Es gibt so Wörter, die sagen mehr über die aus, die sie benutzen, als über das, worüber sie sprechen.
„Brennpunktviertel“ zum Beispiel. Oder „sozial schwach“. Das klingt, als ob da ganze Stadtteile kurz vor der Explosion stehen – und als ob die Menschen dort irgendwie… weniger wert seien.
Spoiler: Sind sie nicht.
Ich finde: Wer so redet, hat entweder noch nie Zeit in einem dieser Viertel verbracht – oder will lieber nicht genau hinschauen. Denn ja: Es gibt Armut. Es gibt Gewalt. Es gibt Unsicherheit. Aber es gibt auch: Stärke. Zusammenhalt. Herzblut. Kinder mit Träumen. Eltern mit drei Jobs. Jugendliche, die Verantwortung übernehmen, weil sonst niemand da ist. Menschen, die kämpfen. Und beten. Und lachen.
Was mich als Christ dabei besonders umtreibt:
Jesus hat genau dort angefangen. Nicht in der Villengegend, sondern bei den Hirten.
Nicht bei denen, die alles im Griff hatten – sondern bei denen, die durchs Raster gefallen sind.
Die Theologie nennt das „Option für die Armen“.
Die Soziologie nennt es „strukturelle Benachteiligung“.
Ich nenne es: eine Einladung zum Perspektivwechsel.
Vielleicht sollten wir aufhören, Viertel zu stigmatisieren – und lieber anfangen, Strukturen zu hinterfragen.
Vielleicht sollten wir fragen, warum manche Kinder mit weniger Chancen starten – und nicht, warum sie später „nicht mithalten“.
Vielleicht sollten wir aufhören, ständig von „Integration“ zu reden – und anfangen, uns selbst zu integrieren.
In die Realität. In die Verantwortung. In Gottes Blick auf die Welt.
Denn ganz ehrlich:
Wer meint, Gott sei nur im gepflegten Vorgarten zu Hause, der hat das Evangelium nicht verstanden.
„Man muss durch und durch Bruder aller Menschen sein.“
– Charles de Foucauld
