Profil in Spannung – und genau deshalb stimmig

Bild von WOKANDAPIX auf Pixabay

Ich bin Diakon. Und ich werde bald katholische Religion unterrichten. In einer Schule in unserem Viertel.

Noch bin ich kein „fertiger“ Religionslehrer. Aber ich glaube, ich bringe vieles mit, was dazugehört: Herz, Haltung, Verwurzelung – und eine Idee davon, wie Glaube heute erfahrbar werden kann. Vielleicht nicht durch Kirchenbänke und Lehrbuchzitate, sondern durch Psalmen auf Beats. Vielleicht.

Denn das ist kein Widerspruch. Das ist mein Weg.

Ich habe gelernt: Wer zwischen Tradition und Gegenwart vermitteln will, braucht nicht die perfekte Balance – sondern Haltung. Ich stehe auf der Schwelle zwischen Eucharistie und Schulhof, zwischen Tabernakel und Tafelbild. Ich habe vor der Monstranz gepredigt – und trage Psalm 13 in mir, bereit, ihn zu rappen. Nicht, weil ich „krass modern“ sein will. Sondern weil ich glaube, dass Gott da ist, wo Menschen ehrlich sprechen. In jeder Sprache. In jedem Ton.

Ich habe früher gesagt: Ich werde nie Diakon. Und ich werde nie an die Schule gehen. Jetzt gehe ich genau diesen Weg. Und ich kann mir nichts Passenderes vorstellen.

Es gibt die, die sagen: „Das ist zu viel. Zu poppig. Zu locker.“ Andere sagen: „Das ist zu katholisch. Zu ernst. Zu viel Kirche.“ Und vielleicht stimmt beides. Vielleicht bin ich genau dazwischen.

Aber genau dort, wo es Spannung gibt, entsteht Raum für Begegnung. Für Dialog. Für Mut.

Ich möchte, dass meine zukünftigen Schüler:innen merken: Hier darfst du sein. Mit deiner Wut. Mit deinem Zweifel. Mit deiner Sehnsucht. Und wenn du willst, bring sie in einen Rap. Oder in ein Gebet. Oder in beides.

Ich glaube an eine Kirche, die sich nicht verbiegt – aber bewegt. Und an einen Religionsunterricht, der nicht auswendig lernen lässt, sondern verstehen hilft. Sich selbst. Und den Anderen. Und Gott mittendrin.

Mein geistliches Vorbild dabei? Charles de Foucauld. Der suchte nicht zuerst die Bühne, sondern die Nähe. Der wollte nicht überzeugen, sondern präsent sein. Nicht missionieren, sondern mitleben. Sein Weg war das stille Zeugnis mitten unter den Menschen. Und vielleicht ist genau das mein Ziel: Kein großer Auftritt – sondern ein präsenter Glaube, der leise und klar sagt: „Ich bin da. Für euch. Und mit Gott.“

Ich nenne das: Profil in Spannung. Und ich glaube, dass genau darin der Auftrag liegt. Nicht als Ausnahme. Sondern als Zukunft.

Hinterlasse einen Kommentar