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Impuls zum Fest Bekehrung des Paulus (Lesungen)
Einführung:
Die Bekehrung des Paulus ereignete sich – so man das heute sagen kann – im Jahr 36 n Chr. Und wird in der Apostelgeschichte drei mal erzählt. Einmal aus der Perspektive des Verfassers der Apostelgeschichte – Lukas – , sozusagen als Augenzeugenbericht und zwei mal erzählt Paulus selbst von dem Ereignis seiner Bekehrung aber auch hier niedergeschrieben von Lukas.
Ihm scheint also besonders wichtig zu sein, dieses besondere Ereignis festzuhalten und zu überliefern.
Auch heute wird es noch viele Menschen geben, die zumindest die Redewendung „Vom Saulus zum Paulus“ mit einer 180-Grad – Wende einer Person in Verbindung bringen. Das Fest der Bekehrung des Paulus wird seit dem 8. Jahrhundert bezeugt und ist noch immer ein fester Bestandteil des Kirchenjahres.
„Ich weiß, auf wen ich mein Vertrauen gesetzt habe,
und bin überzeugt, dass er die Macht hat,
das mir anvertraute Gut bis zu seinem Tag zu bewahren,
er, der Herr, der gerechte Richter.“
Impuls:
Gott tickt anders!
Wenn ich das Selbstzeugnis des Paulus höre, so wie wir es eben in der Lesung hörten, dann komme ich für mich zu der Erkenntnis: Gott tickt anders!, denn ich kann das nicht verstehen, was da geschehen ist.
Saulus, der zu einen der erbarmungslosesten Verfolger der Christen – oder des neuen Weges, wie er selber sagt – gehörte wird von Gott berufen, ja bekehrt und wendet sich um 180 Grad.
Das kann ich mit meinen menschlichen Gedanken nicht verstehen, ja.. es stellt mich sogar auf eine Probe.
Kann ich wirklich jedem zugestehen, sich ändern zu können? Oder besser gesagt, kann ich jedem zugestehen, sich von Gott ändern zu lassen?
Wenn mich mal jemand in einem schlechten Moment beleidigt oder mit vor den Kopf stößt, dann kann ich darüber hinwegsehen und mir sagen, ist wohl mit dem falschen Bein aufgestanden. Wenn das immer wieder passiert, mit einer gewissen Regelmäßigkeit, dann wird das schon schwieriger.
Und für mich nahezu unmöglich wird es, wenn es sich um schwere Straftaten handelt. Da kann ich nicht einfach hingehen und sagen „Ach… Schwamm drüber!“
Aber.. Muss ich das auch?
Gott tickt anders – sein Handeln ist für unsere Augen, für unsere Ohren, für unser Denken nur teilweise fassbar und nach rein menschlichem Denken / nach rein menschlichen Schubladen nicht zu fassen.
In meinem Gespräch mit unserem Bischof vor meiner Admissio wurde ich gefragt, was ich denn denke, nicht zu können. Meine Antwort war: Gefängnisseelsorge, weil ich mir das aus diesen Gründen eben kaum vorstellen kann.
Gott verlangt das aber auch nicht von mir.
Gott tickt anders! Nicht ich bin es, der bekehrt, beruft oder vergibt.
Ich bin erstmal nur der, von dem Gott wünscht – in jedem Gegenüber Jesus zu sehen – also jeden erstmal als Mensch mit einer ihm zustehenden Würde zu sehen.
Nicht mehr – aber auch nicht weniger!
Impuls zur Wort-Gottes-Feier vom 25.01.23 in der Fronleichnamskirche Aachen