Liebe, die stärker ist, als Hass

Impuls zu Maximilian Kolbe

am 14. August 1941, im Konzentrationslager Auschwitz, trat ein Mann aus der Reihe.
Zehn Gefangene waren zur Strafe für die Flucht eines Mitgefangenen in den Hungerbunker geschickt worden. Einer von ihnen rief verzweifelt: „Meine Frau! Meine Kinder!“
Da trat Maximilian Kolbe vor und sagte: „Ich will an seiner Stelle sterben.“
Er wusste, was das bedeutete.
Er tat es trotzdem.

Kolbe wurde im Lager nicht als Held gefeiert, nicht einmal als besonders wichtig angesehen. Er war einfach einer unter vielen – und doch hat seine Entscheidung die Welt verändert. Er starb, damit ein anderer leben konnte.

Warum erinnern wir uns heute an ihn?
Weil er uns zeigt, dass Menschlichkeit nicht verhandelbar ist – und dass sie gerade dann gefragt ist, wenn um uns herum eine andere Sprache lauter wird: die Sprache der Angst, der Ausgrenzung, der Herabwürdigung.

Wir leben in einer Zeit, in der alte Muster wieder aufblühen:
Menschen werden nach Herkunft, Religion, Orientierung oder Leistungsfähigkeit eingeteilt in „wertvoll“ und „weniger wertvoll“.
Parolen, die wir längst überwunden glaubten, finden wieder offene Ohren.
Manchmal schleichend, manchmal laut – aber immer gefährlich.

Maximilian Kolbe erinnert uns daran:
Wer den Weg der Liebe geht, widerspricht dem Weg des Hasses.
Nicht mit Hass gegen Hass, sondern mit der Entscheidung, das Leben des anderen zu schützen – koste es, was es wolle.

Wir werden vermutlich nicht vor der Wahl stehen, für jemanden zu sterben.
Aber wir stehen oft vor der Wahl, ob wir schweigen oder widersprechen, ob wir mitgehen oder stehenbleiben, ob wir wegschauen oder hinschauen.

Kolbes Leben sagt uns:
Heiligkeit beginnt da, wo wir uns weigern, Menschen in Kategorien zu sortieren.
Wo wir uns auf die Seite derer stellen, die keinen Platz in den vollen Zügen der Mächtigen bekommen.
Wo wir Liebe zum Maßstab unseres Handelns machen – nicht Angst, nicht Kalkül, nicht Gleichgültigkeit.

Heute, in einer Zeit, in der wieder Mauern in Köpfen und Herzen gebaut werden, ist Maximilian Kolbe aktueller denn je.
Er lädt uns ein, zu widersprechen – nicht nur mit Worten, sondern mit Taten, die dem anderen zeigen: Du bist es wert, dass jemand für dich einsteht.

Vielleicht ist das die größte Herausforderung an uns:
Die Liebe nicht für den Sonntag im Gottesdienst zu reservieren, sondern sie mitten in den Alltag zu stellen – dorthin, wo sie unbequem wird.
Dorthin, wo sie Mut braucht.

Denn Liebe, wie Kolbe sie lebte, ist nicht weich und nett.
Sie ist widerständig.
Und sie ist stärker als jeder Hass.

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