„Ist doch Karneval.“
Ein Satz, den man in diesen Tagen oft hört. Manchmal lachend.
Manchmal entschuldigend. Manchmal auch als Freifahrtschein.
Ist doch Karneval – also darf man mal anders sein.
Ist doch Karneval – also sind Sprüche okay, die man sonst nicht sagen würde.
Ist doch Karneval – also gelten manche Grenzen heute nicht so genau.
Und dann hören wir heute diese Texte. Im Buch Jesus Sirach heißt es:
Gott legt uns Leben und Tod vor. Gut und Böse. Und er sagt: Du darfst wählen.
Nicht: Du musst perfekt sein. Nicht: Du darfst nichts falsch machen. Sondern: Du bist ein freier Mensch. Und Freiheit heißt: Ich übernehme Verantwortung für meine Entscheidungen. Und dann kommt Jesus in der Bergpredigt.
Er sagt nicht: „Hauptsache, ihr haltet euch äußerlich an die Regeln.“
Er sagt: Schaut tiefer. Schaut ins Herz. Schaut auf eure Haltung. Nicht nur: Du sollst nicht töten. Sondern auch: Was macht dich innerlich hart?
Nicht nur: Du sollst keinen Ehebruch begehen.
Sondern auch: Wie schaust du auf den anderen Menschen?
Jesus verschiebt den Maßstab. Von außen nach innen. Von Fassade zu Herz. Und genau da berührt das den Karneval. Denn Karneval arbeitet mit Masken.
Mit Rollen. Mit Übertreibungen.
Das ist erstmal nichts Schlechtes. Karneval darf fröhlich sein. Bunt. Laut und Befreiend.
Aber Karneval ist kein Urlaub von der Nächstenliebe.
Karneval ist auch kein Freibrief, vielleicht ist er eher ein Spiegel.
Ein Spiegel, der zeigt: Was kommt eigentlich raus, wenn ich mich nicht so sehr kontrolliere? Was kommt raus, wenn die Maske locker sitzt? Kommt Humor raus – oder Spott? Kommt Lebensfreude raus – oder Rücksichtslosigkeit? Kommt Nähe raus – oder Grenzüberschreitung? Jesus sagt heute nicht: „Habt keinen Spaß.“
Er sagt: Vergesst nicht, wer ihr seid. Ihr seid Menschen, denen Gott zutraut, gut zu handeln. Ihr seid Menschen, die wählen können. Jeden Tag neu. Und das ist die eigentliche christliche Freiheit: Nicht alles zu tun, was möglich ist.
Sondern das zu tun, was dem Leben dient. Auch im Feiern, im Lachen, im Karneval
Und dann kann Karneval sogar etwas sehr Schönes sein:
Ein Fest, bei dem wir merken: Ich darf fröhlich sein – und trotzdem achtsam.
Ich darf ausgelassen sein – und trotzdem respektvoll. Ich darf feiern – ohne meine Menschlichkeit an der Garderobe abzugeben. Jesus traut uns das zu.
Und das ist eigentlich eine ziemlich gute Nachricht.
Amen.
