
Bild von Christian Mathis auf Pixabay
Es sind kleine Schritte, die die Kinder in diesen Wochen gehen. Von der ersten Gruppenstunde im November bis zur Feier der Erstkommunion im Frühling. Und es sind nicht nur Schritte durch das Kirchenjahr – es sind vor allem Schritte hinein in eine lebendige Gottesbeziehung.
„Gemeinsam mit Jesus: Volle Netze, volle Herzen“ – so lautet das Motto unserer diesjährigen Erstkommunionfeier. Es greift das Evangelium vom reichen Fischfang auf (Joh 21,1–14). Die Jünger haben die ganze Nacht gearbeitet – und nichts gefangen. Sie sind müde, enttäuscht, vielleicht auch ein wenig mutlos. Erst als Jesus ihnen begegnet, wenden sie sich neu aus, werfen das Netz noch einmal aus – und es wird voll. Voller Leben. Voller Hoffnung.
Mich berührt diese Geschichte immer wieder. Sie erzählt vom Frust der Leere. Von Nächten, in denen nichts gelingt. Von Momenten, in denen wir meinen, es sei vergeblich, noch einmal aufzubrechen. Und davon, dass es manchmal einen liebevollen Ruf von außen braucht, damit man nicht aufgibt. Und dass Jesus genau an diesem Punkt auftaucht – nicht mit Druck, sondern mit Vertrauen.
Unsere Kommunionkinder stehen noch ganz am Anfang ihrer Glaubensreise. Sie haben Fragen, sie staunen, sie probieren sich aus. Sie sind mal leise, mal laut – aber sie sind da. Und sie spüren: Da ist jemand, der sie meint. Der mit ihnen geht. Und sie dürfen lernen, was es heißt, in Beziehung zu Gott zu leben. Kein Leistungsprogramm. Kein Pflichtbesuch. Sondern ein Anfang, der trägt.
Manchmal vergessen wir Großen, wie zart diese Beziehung beginnt. Wie offen Kinder für das Heilige sind – wenn man ihnen Raum gibt, wenn man sie ernst nimmt. Es geht nicht um möglichst perfekte Gottesdienste, fehlerfreie Antworten oder aufgeräumte Bänke. Es geht um das Staunen. Um das Gespür für Nähe. Um das leise Vertrauen: „Ich bin nicht allein.“
Ich wünsche unseren Kindern, dass sie genau das erleben dürfen. Dass sie merken: Gott ist nicht weit weg, irgendwo im Himmel. Gott ist nahe – in der Stille, im Brot, in Menschen, die sie liebevoll begleiten. Ich wünsche ihnen, dass sie erleben, wie ihr Herz voll wird, weil Jesus mit ihnen unterwegs ist.
Und ich wünsche auch uns Erwachsenen, dass wir uns von dieser Freude anstecken lassen. Dass wir nicht nur Zuschauer sind, sondern mitgehen. Mit Glauben, mit Geduld – und mit offenen Herzen. Vielleicht brauchen auch wir – inmitten von Alltag, Terminen, Zweifeln – diesen Impuls: Noch einmal das Netz auswerfen. Noch einmal vertrauen. Noch einmal auf Jesus hören.
Denn das Netz, das wir in dieser Feier auswerfen, ist nicht aus Seilen – sondern aus Vertrauen, Hoffnung und Liebe.
Und es ist groß genug für uns alle.