Christi Himmelfahrt

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Liebe Schwestern und Brüder,

heute feiern wir Christi Himmelfahrt –
eines dieser Feste, das manchmal ein bisschen geheimnisvoll bleibt.
Jesus geht – und doch bleibt er.
Er „fährt auf“ in den Himmel – und doch ist er weiter mitten unter uns.

Was feiern wir da eigentlich?

Im Evangelium hören wir:
Jesus spricht ein letztes Mal mit seinen Jüngern.
Er erinnert sie an alles, was geschehen ist:
Dass er leiden musste, dass er gestorben ist –
und dass er auferstanden ist.
Und dann, so erzählt Lukas,
segnet er sie – und wird „zum Himmel emporgehoben“.

Ein Abschied also?
Ja – aber nicht wie ein Abschied ins Nichts.
Nicht wie jemand, der einfach verschwindet.

Jesus verlässt die Jünger nicht, um sie allein zu lassen.
Er tut es, um neue Wege für seine Nähe zu öffnen.

Wenn wir „Himmel“ hören, denken wir vielleicht zuerst an Wolken, Weite, oben, Licht.
Aber der „Himmel“ in der Bibel ist nicht nur ein Ort –
sondern ein anderer Zustand der Nähe Gottes.

Jesus kehrt zu seinem Vater zurück –
aber nicht, um sich zu verstecken.
Er ist jetzt nicht weniger da –
sondern anders da.

Unsichtbar – aber nicht abwesend.
Er lebt jetzt in einer anderen Dimension.
Und genau deshalb kann er jetzt überall sein:
in unseren Herzen, in der Eucharistie, in unserem Alltag, in jedem Menschen.

Was mich am meisten berührt:
Die Jünger schauen Jesus nach –
und was tun sie dann?

Sie kehren voll Freude nach Jerusalem zurück.
Nicht traurig. Nicht leer. Nicht verzweifelt.
Sondern gestärkt, gesegnet, erfüllt.

Warum?

Weil sie verstanden haben:
Dieser Jesus, den wir geliebt haben,
der uns das Herz aufgetan hat,
der uns Hoffnung gegeben hat –
er ist nicht weg. Er lebt. Und er geht mit.

Und noch mehr:
Jetzt sind sie dran.
Jetzt beginnt ihre Zeit – die Zeit der Zeugen.

Auch uns ist dieser Auftrag gegeben:
Wir leben in der „Zwischenzeit“ –
zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft,
zwischen der Zusage und ihrer Vollendung.
Aber wir sind nicht allein.

Wir sind gesegnet, so wie die Jünger.
Und wir sind gesandt.

Und vielleicht dürfen wir heute, am Fest Christi Himmelfahrt, ganz neu glauben:
– Dass Jesus uns sieht, auch wenn wir ihn nicht sehen.
– Dass er mitgeht, auch wenn der Weg schwer ist.
– Dass er uns segnet, auch wenn wir uns oft klein fühlen.

Christi Himmelfahrt bedeutet:
Der Himmel ist nicht nur das Jenseits –
er beginnt schon jetzt,
wo Menschen an Jesus glauben,
wo Hoffnung geteilt wird,
wo einer dem anderen zum Segen wird.

Vielleicht ist es ja so:
Jesus ist „aufgefahren“,
damit wir nicht ständig nach oben starren –
sondern anfangen, um uns herum den Himmel zu entdecken:
in den Gesichtern der Menschen,
im Licht eines Lächelns,
in einer kleinen Tat der Liebe.

Und so dürfen auch wir heute gehen – wie die Jünger:
Voll Freude.
Gestärkt durch seinen Segen.
Und mit dem Blick nicht nur nach oben, sondern auf das Leben um uns herum.

Denn der Himmel ist näher, als wir oft denken.

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