
Bild von GuHyeok Jeong auf Pixabay
Wenn ich erzähle, dass ich bei einem Projekt auf Twitch mitarbeite, schauen mich viele erstmal fragend an: „Twitch – ist das nicht diese Plattform, auf der junge Leute Computerspiele gucken?“ Ja – und nein. Twitch ist eine riesige Bühne für Live-Inhalte aller Art: Spiele, Talkshows, Musik, Bastelstreams, Kochsendungen … und auch für gemeinnützige Aktionen.
Ich bin Teil des Teams von LiveForLifeTV, einem Twitch-Projekt, das jedes Jahr im Mai stattfindet. Dutzende Streamerinnen und Streamer schließen sich zusammen, um gemeinsam Spenden zu sammeln – in diesem Jahr für den Tierschutz. Und das alles mit einer erstaunlichen Mischung aus Kreativität, Humor und Herz.
Was ich da mache? Ich bin Chat-Moderator und helfe bei Vorbereitungen… nicht mit Weihwasser, sondern mit Zeit, manchmal einem Seelsorgeohr und ziemlich viel Kaffee.
Und ehrlich gesagt: Genau da finde ich Kirche. Nicht nur im Gottesdienst, sondern auch mitten im digitalen Raum, in einer jungen Community, die sich nicht sonntags zur Eucharistie versammelt, aber bereit ist, sich für andere einzusetzen. Menschen, die ihr Publikum unterhalten und gleichzeitig sagen: „Hey, wir können gemeinsam etwas bewegen.“
Für mich ist das keine Konkurrenz zur Kirche, sondern eine Art Verlängerung dessen, woran ich glaube: dass Glaube und Engagement zusammengehören. Dass wir als Christinnen und Christen auch eine Verantwortung haben – und zwar nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch.
Natürlich gibt es da auch schräge Momente. Manchmal ist die Sprache rauer, die Musik lauter, und die Witze nicht immer fromm. Aber mittendrin: eine tiefe Ernsthaftigkeit, wenn es um das Ziel geht. Wenn plötzlich 500 Euro in fünf Minuten gespendet werden. Wenn ein Streamer emotional wird, weil er sieht, wie viele mitziehen. Wenn jemand im Chat schreibt: „Ich hab selbst ein Tier aus dem Tierheim – danke, dass ihr das unterstützt.“
Da steckt mehr Glaube drin, als man denkt.
Ich glaube, wir als Kirche können viel lernen, wenn wir den Mut haben, uns auf neue Räume einzulassen. Es geht nicht darum, uns überall einzumischen oder gleich das Kreuz auf jede Plattform zu stellen. Aber es geht darum, da zu sein. Offen, ehrlich, interessiert. Menschen zu begegnen – auch digital – und gemeinsam Gutes zu tun.
Denn am Ende zählt nicht, ob die gute Tat offline oder online passiert. Sondern dass sie geschieht. Und dass wir uns erinnern: Die Schöpfung ist uns anvertraut – und das gilt für Tiere genauso wie für Menschen. Wenn junge Leute das leben – mit Webcam und WLAN – dann kann ich nur sagen: Gott sei Dank.