
Predigt zum 18. Sonntag im Jahreskreis (Lk 12,13–21 / Koh 1,2; 2,21–23)
„Was bleibt?“
Liebe Schwestern und Brüder,
„Windhauch, Windhauch – alles ist Windhauch.“
So beginnt das Buch Kohelet. Und dieser Satz sitzt.
Er wirkt fast wie ein tiefer Seufzer: „Wozu das alles?“
Da spricht einer, der das Leben kennt.
Nicht jemand, der auf alles eine fromme Antwort hat,
sondern jemand, der sich getraut, ehrliche Fragen zu stellen.
Jemand, der merkt: Ich kann schuften, planen, mich abstrampeln,
aber was nützt es mir, wenn ich am Ende leer dastehe?
Diese Erfahrung kennen viele von uns. Wir rackern, wir kämpfen uns durch,
wir geben unser Bestes ,für die Familie, die Arbeit, das Leben.
Und doch bleiben wir manchmal mit einem komischen Gefühl zurück:
War das jetzt alles? Ist das wirklich das, worauf es ankommt?
Und genau da hinein spricht Jesus sein Gleichnis.
Ein Bauer hat eine große Ernte – so groß, dass er neue Scheunen bauen will.
Er redet nicht mit Gott, nicht mit anderen, er redet nur mit sich selbst:
Ich will… ich baue… ich habe… ich genieße.
Und dann – wie ein Paukenschlag – sagt Gott:
„Noch in dieser Nacht wird dein Leben von dir zurückgefordert.
Und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?“
Das klingt hart, aber es ist kein strafender Ton.
Es ist ein liebevoller, klarer Ruf zur Umkehr:
Wach auf! Frag dich: Wofür lebst du wirklich? Was zählt für dich?
Denn das Leben ist mehr als Besitz. Mehr als Erfolg.
Mehr als volle Speicher.
Das Entscheidende, das, was bleibt ist das, was wir aus Liebe tun.
Was wir einander schenken. Was wir an Gutem hinterlassen.
Liebe Gemeinde,
wir leben in einer Welt, die oft das Gegenteil predigt:
Höher, schneller, weiter. Mehr Geld, mehr Likes, mehr Ansehen.
Aber Jesus stellt uns eine andere Frage: „Wie reich bist du – bei Gott?“
Und das ist kein Vorwurf. Es ist eine Einladung.
Eine Einladung zum Innehalten. Zum Neu-sortieren.
Zum Umdenken.
Denn „reich bei Gott“ ,das hat nichts mit Reichtum zu tun,
sondern mit Beziehung:
– Habe ich ein Herz, das offen ist?
– Habe ich Augen, die andere sehen, auch die, die sonst niemand beachtet?
– Habe ich Hände, die nicht nur festhalten, sondern auch loslassen können?
Ich denke da an eine Frau aus der Gemeinde, die mir mal sagte:
„Ich hab nie viel gehabt im Leben. Aber ich hab immer geteilt.
Und das hat mich froh gemacht.“
Solche Sätze bleiben. Solche Menschen sind „reich bei Gott“.
Nicht, weil sie viel besitzen, sondern weil sie ein volles Herz haben.
Und vielleicht fragt uns das Evangelium heute:
Was willst du hinterlassen? Nicht nur materiell.
Sondern menschlich. Was sollen die Menschen mal über dich sagen?
Vielleicht nicht: „Der hatte viel!“
Sondern: „Der war da für andere.“
„Die hat uns gutgetan.“
„Von ihm ging Segen aus.“
Liebe Schwestern und Brüder,
Kohelet nennt das Leben einen „Windhauch“.
Ja – es ist flüchtig. Zerbrechlich.
Aber genau das macht es auch kostbar.
Wie ein Windhauch, der über die Haut streicht
und uns daran erinnert:
Da ist mehr. Da ist Leben. Da ist Gottes Geist.
Und er weht – auch in unserem Alltag.
Er ruft uns – liebevoll, leise, aber deutlich:
Lebe nicht nur für dich. Lebe für das, was bleibt.
Denn was bleibt –
ist nicht das, was wir festhalten.
Sondern das, was wir weitergeben.
Nicht die Scheune. Sondern die Liebe.
Amen.