Impuls zum Totengedenkgottesdienst 13.1.2022

Evangelium: Mk 10, 46-52:


Sie kamen nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß am Weg ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tue? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dich gerettet. Im gleichen Augenblick konnte er sehen und er folgte Jesus auf seinem Weg nach

Impuls:

Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht kennen Sie das Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch?

Es zeigt eine Person auf einer Brücke, die Ihre Hände ans Gesicht hält und scheinbar schreit. Die anderen Personen auf dem Bild scheinen diesen Schrei nicht zu hören.
Wir alle kennen vielleicht diese Situation, dass uns alles zu viel wird und wir einfach nur noch schreien wollen… Schreien um Unterstützung, Schreien vor Wut, vor Trauer, vor Ohnmacht.
Und leider haben wir auch schon die Erfahrung machen müssen, dass diese Schreie verstummen, dass niemand sie hört – wie die Menschen im Hintergrund des Bildes.

Der Text aus dem Markusevangelium, den wir eben gehört haben, erinnert mich manchmal an eben dieses Bild.

Der blinde Bartimäus sitzt am Rand der Straße, die nach Jerusalem führt. Aufgrund seines Schicksals ist er auf das Betteln angewiesen und hat dafür einen strategisch günstigen Platz gewählt, da dort viele Pilger vorbeikommen und Almosen gaben. Doch an diesem Tag war alles anders.
Bartimäus, so hören wir es im Evangelium, schrie… Er schrie – nicht um die vorbeiziehenden Menschen auf sein Schicksal aufmerksam zu machen – sondern aus einem sehr viel tieferen Grund.
Er spürte, dass hier und heute etwas Wichtiges passiert. Er konnte vielleicht hören, dass es im Umfeld anders war als sonst, aber er konnte Jesus nicht sehen. Und trotzdem spürte er, wie bedeutend der Moment ist und schrie….
Nicht um die Menschen auf sein Schicksal aufmerksam zu machen – wie vielleicht die Person in unserem Bild – sondern weil er mit dem Herzen glaubte und erkannte, wer da an ihm vorbeizieht

Und er sollte Recht behalten. Jesus nähert sich ihm mit der Frage „was willst du, dass ich für dich tue?“

Was kann dieser Text aus dem Evangelium uns denn nun hier und heute mit auf den Weg geben?

Ich glaube, wir können 3 Dinge heute mitnehmen.

Der Text sagt uns zum einen, das wir hörend durchs Leben gehen sollen, mit offenen Ohren für die Menschen, die in Not sind und unserer Hilfe bedürfen. Aber auch, dass wir auf offene Ohren hoffen dürfen und dass wir unser Leid anderen erzählen dürfen.

Der Text sagt uns auch, dass wir als „Sehende“ durch die Welt gehen sollen, dass wir Not erkennen sollen und versuchen zu helfen, wo es uns möglich ist. Er sagt uns aber auch, dass wir auf kleine Gesten der Unterstützung zählen dürfen.

Zugegeben, in manchen Situationen fällt es uns schwer, das Leid anderer zu sehen oder zu hören – sind wir doch selbst mit unseren Sorgen und Nöten beschäftigt

Da kommt dann die für mich wichtigste Botschaft des Textes: Das Bartimäus mit dem Herzen Jesus erkannt und auf ihn vertraut hat.
Sie kennen sicher alle den Satz aus dem kleinen Prinzen: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Jesus ist in unserer Mitte und begleitet uns durch Sorgen, Ängste und Nöte. Wir dürfen Ihm unser Leid klagen, besonders dann, wenn es mal richtig mies mit uns ist. Die Antwort wird immer „was willst du, dass ich für dich tue“ sein.

Und so bin ich wieder bei unserem Bild vom Anfang. Wir sehen den Ausschnitt mit der schreienden Person und den Menschen im Hintergrund, die diesen Schrei nicht wahrnehmen. Mehr sehen wir in diesem Bild nicht… Aber mein Herz vertraut darauf, das in einer anderen Perspektive des Bildes jemand steht, der die Person danach fragt, was Sie tun kann.

Ein Kommentar zu “Impuls zum Totengedenkgottesdienst 13.1.2022

  1. Lieber Micha!

    Ich möchte doch endlich mal einen Kommentar schreiben zu deiner Auslegung! Gerade habe ich dich wieder vermisst in der Messe – sicherlich hat die Arbeit oder eben völlige Überlastung dich abgehalten…deine Gedanken sind mir tief ins Herz gegangen und ich danke dir für dieses Geschenk! Einfach so…ein dicker Sonntagsgruß zu dir in die O……sei gesegnet und hoffentlich bis Mittwoch:-) ANGELA 🙂

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