Darf man das ?!?

Neulich habe ich mit einer Gruppe Firmlinge Psalm 8 bearbeitet. Statt ihn einfach vorzulesen, haben wir ihn gemeinsam „übersetzt“ – in ihre Sprache, ihre Bilder, ihren Humor. Heraus kam etwas, das mich umgehauen hat:

„Hey!
Gott du bist überall da, wo wir sind, ob wir dich sehen oder nicht. Dein Name ist überall, auch in den Sozialen Medien. Egal wo, auf Erden oder Himmel, du bist immer da. Egal ob klein oder groß, die die Singen geben dir Kraft, und machen deinen Feinden Ohrenweh!

Ich kann überall hingucken, seien es Blumen, Mond oder Playstation, alles hast du gemacht. Ich kanns nicht fassen, all deine Massen. Menschen sind im Vergleich nichts zu dir, und trotzdem bist du für uns immer hier. Wir sind alle dank dir schön und wer das nicht akzeptiert, kann gehen!

Er ist auch der Chef über all unsere Sachen und dagegen wollen oder können wir nix machen. Zum Beispiel Axolotl, Adler oder Alpaka. Gott, wir küssen dein Herz [Firmantin zusammen mit Diakon zeigen ein Handherz].

Tschüß!“

Und dann kommt der Moment, der alles zusammenfasst: Am Ende machen wir das Handherz. Öffentlich. Sichtbar. Jugendliche und ich – gemeinsam vor der Gemeinde.

Jetzt mal ehrlich: Darf man das?

Viele würden sofort sagen: „Das ist doch nicht mehr die Bibel!“ Andere finden es vielleicht respektlos, wenn Playstation und Axolotl in einem Atemzug mit Gottes Schöpfung genannt werden – und dann auch noch ein Handherz als liturgisches Schlusszeichen.

Und doch – ist es nicht genau das, was die Bibel will? Dass Menschen in ihrer Sprache Gott loben? Dass Jugendliche sich trauen, Zeichen zu finden, die ihre Welt abbilden?

Psalm 8 ist im Original ein uraltes Gebet. Aber das Anliegen ist zeitlos: Gott ist groß, der Mensch klein – und doch mit Würde gekrönt. Das haben die Jugendlichen erfasst. Sie haben keine flachen Witze gemacht, sondern ernsthaft gesagt: „Du bist überall da, auch wenn wir dich nicht sehen.“ Genau das ist Theologie.

Und noch ein Gedanke: In der Firmmesse wird dieser Text als Lesung vorgetragen. Manche Besucher:innen könnten irritiert sein. „Das darf man doch nicht!“ Aber ich bin überzeugt: Gerade hier darf man. Mehr noch – man muss. Denn wenn Jugendliche ihre Sprache und ihre Gesten in der Kirche wiederfinden, dann erfahren sie: Glaube ist kein Museumstext. Glaube lebt. Heute. Mit mir. Mit uns.

Mein Fazit: Natürlich darf man das. Ja, man muss sogar. Sonst bleibt Kirche in der eigenen Sprache gefangen und redet irgendwann an den Menschen vorbei. Wer glaubt, muss übersetzen – immer wieder neu, auch wenn dabei Playstation, Axolotl und ein Handherz vorkommen.

Hinterlasse einen Kommentar