Predigt 2.0 – ein ernst gemeinter Versuch

Ich habe in den letzten Tagen viel über Predigt nachgedacht.

Nicht nur so im Vorbeigehen, sondern wirklich ernsthaft: Was passiert da eigentlich, wenn wir predigen? Und vor allem: Kommt das überhaupt noch an?

Ich erlebe mich selbst oft in einer Spannung. Auf der einen Seite steht der Anspruch, dem Evangelium gerecht zu werden – also nicht zu verkürzen, nicht zu banalisieren, nicht einfach nur „nett“ zu sprechen. Auf der anderen Seite steht die Realität: Menschen hören anders. Kürzer. Fragmentierter. Und manchmal – ehrlicherweise – gar nicht mehr.

Das ist kein Vorwurf. Das ist eine Beobachtung.

Wenn das Wort Gottes Fleisch geworden ist (Joh 1), dann bedeutet das ja nicht nur, dass Gott Mensch wird, sondern auch, dass er sich verständlich macht. Inkarnation ist immer auch Kommunikation. Gott spricht so, dass Menschen ihn hören können.

Schon Augustinus schreibt sinngemäß, dass gute Verkündigung nicht nur richtig sein darf, sondern auch so gestaltet sein muss, dass sie verstanden wird. Und Papst Franziskus wurde nicht müde zu betonen, dass Predigten nicht zu lang sein sollen und nah am Leben der Menschen bleiben müssen. Er spricht davon, dass eine Predigt „wie die liebevolle Zuwendung einer Mutter“ sein soll – also klar, konkret, zugewandt.

Ich nehme das ernst.

Und gleichzeitig merke ich: Unsere gewohnten Formen tragen oft nicht mehr selbstverständlich. Nicht, weil sie falsch wären – sondern weil sich die Hörgewohnheiten verändert haben.

Wir leben in einer Zeit, in der Inhalte in Sekunden vermittelt werden. In der Aufmerksamkeit ein knappes Gut ist. In der Menschen daran gewöhnt sind, dass etwas direkt auf den Punkt kommt.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem es vielleicht ein wenig ungewöhnlich wird.

Ich habe beschlossen, meine Predigtpraxis zu überdenken. Nicht im Inhalt – aber in der Form.

Ab sofort werde ich meine Predigten im TikTok-Stil halten.

Bevor jetzt jemand innerlich die Hände über dem Kopf zusammenschlägt: Nein, das Evangelium wird nicht zum Meme. Und nein, die Frohe Botschaft wird nicht auf „3 schnelle Lifehacks mit Jesus“ reduziert.

Aber ich frage mich ernsthaft:
Was wäre, wenn wir die Ernsthaftigkeit des Inhalts mit der Klarheit der Form verbinden?

Konkret heißt das:

  • eine klare zeitliche Begrenzung (Ziel: maximal 60 Sekunden)
  • eine starke Fokussierung auf einen Gedanken
  • eine Sprache, die unmittelbar anschließt
  • eine Dramaturgie, die trägt

Ich gebe zu: Ich experimentiere noch.

Der Übergang vom Evangelium zum Beat-Drop ist aktuell theologisch noch nicht ganz ausgereift. Auch bei den Lichteffekten bin ich unsicher, ob sie eher zur Erleuchtung beitragen oder doch nur irritieren.

Aber vielleicht steckt genau darin eine Chance.

Denn am Ende geht es ja nicht darum, ob eine Predigt „klassisch“ oder „modern“ ist. Es geht darum, ob sie das tut, was sie soll:

Das Evangelium so zur Sprache bringen, dass Menschen es hören können.

Und vielleicht – ganz vielleicht – bedeutet das heute auch, dass wir Formen ausprobieren, die wir vor ein paar Jahren noch nicht ernst genommen hätten.

Ich werde berichten.

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