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Immer wieder hört man es:
„Die Kirche soll sich nicht in Politik einmischen.“
„Sie soll sich auf das Spirituelle konzentrieren.“
„Für Gebet und Gottesdienst ist sie da – nicht für Gesellschaftsfragen.“
Und vielleicht klingt das ja im ersten Moment sogar plausibel.
Aber wenn man dann in die Bibel schaut –
wirklich hineinschaut –
dann merkt man:
Jesus war nie „neutral“.
Er hat Menschen gesehen,
die sonst übersehen wurden.
Er hat Kranke berührt,
die keiner anfassen wollte.
Er hat mit den Falschen gegessen
und den Rechten widersprochen.
Er hat gesagt:
„Selig, die hungern nach Gerechtigkeit.“
Und:
„Der Geist des Herrn ruht auf mir –
den Armen bringe ich eine gute Nachricht.“
Wie soll man das nicht politisch verstehen?
Natürlich:
Kirche soll keine Parteiprogramme schreiben.
Sie soll nicht regieren.
Aber sie darf – und sie muss –
fragen stellen.
Stachel sein.
Haltung zeigen.
Wenn Menschen erniedrigt werden,
wenn die Schöpfung geschändet wird,
wenn die Schwächsten den höchsten Preis zahlen –
dann ist Schweigen keine Demut,
sondern Verrat am Evangelium.
Kirche ist dann glaubwürdig,
wenn sie nicht nur feiert,
sondern sich verwickeln lässt.
In das Leben.
In den Schmerz.
In die Fragen der Zeit.
Das heißt nicht, dass sie auf alles eine fertige Antwort hat.
Aber es heißt:
Sie steht da – bei den Menschen.
Sie hört zu.
Sie widerspricht, wenn nötig.
Sie bringt Licht dahin, wo es finster ist.
Und manchmal ist das politisch.
Weil das Evangelium selbst politisch ist.
Es nimmt Partei –
nicht für Parteien,
aber für Menschen.
Vielleicht ist das unsere Aufgabe heute mehr denn je:
Eine Kirche zu sein,
die nicht laut wird, um Recht zu haben,
sondern um den Mund aufzumachen für die, die keine Stimme haben.
Eine Kirche, die nicht perfekt ist –
aber glaubwürdig.
Und mutig.
Denn Jesus hat uns nicht gesagt:
„Seid nett und unauffällig.“
Sondern:
„Ihr seid das Salz der Erde.“
Und Salz spürt man.
Sonst ist es nutzlos.