
Impuls zum Mittwoch der 6. Osterwoche (Lesungen)
Einführung:
Heute machen wir in der Lesung des Tages einen Ausflug nach Athen. Wir begleiten Paulus bei seiner berühmten Rede auf dem Areopag. Warum ist diese Rede so besonders, was macht diesen Abschnitt der Apostelgeschichte so bekannt und bedeutend? Der Areopag war in Athen der Ort, an dem viele berühmte Philosophen ihre Reden hielten. Von hier ging also die Philosophie der Antike hinaus in die Welt. Und an diesem bekannten Ort hält Paulus seine Rede. Er versucht den Menschen in Athen – die zu der Zeit sicher noch wenig bis gar nichts von Jesus Christus gehört haben – diesen Glauben nahe zu bringen. Es ist also eine Evangelisationsrede. In der Wissenschaft beschäftigt diese Rede noch bis heute die Wissenschaftler*innen: War diese Rede nun ein Erfolg oder ein Misserfolg? Diesem Gedanken möchte ich später etwas nachspüren, aber auch, was wir aus dieser Rede des Paulus für uns heute lernen können.
Impuls:
„Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.“ Dieser Satz aus der Apostelgeschichte lässt die Wissenschaft noch heute rätseln, ob Paulus mit seiner Rede erfolgreich war, oder eben nicht.
Die Apostelgeschichte wird heute auf ca. 90 n. Chr. Datiert, das bedeutet, das Paulus diese Rede doch deutlich früher gehalten haben muss. Zu diesem Zeitpunkt war das Christentum noch nicht sehr weit verbreitet – zumindest nicht in der hellenistischen Welt, die häufig ihrem Vielgötterglauben (Zeus, Hermes, Aphrodite etc.) anhingen. Bevor Paulus seine Rede hielt, hat er sich mit der Umgebung und diesem Glauben vertraut gemacht. So knüpft er in seiner Rede an den Altar zu Ehren „dem unbekannten Gott“ an. Er tritt also nicht als überheblicher Lehrmeister auf, der mit dem moralischen Zeigefinger einzig seine Lehrmeinung vertritt. Er holt die Menschen dort ab, wo sie sind. Und bis zu dem Punkt als Paulus von der Auferstehung der Toten spricht, scheinen ihm die Menschen auch gut folgen zu können. Dennoch spotteten einige und nur wenige folgten ihm dann weiter nach Korinth.
Zurück zur ursprünglichen Frage: War die Rede denn nun ein Erfolg oder ein Misserfolg? Die Antwort darauf liefert uns das Tagesevangelium von heute: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen.“ Ja, einige – vielleicht sogar viele – spotteten über Paulus. Aber können wir daraus einen Misserfolg ableiten? Ich glaube, dass Paulus Rede auf dem Areopag nicht unbedingt zum Ziel hatte, viele Menschen so zu begeistern, dass sie ihm folgen. Ich glaube viel mehr, dass Paulus hier einen Grundstein gelegt hat, einen kleinen Funken, der erst mit dem Geist der Wahrheit zu einem Feuer geführt hat. Und eines können wir heute noch von Paulus lernen. Wenn wir mit Menschen über Gott und unseren Glauben reden, dann dürfen wir nicht von unserer Glaubenswelt ausgehen, sondern müssen Ihren Glauben, ihre Glaubenswelt, ihre Anschauung respektieren.
Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 12.5. in der Fronleichnamskirche Aachen