Impuls zum 4. Sonntag der Osterzeit (Weltgebetstag um geistl. Berufungen + #Liebegewinnt)

Bild von cm_dasilva auf Pixabay

Impuls zum 4. Sonntag der Osterzeit (Lesungen)

Impuls:

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

Am heutigen Sonntag fallen zwei für mich wichtige Themen zusammen. Zum einen finden rund um den 10.Mai Segnungsgottesdienste für alle Paare gleich welcher Ausrichtung statt – so auch heute hier im Anschluss an die hl. Messe. Und an diesem Wochenende ist auch der Weltgebetstag um geistliche Berufe unter dem Motto: In Allem, Du!“, und ich stehe nun vor der Herausforderung, beide Themen zusammenzubringen… denn zum Weltgebetstag für geistliche Berufe ist es in jedem Jahr so, dass alle, die sich gerade in einer solchen Ausbildung befinden angefragt werden, etwas über Ihre Berufung zu erzählen. Ich mache das seit Beginn meiner Ausbildung – also seit 2019 – jedes Jahr. Leider haben Sie davon noch nicht viel mitbekommen, da Coronabedingt diese Zeugnisse online oder gedruckt stattfanden. Aber einige von Ihnen kennen mich und meinen Weg schon, für die, die mich noch nicht so gut kennen, möchte ich kurz etwas zu mir erzählen.

Ich heiße Micha B. bin 42 Jahre alt und bin seit 2019 in der berufsbegleitenden Ausbildung zum ständigen Diakon mit Zivilberuf. Schon 2018 habe ich an einem Interessentenjahr für die Ausbildung teilgenommen und mich danach trotzdem beworben.

Aber… was war davor? Warum habe ich mich überhaupt für die Ausbildung zum Diakon entschieden?

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend den klassischen „katholischen“ Lebenslauf erlebt: Taufe – kath. Kindergarten – kath. Grundschule – Erstkommunion – Messdiener.

Nein, ich habe die Firmung hier nicht vergessen, diese fand deutlich später statt.

Bis ich so ca. 14/15 war habe ich viel Freizeit in der Kirche und in den dortigen Angeboten verbracht, war mit Leib und Seele Messdiener und habe als Kind schon mit meiner Kinderbibel „Messe“ gespielt. Priester wollte ich da aber nie werden, man darf ja nicht heiraten –

lieber wollte ich Küster oder Kirchenmusiker werden, also lernte ich Kirchenorgel und habe im Kinderchor mitgesungen.

Also eigentlich ein ziemlich klarer Weg…

… bis ich an einem morgen aus dieser heilen Welt gerissen wurde. Ich habe vom Tod einer sehr engen Freundin der Familie erfahren, die auf dem Weg in die Schule (wir besuchten die gleiche Schule) von einem Bus erfasst wurde und noch am Unfallort verstarb. Ich habe noch heute – fast 30 Jahre später – kaum eine Erinnerung an diesen Tag und die Wochen danach. Es ist wie ein Nebel, der sich über diesen Teil meines Lebens legt. Meine ersten klaren Erinnerungen sind dann auch erst wieder einige Wochen später, zusammen mit einer klaren Einstellung, dass ich einem Gott, der sowas nicht verhindert – der sowas zulässt nicht mehr in meinem Leben haben will, ihn nicht mehr lieben und vertrauen kann. Also: kein Messdiener, keine Kirchenorgel, keine Firmung mehr!

Stattdessen habe ich mich entschieden, Krankenpfleger zu werden -> Nie mehr wollte ich mich so hilflos fühlen.

Rückwirkend betrachtet war es aber dann doch so, das mir im Leben immer etwas gefehlt hat. Ich habe meine Ausbildungen immer an kath. Einrichtungen gemacht. War bei den Maltesern, bin als Pfleger nach Lourdes gefahren, war am Marienhospital usw. Und es sollte wieder eine Beerdigung sein, die mir klar macht, was mir fehlt und wohin mein Weg gehen sollte.

Nach eben dieser Beerdigung – das war 2015 – habe ich lange vor der Kirche gesessen. Die Liturgie, der Ablauf, die Struktur – alles gab mir einen Rahmen, eine Sicherheit und ich begann, mich mit Berufen in der Kirche auseinanderzusetzen. Irgendetwas war da, das ich nicht formulieren konnte.

Den letzten kleinen Schubs in die richtige Richtung gab mir dann eine Mitarbeiterin der Berufungspastoral, der ich meinen Lebenslauf schilderte und die mich dann auf das ständige Diakonat aufmerksam machte.

Ich glaube, das passt gut zu mir: die Mischung aus Dienst am Altar und Dienst an den Menschen.

Aber wie passt das alles zu #Liebegewinnt?

Da möchte ich gerne an letzte Woche anknüpfen, Sie – Pfr. V.d.W.– haben mir und uns allen eine wichtige Frage mit auf den Weg gegeben. Kann ich zu Gott sagen: „Ich liebe dich“

Was sie gehört haben ist meine Geschichte zu #Liebegewinnt. Meine Liebe zu Gott, die verschüttet war, die durch schlimme Ereignisse und Erlebnisse verdeckt war, hat seinen Weg gefunden. Ich kann also heute sicher zu Gott sagen: „Ich liebe dich!“ Jedoch können viele Menschen nicht – oder zumindest nicht offen – zu Ihren Partnern sagen :“Ich liebe dich“ , weil sie noch immer mit Ausgrenzungen und Anfeindungen rechnen müssen.  

Am 15.03.2021 sagte die römische Glaubenskongregation einmal mehr „Nein“ zu Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. „Wir segnen nicht die Sünde“ – das ist ein Schlag ins Gesicht für Menschen weltweit, die z.T. ein Leben lang um ihre Art zu lieben ringen und dafür lange genug diskriminiert wurden – auch von der Kirche. Es ist auch ein Schlag ins Gesicht für alle Seelsorger:innen und Theolog:innen, die Menschen in entscheidenden Situationen ihres Lebens den Segen Gottes zusagen, den Gott allein schenkt. Zur Realität dieser Kirche gehört bislang, dass eine Segensfeier für gleichgeschlechtliche  Paare und für Menschen, die nach einer zerbrochenen Ehe sich neu verlieben, meist heimlich passieren muss. Ein Segen durch die Hintertür jedoch ist beschämend – für die zu Segnenden und für die Kirche.

Dass dies sich ändert, dafür sorgte #liebegewinnt 2021. Und jetzt heißt es:

Da ist noch viel offen – mehr #liebegewinnt.

Und so sehe ich die Aktion #Liebegewinnt auch als einen Hoffnungsschimmer (wenn auch sehr zaghaft) und da passt das Motto des Weltgebetstages um geistliche Berufe auch zu #Liebegewinnt: in allem, Du! Und ich möchte das Thema minimal abwandeln: In allen, Du!

In allen Menschen – DU!

In allen Menschen, egal welchen Geschlechtes, welcher Ausrichtung, welcher Hautfarbe können wir Ihn – den guten Hirten – sehen!

Hinterlasse einen Kommentar