Berufen, nicht geplant – Gedanken zwischen Schulflur und Sakristei

Bild von mijung Park auf Pixabay

Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, ich würde Diakon im Hauptberuf werden – ich hätte geschmunzelt.
Wenn dann noch jemand behauptet hätte, ich würde in die Schule gehen… ich hätte laut gelacht.
Und doch – hier bin ich. Auf dem Weg zur Missio canonica. Auf dem Weg ins Klassenzimmer.

Nicht, weil ich einen Karriereplan hatte.
Nicht, weil ich den „nächsten logischen Schritt“ gegangen bin.
Sondern weil ich das Gefühl habe, dass mein Platz gerade dort ist, wo ich gebraucht werde.

Ich bin kein perfekter Lehrer. Ich habe keine pädagogische Glanzmappe, kein Standardrepertoire. Aber ich bringe etwas mit, das man nicht studieren kann:
die Bereitschaft, bei den Menschen zu sein. die Sehnsucht, Glauben nicht nur zu lehren, sondern ihn lebendig werden zu lassen und die Hoffnung, dass genau im Unvollkommenen oft das Glaubwürdigste steckt.

Berufung heißt für mich nicht: Ich weiß alles.
Berufung heißt: Ich lasse mich senden, auch wenn ich noch nicht alles verstehe.
Ich bin Diakon – nicht trotz meiner Zweifel, sondern mit ihnen.
Ich werde Lehrer – nicht weil ich alle Antworten habe, sondern weil ich die richtigen Fragen mitbringe.

Vielleicht liegt genau darin das Wirken des Heiligen Geistes:
Dass wir auf Wegen landen, die wir uns nie selbst ausgesucht hätten.
Aber auf denen wir plötzlich merken: Hier bin ich richtig.

Und wenn ich heute in der Sakristei stehe und morgen im Lehrerzimmer, dann ist das kein Bruch.
Es ist ein Zeichen: Kirche ist nicht nur am Altar. Kirche ist auch im Klassenzimmer.
Und manchmal beginnt Verkündigung mit einem Tafelbild. Oder mit einer ehrlichen Antwort auf die Frage:
„Herr Diakon, glauben Sie das eigentlich selbst, was Sie da erzählen?“

Ja. Ich glaube.
Und ich gehe.
Nicht, weil ich es mir vorgenommen habe.
Sondern weil es meine Aufgabe geworden ist

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