Pfingstmontag

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes – liegt nun hinter uns. Oder vielleicht besser gesagt: Es hat begonnen.

Denn wenn der Heilige Geist kommt, dann ist das kein einmaliger Knall. Kein Feuerwerk, das kurz aufflammt und dann wieder verglüht. Der Geist Gottes wirkt weiter. Leise. Beständig. Oft unauffällig – aber voller Kraft.

Gestern haben wir die großen Bilder gehört: Brausen, Feuer, Begeisterung. Heute, am Pfingstmontag, ist es ruhiger geworden. Und doch – vielleicht gerade deshalb – lädt uns dieser Tag ein, tiefer zu hören. Auf das, was in uns lebt. Was uns trägt. Was uns verbindet.

In der Apostelgeschichte begegnet Paulus Menschen, die gläubig sind – aber sagen: Vom Heiligen Geist haben wir noch nichts gehört.

Und ich finde: Das klingt überraschend aktuell. Denn auch heute sagen viele Menschen: „Ich glaube ja irgendwie … aber mit dem Heiligen Geist – da kann ich nicht viel anfangen.“

Und doch glaube ich: Viele kennen den Geist Gottes – sie würden ihn nur anders nennen.

Denn sie kennen das Gefühl,
– wenn ein Wort plötzlich tröstet.
– wenn man spürt: Ich bin getragen, auch wenn ich nicht weiß, wie.
– wenn Frieden ins Herz kommt – mitten im Alltag.

Das alles sind für mich Spuren des Heiligen Geistes. Vielleicht ist er viel näher, als wir denken. Vielleicht ist er gerade da, wo wir still werden. Wo wir offen sind. Wo wir vertrauen.

Ich glaube, dass auch dieser Ort – unsere Kapelle im Seniorenzentrum – ein Raum des Heiligen Geistes ist.
Nicht weil alles perfekt ist. Sondern weil hier so viel Leben spürbar ist.
So viele Erfahrungen. So viele Geschichten.
So viele Menschen, die mit Herz und Hingabe für andere da sind.
So viel gelebte Liebe.
Der Geist wirkt, wo Menschen einander gut tun. Wo Nähe geschieht. Wo Hoffnung weitergegeben wird.

Und dann hören wir im Evangelium diesen großen Satz:

„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab…“

Gott liebt diese Welt.
Nicht nur die junge, schnelle, laute Welt. Sondern die ganze Welt.
Auch die Welt des Rückblicks.
Die Welt, in der Erinnerungen lebendig bleiben.
Die Welt der leisen Gespräche, der Gedanken, die Tiefe haben.
Gott liebt das, was war – und das, was bleibt. Er liebt jeden einzelnen Menschen – von Anfang bis Ende. Und weit darüber hinaus.

Darum gibt er uns seinen Geist.
Einen Geist, der nicht an Leistung gebunden ist.
Nicht an Stärke oder Erfolg.
Sondern an Offenheit. An Vertrauen. An Liebe.

Jesus sagt:

„Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht.“

Das heißt nicht: Wer alles richtig macht.
Sondern: Wer mit offenem Herzen lebt.
Wer ehrlich ist mit sich und mit Gott.
Wer sich nicht versteckt – sondern sich zeigt, so wie man ist.
Der kommt ins Licht.
Und das Licht findet auch ihn.

Liebe Gemeinde, liebe Bewohnerinnen und Bewohner,

Pfingsten geschieht nicht nur vor 2000 Jahren. Es geschieht immer wieder:
– Wenn Menschen einander zuhören.
– Wenn jemand Trost schenkt.
– Wenn einer betet – ganz still, vielleicht nur mit einem Gedanken.
– Wenn jemand sagt: „Danke“ – und es von Herzen meint.

Dann ist der Heilige Geist da.
Dann ist Leben da.
Dann ist Gott da – mitten unter uns.

Ich lade Sie heute ein, es einfach einmal auszuprobieren. Ganz schlicht:
„Komm, Heiliger Geist.“

Vielleicht sagen Sie es leise im Herzen. Heute Nachmittag. Oder morgen früh.
Und vielleicht spüren Sie: Da ist ein Friede, der trägt. Da ist eine Kraft, die stärkt.
Da ist Gott – ganz nah.

Amen.

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