Impuls zum Karfreitag

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Der Satz am Kreuz ist kein theologischer Lehrsatz.
Es ist ein Schrei.
Einer, der tief trifft, wenn man selbst gerade müde geworden ist.

Es ist dieser Moment, wo du weißt:
Du hast alles gegeben.
Mit Liebe. Mit Geduld. Mit offenen Händen.
Und trotzdem ist niemand da.
Oder nicht die, von denen du es erhofft hattest.

Karfreitag ist der Tag für all das, was weh tut –
für die unausgesprochenen Enttäuschungen,
für das stille „Warum?“,
für die innere Leere nach zu vielen kleinen Kämpfen,
für das Gefühl, gegen Mauern zu reden
und sich selbst dabei zu verlieren.

Und vielleicht dürfen wir heute einfach mal nicht stark sein.
Nicht pastoral. Nicht verständnisvoll.
Sondern einfach ehrlich.

Ich bin müde, Herr.
Ich wollte doch nur, dass es gut wird.
Ich hab gehofft, dass man mich sieht.
Und jetzt tut es weh.

Jesus versteht das.
Nicht nur, weil er es miterlebt hat.
Sondern weil er es mitfühlt.

Denn Karfreitag ist nicht nur Erinnerung –
er ist Mit-Gang.
Mit unseren Fragen. Mit unserer Enttäuschung.
Mit unserem „Ich kann nicht mehr.“


Das Kreuz steht da. Still. Unbeantwortet.

Und es ruft nicht: „Alles wird gut.“
Sondern:

„Ich bleibe bei dir – auch wenn nichts gut aussieht.“

Es sagt nicht:

„Reiß dich zusammen.“
Sondern:
„Lass los, was du nicht mehr tragen kannst. Ich halt’s für dich.“


Heute darfst du einfach da sein.
Mit deinem Schmerz. Deiner Müdigkeit. Deiner Sehnsucht.
Und wissen:

Du musst nicht mehr tun.
Du musst nicht kämpfen.
Du musst nur halten, was du noch hast –
und loslassen, was dir nicht mehr gut tut.

Denn das Kreuz hält dich.
Auch in dem, was du selbst nicht mehr halten kannst.

Karfreitag ist nicht das Ende.
Aber er ist ehrlich.
Und heilig.
Und getragen.

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