lied und die Geschichte von Jochen Klepper sehr beeindruckend. Er schrieb diese Zeilen als Gedicht und es wurde 1938 veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt wurde Klepper schon wegen seiner Ehe mit einer jüdischen Frau ausgegrenzt und drangsaliert – die Veröffentlichung seines Buches „Kyrie“ wurde lange durch die Nazis verzögert. Nachdem im Jahr 1942 die Ausreise seiner Tochter ins rettende Ausland scheiterte, wählte die Familie den Freitod. In diesem Lichte hat das Lied bzw. das Gedicht nochmal eine besondere Wirkung auf mich. Und es ist auch ein Osterlied! Das Licht der Osternacht ist schon durch den Karfreitag hindurch  sichtbar und bescheinet unsere Angst und Pein.

Auch das heutige Tagesevangelium verbindet Advent und Ostern miteinander. Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.“, so hören wir heute im Johannesevangelium. Und Johannes ruft hier den Beginn seines Evangeliums in den Sinn, den wir oft im Advent hören: „In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“

Nacht und Licht – Schein und Pein, um diese Gegensätze geht es in den heutigen Texten.

Impuls:

Liebe Schwestern und Brüder,

den Passus aus dem Johannesevangelium, den wir gerade gehört haben, steht am Ende des 3. Kapitels. Es ist das Ende des nächtlichen Gespräches zwischen Jesus und Nikodemus dem Pharisäer, von dem wir zuletzt in der Johannespassion gehört haben. Im Schutz der Nacht – auch um sich vor Ausgrenzung und Repressionen zu schützen – macht er sich auf zu Jesus, um mit ihm zu sprechen. Leider hören wir hier heute nur den Abschluss dieser nächtlichen Begegnung. Das ist ein bisschen so, als würde man beim Tatort kurz vor Ende erst einschalten. Man bekommt das Wichtigste, das Fazit noch mit, aber nichts von der Handlung – das ist etwas schade, denn ich halte dieses nächtliche Gespräch für sehr zentral und besonders im gesamten Johannesevangelium, erörtert es uns doch so grundlegende Inhalte des Glaubens.

Nach der Tempelaktion Jesu – dazu haben wir in der Fastenzeit ja etwas gehört – findet dieses nächtliche Gespräch statt. Nikodemus macht sich in der Nacht auf zu Jesus – Er kommt aus der Dunkelheit zum Licht – um Jesus seine Fragen zu stellen. Zu Beginn des Dialoges hat Nikodemus noch viele Sprachanteile, doch wandelt sich das Gespräch hin zu einem Monolog Jesu, dass wir als Leser und Hörer auch erst verstehen, mit dem Wissen um Jesu Passion. Der Monolog gipfelt in dieses Meisterwerk, das uns daran erinnert, dass die Nacht vorgedrungen ist und der Tag nicht mehr fern ist – das auf den Karfreitag das Licht der Osternacht folgt – dass der Morgenstern unsere Angst und Pein bescheinet – dass uns das Licht, auf das wir im Advent hinfiebern auch im Ostergeheimnis leuchtet.

Amen

Impuls aus der Wort – Gottes – Feier vom 14.4. in der Fronleichnamskirche Aachen

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