Impuls zum Requiem an Allerseelen

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Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

ich möchte gerne zu Beginn einen Satz aus der gestrigen Predigt von Pfr. V. de W. aufgreifen: „Allerheiligen ist ein Osterfest im Novembernebel!“  Dieser Vergleich hat mich gestern besonders berührt, da er so passend und richtig ist. Gestern haben wir all der heiligen Männer und Frauen gedacht – bekannt oder unbekannt – die schon bei Gott sind.

Männer und Frauen, die in ihrem Leben das Evangelium gelebt haben und so Ihre Zeit bunt machten, ähnlich den Farben hier in der Grabeskirche, wenn die Sonnenstrahlen auf diese Glasfenster scheinen. Ich möchte zu dem Satz aus der gestrigen Predigt noch den heutigen Tag Allerseelen hinzufügen, denn an Allerseelen gedenken wir allen Seelen, die uns vorausgegangen sind und auch nun bei Gott sind. Wir denken besonders an Menschen, die uns begleitet und berührt haben. An Verwandte, Angehörige, Zugehörige, Freunde und Bekannte – eben an alle die Menschen, die unser Leben – wie das Farbspiel der Glasfenster hier – bunter gemacht haben. Aber wir feiern diesen Tag auch, für alle uns unbekannten Verstorbenen. Die, die wir nicht kennen und die, die keine Angehörigen oder Zugehörigen hatten, denn auch Sie waren ein buntes Licht in Ihrer Zeit.

Vielleicht klingt es etwas seltsam, wenn ich davon spreche, dass wir diesen Tag heute feiern, oder wenn wir bei Exequien oder Beisetzungen hören: „Wir feiern diese heilige Messe oder diesen Gottesdienst für …“ oder eben der Begriff „Trauer-Feier“ – klingt ein wenig paradox, oder?!? Eigentlich ist einem im Angesichte des Verlustes eines lieben Menschen ja eher nicht zum „Feiern“ zu Mute.

Das wir „Trauer“ „feiern“ können, hat viel mit unserem Glauben zu tun, besser, mit dem an den wir glauben.

Heute haben wir gleich in zwei Texten von der Hoffnung gehört, die uns als Christen leitet. Paulus erinnert in seinem Brief an die Gemeinde in Thessalonich:

Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott die Entschlafenen durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen…tröstet also einander mit diesen Worten!

Und im Johannesevangelium hörten wir:

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

Ja… das ist genau die Frage. „Glaubst du das?“

Martha beantwortet diese Frage hier sehr klar mit JA! Und gerade das finde ich so bemerkenswert wichtig. Stellen wir uns diese Situation einmal vor. Marthas Bruder Lazarus war seit vier Tagen gestorben und im Haus der Angehörigen waren alle zur Trauer versammelt. Da hört Martha, das Jesus auf dem Weg ist und sie geht ihm entgegen. Ich glaube – auch wenn das so nicht im Evangelium steht – das Martha Jesus nicht grade mit offenen Armen entgegen gegangen ist. Und zur „Begrüßung“ macht Sie Jesus erst einmal den Vorwurf, das Alles wäre nicht passiert, wäre er nur da gewesen.

Da schwingt für mich so vieles von dem mit, was wir selbst als Trauernde kennen. Wut, Verzweiflung, Traurigkeit, Enttäuschung. Und Jesus geht nicht hin und kontert etwa das er ja weiter weg war und so vieles anderes zu tun hatte. Er sagt ihr: „Dein Bruder wird auferstehen“ ohne Wertung, ohne Vorwurf, ohne Anklage.

Jesus erinnert Sie an das, was sie eigentlich im tiefsten Herzen weiß – das, was sie als enge Begleiterin Jesu erfahren hat – den Glauben, den Sie in sich trägt.

Das finde ich noch heute zutiefst Menschlich und Nahe – ja sogar tröstend. Jesus kennt unsere Wut, unsere Trauer unseren Verlust. Und an Tagen wie heute schickt er uns bunte Farbspiele, die uns an diese Hoffnung erinnern.

Und so denken wir heute vielleicht schon anders an unsere lieben verstorbenen Menschen zurück als an dem Tage, als sie verstarben – vielleicht blicken wir schon wieder ein kleines bisschen Hoffnungsvoller in die Welt als noch am Tage der Trauerfeier.

An Allerseelen gedenken wir allen Seelen, die uns vorausgegangen sind und auch nun bei Gott sind – die, die uns bekannt sind und die die uns unbekannt sind.

Ich denke am heutigen Tage an viele Menschen – vermutlich wie sie auch – die ich gekannt habe, die mein Leben begleitet haben – die wie ein Lichtspiel mein Leben färbten. Besonders möchte ich aber heute auch an Pastor Dr. Lambert Drink erinnern, den ich selbst leider nicht gekannt habe. Er ist am 02.11.1995 verstorben aber sein Wirken – sein Farbspiel hier in der Gemeinde ist noch sehr präsent, durch die Menschen, die das Gedächtnis an ihn wachhalten.

Allerheiligen ist ein Osterfest im Novembernebel! – und Allerseelen das Lichtspiel im Nebel des Novembers!

Trennung ist unser Los, Wiedersehen ist unsere Hoffnung. So bitter der Tod ist, die Liebe vermag er nicht zu scheiden. Aus dem Leben ist er zwar geschieden, aber nicht aus unserem Leben; denn wie vermöchten wir ihn tot zu wähnen, der so lebendig unserem Herzen innewohnt! (Aurelius Augustinus)

Impuls zum Requiem an Allerseelen in der Grabeskirche St. Josef Aachen

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