Impuls zum Mittwoch der 32. Woche im Jahreskreis (G: hl. Martin)

Impuls zum Mittwoch der 32. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Eröffnungswort:

Vielleicht ging es Ihnen bei dem Lied gerade etwas wie mir auch. Ich war zurückversetzt in meine Kindergarten- und Schulzeit. Ein bisschen kann ich das Martinsfeuer knistern hören und die Weckmänner riechen. Ich habe mir sagen lassen, dass die hier bekannten Weckmänner je nach Region auch „Stutenkerl“ heißen und dass sie entweder zu St. Martin oder zu Nikolaus gegessen werden. So soll auch die Tonpfeife ursprünglich einen Bischofsstab symbolisieren – warum es nun eine Pfeife ist, weiß ich leider auch nicht. Vielleicht etwas aus der Zeit der Säkularisation?

So erinnert uns also der Weckmann an den hl. Martin, dessen Fest wir heute feiern. Eine Strophe im bekannten Martinslied lautet: „Im Traum schaut er ein glänzend Licht / und eine milde Stimme spricht: / „Hab Dank, du braver Rittersmann, / für das, was du mir angetan,

Der „arme Mann“ hatte keine Möglichkeit, sich beim hl. Martin zu bedanken, da Martin aber „in Eil ritt“.

Eine ähnliche Situation hören wir im heutigen Evangelium. Jesus heilt zehn Aussätzige, aber nur einer von Ihnen kommt zurück, um Gott zu danken für die Heilung.

Undank ist der Welten Lohn – könnte man meinen…. Wir werden uns das gleich einmal genauer anschauen.

Impuls:

Der Evangelist Lukas erzählt hier von einer klassischen Wunderheilung.

Das eigentliche Wunder aber bekommen wir als Hörer und Leser gar nicht wirklich mit, denn hierum geht es nur zweitrangig.

Drei Dinge sind an diesem Text besonders:

Wir erfahren, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist, dieser Weg hinauf nach Jerusalem nimmt im Lukasevangelium einen besonderen Stellenwert ein – wissen die Leser und Hörer doch sehr genau, dass alles was auf diesem Weg geschieht einmalig ist.

Jesus geht – und das wusste die lukanische Gemeinde auch – nach Jerusalem, um am Kreuz zu sterben. Deshalb ist alles das was im Lukasevangelium auf diesem Weg passiert von entscheidender Bedeutung.

Weiterhin nimmt der Samariter – als Fremder – eine besondere Rolle ein. Es gab in der Zeit Jesu immer wieder Spannungen zwischen den Juden und den Samaritern. Die damaligen Juden glaubten an einen zentralen Kultort – einen besonderen Ort der Gottesnähe in Jerusalem. Die Samariter wiederum lebten auch nach den Gesetzen der Tora, lebten ihren Kult jedoch in einem Heiligtum auf dem Berg Garizim.

Zu guter Letzt steht das Thema „Dankbarkeit“ im Zentrum. Aber ging es Jesus hier wirklich darum, für sein Taten dank zu bekommen? Für mich klingt das sehr menschlich… War es Jesus wirklich wichtig, dass man ihm dankt oder meint der Evangelist hier vielleicht etwas ganz anderes?

Schauen wir auf unseren heutigen Tagesheiligen Martin, dann ist die Situation hier ähnlich. Martin wartet gar nicht erst auf eine Geste der Dankbarkeit und er erwartet sie auch nicht, er reitet einfach fort.

An den Zeichen sollt ihr ihn erkennen – und darum geht es! Nicht das Jesus Wunder oder Zeichen tut, sondern das Gott durch ihn auf und an uns wirkt. Die Dankbarkeit des Samariters ist letztlich nichts anderes als die Erkenntnis, das Gott auf Erden an uns Menschen wirkt, das Gott mit uns ist – klein, unscheinbar, zerbrechlich – als Kind in der Krippe und verletzt aber erhöht am Kreuz.

Amen

Impuls zur Wort-Gottes-Feier am 11.11.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

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