
Impuls zum Mittwoch der 33. Woche im Jahreskreis (Lesungen)
Einführung:
Was wir von Gott erhalten, damit dürfen wir nicht leichtfertig umgehen. Was wir von Ihm erhalten haben dürfen wir nicht ungenutzt verfallen lassen.
Am vergangenen Sonntag haben wir in der hl. Messe schon etwas dazu gehört und im heutigen Evangelium kommt der Text zu den Talenten bzw. Minen in der Variante des Lukas. Heute gibt es drei verschiedene Anlässe im Kalender, die in diesem Wort-Gottes-Dienst berücksichtigt werden können.
Zum einen ist heute der Weihetag der Basiliken St. Peter und St. Paul zu Rom, heute ist auch Buß- und Bettag – zumindest noch in einzelnen Regionen Deutschlands – und heute ist der Weltgebetstag für die Opfer sexualisierter Gewalt.
Im Lichte des Gutachtens, das letzten Donnerstag veröffentlicht wurde, scheint es mir wichtig heute die Opfer sexualisierter Gewalt in den Mittelpunkt zu stellen. Ich habe die Pressekonferenz zum Gutachten mitverfolgt und schon im Vorfeld konnte man erahnen, welche Namen genannt werden. So schockierend das mit Sicherheit für viele von uns ist, die die genannten Personen persönlich kennen, so schockierender waren für mich die Zahlen zu den Opfern und Tätern. 81 Täter; 79 Priester und zwei Diakone, und weit über 150 Opfer! Das sind Zahlen und Fakten, die mich betroffen machen.
Es ist gut, dass nun alles offen auf dem Tisch liegt und dass es nun eine Chance gibt, die Ursachen und den Umgang zu korrigieren.
Impuls:
Die Offenbarung des Johannes ist wohl mit Sicherheit eines der interessantesten, wenn gleich auch schwierigsten Bücher unserer heiligen Schrift. Oft wird diese „Apokalypse“ bemüht, wenn sich Katastrophen ereignen, um daraus eine Endzeit-Prophetie abzuleiten, ähnlich wie bei den berühmten Prophezeiungen des Nostradamus.
Was macht dieses Buch eigentlich so schwierig verständlich für uns? Natürlich bedient es sich einer Sprache und Bildern, die uns gänzlich fremd sind. Die Adressaten der Offenbarung aber, wussten um die Bedeutung der benutzten Bilder. So ist die Offenbarung des Johannes auch kein klassisches Buch von Prophezeiungen, sondern eine Art Brief an 7 verschiedene Gemeinden rund um Ephesus – die Johannes den Seher sicherlich kannten. Geschrieben wurde die Offenbarung vermutlich in den 90er Jahren des 1. Jahrhunderts – also zur Regierungszeit des Kaiser Domitians.
Zu Zeiten Domitians nahm der Kult um den römischen Kaiser religiöse Züge an – so war der Kaiser in seinem Verständnis Gottes Stellvertreter auf Erden und er ließ sich oft als Menschensohn verehren. Das war für die jungen christlichen Gemeinden ein absolutes „No-Go!“ In dieser Zeit der religiösen und politischen Ausnahmesituation erlebt Johannes seine Offenbarung und schreibt diese auf.
Der Abschnitt, den wir heute gehört haben, ist eine klare Absage an die Regierenden, die sich gottgleich auf einen Thron setzen und erheben. Im gesamten Chaos von Katastrophen, Krankheiten, Auseinandersetzungen und Verfolgung zeichnet Johannes der Seher ein hoffnungsvolles Bild – den Blick durch die Tür ins Himmelreich. Es zeigt allen, dass die Tür zum Himmel offensteht.
Jesus selbst ist für uns diese Tür zum Himmel. „… Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden,“
Johannes beschreibt einen Thronsaal mit dem Thron, auf dem in letzter Konsequenz nur einer – nämlich Gott sitzt. Er ist es, der gleichsam verehrt wird und der letztlich die Geschicke der Welt lenkt – nicht eine politische Instanz, wie damals Kaiser Domitian.
Und noch ein Bild finde ich in diesem Abschnitt besonders: „Und vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall.“
Also ein beruhigtes, ja stilles – hoffnungsvolles Meer ohne Brausen und Tosen, ohne Untergang und Tot – eine „Seelen – Ruhe“ die der Mensch nur vor Gott finden kann.
Und so glaube ich, dass die Wellen und das Tosen, das das Gutachten in der letzten Woche ausgelöst hat uns zwei Dinge lehren sollte:
1.) Aus dem was uns an die Hand gegeben wird, müssen wir etwas machen. Wir dürfen dieses Gutachten nicht links liegen lassen, sondern müssen den Ursachen auf den Grund gehen und diese ändern.
2.) Können wir im Vertrauen auf die Vision des Johannes unsere Wellen und das Tosen, das Leid der Opfer und unsere Fassungslosigkeit vor Gott tragen, vor seinem Thron finden unsere aufgescheuchten Seelen, das Heil, für das du uns bereitet hast.
Amen
Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 18.11.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen