
Bild von Gregor Ritter auf Pixabay
Manchmal frage ich mich: Was bleibt eigentlich von dem, was wir tun?
Ein gutes Gespräch – schön, aber ist es nicht gleich wieder vorbei?
Eine helfende Hand – aber was ändert das schon in dieser komplizierten Welt?
Vielleicht kennt ihr solche Gedanken auch.
In einer Welt, die sich ständig dreht, in der so vieles groß und mächtig erscheint –
kann man sich schnell klein fühlen.
Unbedeutend.
Übersehen.
Und dann kommen da zwei Texte daher,
wie zwei leise, aber starke Stimmen:
„Du bist nicht allein. Du bist nicht übersehen. Und: Du bist gesandt.“
Im ersten Lesungstext malt der Prophet Jesaja ein fast zärtliches Bild:
Jerusalem als Mutter.
Nicht als stolze Stadt, nicht als Zentrum der Macht, sondern als eine Mutter,
die tröstet, die nährt, die Wärme schenkt.
„Ihr werdet getröstet, wie einen seine Mutter tröstet.“
Was für eine Zusage.
Nicht wie ein Vater, der vielleicht sagt: „Reiß dich zusammen!“
Nicht wie ein Vorgesetzter, der fragt: „Was hast du geleistet?“
Sondern wie eine Mutter – die dich annimmt, einfach weil du da bist.
Gott ist wie diese Mutter.
Ein Gott, der sieht, was uns belastet.
Der unsere Müdigkeit kennt, unsere leisen Sorgen,
unsere stillen Fragen.
Vielleicht ist das heute die erste Einladung:
Lass dich trösten.
Du musst nicht immer stark sein.
Du darfst loslassen.
Du darfst Kind sein – bei Gott.
Und dann – kommt das Evangelium.
Jesus sendet 72 aus. Nicht nur die Zwölf.
Nicht nur die, die alles verstanden haben.
Sondern eine größere Gruppe – man könnte sagen: Leute wie du und ich.
Ohne viel Vorbereitung, ohne große Sicherheiten.
Keine Tasche, kein Geld, kein Backup.
Nur ein Auftrag: Bringt Frieden.
Segnet die Häuser, zu denen ihr kommt.
Und wenn euch niemand hören will – auch gut. Dann geht weiter.
Es ist kein Scheitern. Ihr seid trotzdem gesegnet.
Was mich daran so berührt:
Jesus sagt nicht: „Geht und macht alles richtig.“
Er sagt: „Geht – und seid einfach da. Und vertraut darauf, dass Gott durch euch wirkt.“
Ich glaube, das ist heute mehr als aktuell:
Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen nicht mehr wissen, ob das, was sie tun, noch zählt.
Wo viel Engagement ins Leere läuft, wo Beziehungen brüchiger werden,
wo selbst Kirche manchmal wie ein leerer Raum erscheint.
Aber dieses Evangelium sagt:
Du brauchst nicht perfekt zu sein.
Du brauchst nicht alles zu können.
Du brauchst nur dein Herz – und den Mut, es einzusetzen.
Vielleicht ist gesendet sein gar nichts Großes.
Vielleicht fängt es damit an, dass ich jemanden anrufe, der traurig ist.
Dass ich mir Zeit nehme – für jemanden, der allein ist.
Dass ich mit einem Kind spreche, als wäre es das wichtigste Wesen auf der Welt.
Dass ich nicht die Augen verschließe, wenn jemand Hilfe braucht.
Und dann – heißt es am Ende des Evangeliums:
Die Jünger kehren voller Freude zurück.
Sie haben erlebt, dass durch sie etwas in Bewegung gekommen ist.
Sie waren Werkzeuge Gottes – ohne große Show, aber mit echter Wirkung.
Und Jesus? Der bremst sie ein bisschen – liebevoll:
„Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen –
freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.“
Das heißt doch:
Euer Wert liegt nicht in dem, was ihr tut, sondern in dem, wer ihr seid.
Ihr seid bei Gott angekommen – schon jetzt.
Eure Namen stehen da.
Unauslöschlich.
Das Reich Gottes kommt nicht mit Lärm und Macht.
Es kommt in der Stille. Im Vertrauen. Im Aufbruch.
Es kommt durch uns – wenn wir uns senden lassen.
Wenn wir glauben, dass auch unser kleines Tun einen Unterschied macht.
Also:
Lasst uns gehen – mit leichtem Gepäck.
Lasst uns segnen – mit offenen Herzen.
Lasst uns hoffen – auch wenn’s manchmal schwer ist.
Denn wir sind nicht allein.
Gott ist da.
Wie eine Mutter.
Wie ein Freund.
Wie ein Segen, der uns trägt.
Und vielleicht – ganz vielleicht –
geht durch dein Tun heute irgendwo ein kleines Fenster zum Himmel auf.
Amen.