Zum Jahreswechsel

Der Jahreswechsel ist jedes Jahr derselbe Zaubertrick.
Zwölf Uhr. Countdown. Konfetti. Feuerwerk.
Und für einen kurzen Moment tun wir kollektiv so, als hätte die Welt gerade einen Neustart-Knopf gedrückt.

Hat sie nicht.

Die Rechnungen bleiben. Die Sorgen auch.
Die kaputten Systeme erst recht.

Das neue Jahr beginnt nicht „frisch“. Es beginnt beladen.

Wir reden uns den Jahreswechsel schön

„Neues Jahr, neues Glück“ ist einer dieser Sätze, die harmlos klingen, aber verdammt viel verschleiern.
Denn er tut so, als läge Glück einfach hinter einer Kalenderseite – und nicht mitten in gesellschaftlichen Konflikten, politischen Fehlentscheidungen und sozialen Bruchstellen.

Wer genau hinschaut, merkt schnell:
Viele starten nicht hoffnungsvoll ins neue Jahr, sondern erschöpft.
Überarbeitet. Finanziell am Limit. Emotional ausgezehrt.

Und währenddessen läuft im Hintergrund die Dauerbeschallung:
„Reiß dich zusammen.“
„Andere haben es schlimmer.“
„Sei doch dankbar.“

Dankbarkeit ist keine Ausrede dafür, Ungerechtigkeit zu ignorieren.

Die Geduld der Gesellschaft ist dünn geworden

Was mir im Rückblick auf das vergangene Jahr besonders auffällt:
Unsere gemeinsame Geduld ist brüchig geworden.

Wir hören schlechter zu. Wir reagieren schneller aggressiv.
Wir sortieren Menschen immer schneller ein: richtig – falsch, wertvoll – lästig, dazugehört – abgeschrieben.

Gerade die, die ohnehin wenig haben, spüren das zuerst:
Kinder aus belasteten Familien. Jugendliche ohne sicheren Rückhalt.
Menschen, die nicht „funktionieren“, nicht mithalten, nicht mithypen.

Wer langsam ist, fällt raus. Wer leise ist, wird überhört. Wer kompliziert ist, nervt.

Das ist kein individuelles Versagen – das ist ein gesellschaftliches Problem.

Christlicher Glaube ist keine Wellness-Idee

Ich halte wenig von einem Glauben, der am Jahreswechsel nur warme Worte verteilt.
Von Kerzen, die zwar hübsch leuchten, aber niemanden wärmen.
Von Segen, die beruhigen sollen, ohne etwas zu verändern.

Christlicher Glaube ist unbequem. Er stellt Fragen, wo andere beruhigen wollen.
Er erinnert daran, dass Würde nicht verdient werden muss – und auch nicht aberkannt werden darf.

Wer ernsthaft von Gott spricht, kann nicht gleichzeitig zynisch über Arme, Geflüchtete, „bildungsferne Familien“ oder „Problemviertel“ reden. Das passt schlicht nicht zusammen.

Oder anders gesagt:
Wenn unser Glaube niemanden stört, ist er vermutlich harmlos geworden.

Bildung, Gerechtigkeit, Würde – kein Randthema

Ich gehe mit einem klaren Ärger ins neue Jahr. Nicht destruktiv – aber wach.

Denn wir wissen längst: Bildung entscheidet über Lebenswege.
Armut vererbt sich. Kinder tragen die Konsequenzen politischer Untätigkeit.

Und trotzdem behandeln wir diese Themen oft wie Dauerrauschen.
Man hört es, aber man hört nicht mehr hin. Ein neues Jahr wird daran nichts ändern –
außer wir hören endlich auf, so zu tun, als wäre all das „zu komplex“ oder „leider nicht zu lösen“.

Komplex heißt nicht unlösbar. Komplex heißt: unbequem.

Keine Vorsätze. Kein Neujahrs-Blabla.

Ich habe mir keine Vorsätze vorgenommen.
Ich brauche kein neues Jahr, um mir vorzunehmen, besser zu werden – das scheitert ohnehin regelmäßig.

Was ich mir vornehme, ist etwas anderes:

  • nicht leiser zu werden, nur weil Widerspruch anstrengend ist
  • nicht zynisch zu werden, auch wenn vieles nervt
  • nicht abzustumpfen, wenn Leid alltäglich wird
  • nicht höflich zu bleiben, wenn Menschenwürde relativiert wird

Das ist kein Optimismus. Das ist Widerstand gegen Gleichgültigkeit.

Hoffnung ist kein Gefühl – sondern eine Entscheidung

Hoffnung ist nichts Romantisches. Sie fühlt sich selten gut an.
Sie ist sperrig, widerspenstig, manchmal sogar lästig.

Hoffnung heißt: trotzdem hinsehen. trotzdem bleiben. trotzdem widersprechen.

Nicht weil alles gut wird. Sondern weil Wegsehen keine Option ist.

Das neue Jahr ist kein Reset. Aber es ist eine Einladung.

Nicht zur Selbstoptimierung. Sondern zur Menschlichkeit.

Und vielleicht reicht das fürs Erste.

Predigt zum 2. Weihnachtsfeiertag (hl. Stephanus)

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Liebe Schwestern und Brüder,

Weihnachten liegt erst einen Tag hinter uns. Vielleicht brennen bei manchen noch die Kerzen. Vielleicht klingt noch ein Lied nach. Vielleicht ist auch schon wieder Stille eingekehrt. Und genau in diese Stille hinein stellt uns die Kirche heute den hl. Stephanus. Das ist kein Zufall. Und es ist auch kein Bruch.

Denn Weihnachten erzählt uns nicht von einer heilen Welt.
Es erzählt davon, wo Gott auftaucht. Nicht im Palast.
Nicht im sicheren Raum. Sondern dort, wo es eng ist.
Wo es zerbrechlich ist. Wo Menschen nicht wissen, wie es weitergeht.


Unsere Krippe in der Fronleichnamskirche in diesem Jahr macht das sehr deutlich:
Ein Kind – nicht in einem Stall, sondern in einer Babyklappe.
Ein Ort, der Schutz verspricht, weil ringsum Not ist.

Und im Hintergrund kein romantisches Dorf,
sondern das Bild einer zerstörten Stadt –
Gaza.

Diese Krippe will nicht schockieren. Sie will wach machen.

Sie sagt: So sieht Armut heute aus.
So sieht Angst heute aus. So sieht Ausgeliefertsein heute aus.

Und sie stellt uns – ganz leise – unser Jahresthema vor Augen:

Achtung: Es könnte Jesus sein.


Der hl. Stephanus passt genau in dieses Bild.

Er war kein Theologe im Elfenbeinturm. Er war kein Machtmensch.
Er war einer, der gesehen hat, wo Menschen zu kurz kommen.

Einer, der sich eingesetzt hat. Einer, der geholfen hat.
Einer, der Verantwortung übernommen hat.

Und genau das bringt ihn in Konflikt.

Nicht, weil er provozieren will. Sondern weil er nicht wegschaut.


Vielleicht kennen wir das aus unserem eigenen Leben.

Wer hinschaut, sieht:

  • Kinder, die mit viel weniger starten als andere
  • Familien, die trotz Arbeit kaum über die Runden kommen
  • Menschen, die im Gesundheitssystem warten, vertröstet werden,
    und sich irgendwann fragen: Bin ich überhaupt noch wichtig?
  • alte Menschen, die Angst haben, zur Last zu fallen

Das sind keine Schlagzeilen. Das sind Lebensgeschichten.

Und mitten in diese Realität sagt unser Glaube:
Achtung: Es könnte Jesus sein.


Stephanus bleibt bei dem, was ihn trägt. Und das ist vielleicht das Entscheidende.

Als es schwer wird, als der Widerstand wächst,
als es gefährlich wird – verhärtet er nicht.

Er wird nicht bitter. Er wird nicht kalt.

Er sieht den Himmel offen. Das ist kein Weglaufen aus dieser Welt.
Das ist ein tiefes Vertrauen:

Mein Leben ist mehr als das, was man mir antut.
Meine Würde kann mir niemand nehmen.
Ich bin gehalten – auch wenn alles wankt.


Viele Menschen hier kennen solche Momente.

Nicht mit Steinen. Aber mit Abschieden.
Mit Krankheit. Mit dem Gefühl, abhängig zu sein.
Mit der Erfahrung, dass Systeme nicht mehr tragen,
die früher selbstverständlich waren.

Und genau da ist diese Geschichte so tröstlich.

Sie sagt nicht: „Streng dich mehr an.“
Sie sagt nicht: „Du musst stark sein.“

Sie sagt:
Du wirst gehalten.
Du bist nicht vergessen.
Dein Leben hat Gewicht.


Jesus sagt im Evangelium:

„Wer standhält bis zum Ende, der wird gerettet.“

Das ist keine Drohung. Das ist ein Versprechen.

Standhalten heißt hier nicht: alles aushalten müssen.

Es heißt: bei dem bleiben, was dem Leben Würde gibt.

Liebe. Mitgefühl. Aufmerksamkeit.


Und vielleicht ist das die Verbindung zwischen Weihnachten, Stephanus und unserer Krippe:

Gott kommt nicht, um die Welt schönzureden.
Er kommt, um mitten drin zu sein.

Im armen Kind. Im kranken Menschen.
Im überforderten Pflegesystem. Im Kind ohne faire Bildungschancen.
Im alten Menschen, der sich fragt, was noch kommt.

Achtung: Es könnte Jesus sein.

Nicht irgendwo weit weg. Sondern ganz nah. Vielleicht sogar neben uns.
Oder in uns selbst.


Und so dürfen wir heute – ganz ruhig – glauben:
Dass Gott unsere Wirklichkeit kennt. Dass er sie nicht verlässt.
Und dass Weihnachten dort weitergeht, wo Menschen einander mit Würde begegnen.

Amen.

Predigt zum Gemeinde-Gottesdienst am 26.12.25 in Haus Marien Linde

„Es könnte Jesus sein!“ – Warum wir JETZT eine Brennpunktpastoral brauchen.

Brennpunktpastoral. Ein Begriff, der offiziell noch nicht existiert und dennoch genau das beschreibt, was Kirche in Deutschland heute dringend bräuchte. Während wir in endlosen Strukturprozessen feststecken, während Pastorale Räume neu sortiert und Zuständigkeiten verschoben werden, geschieht in den belasteten Stadtteilen unserer Städte etwas sehr Reales: Menschen kämpfen sich durch den Alltag. Kinder wachsen unter Bedingungen auf, die kein Kind verdient. Familien leben zwischen Überforderung, Enge, Unsicherheit und sozialem Druck. Und Kirche?
Oft ist sie dort kaum wahrnehmbar.

Genau in Sozialräumen mit einem Schulsozialindex von 7, 8 oder 9 – also den am stärksten belasteten Quartieren – entscheidet sich, ob die Kirche in Zukunft noch irgendeine gesellschaftliche Relevanz besitzt. Nicht durch ihre Gebäude. Nicht durch Hochglanzpastoral. Sondern durch Glaubwürdigkeit im Alltag. Durch Menschen, die bleiben, wenn alles andere bröckelt.

Brennpunktpastoral ist keine neue Projektidee. Sie ist eine theologische Haltung. Eine Entscheidung, den Sozialraum nicht als Randthema, sondern als zentralen Ort der Evangeliumsverkündigung ernst zu nehmen. Sie bedeutet:
Kirche geht hin.
Dorthin, wo Menschen leben.
Dorthin, wo es wehtut.
Dorthin, wo das Leben brennt.

Papst Franziskus sagt in Evangelii Gaudium:

„Mir ist eine ‘verbeulte’ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.“

(EG 49)

Brennpunktpastoral ist genau dieses „Hinausgehen“.
Nicht theoretisch, sondern konkret.

Sie zeigt sich im Religionsunterricht, in der OT, im Seniorenzentrum, auf dem Schulhof, im Stadtpark. Sie zeigt sich in alltäglicher Begegnung: im Blickkontakt, im Zuhören, im mutigen Aushalten von Konflikten. Sie zeigt sich in einer Präsenz, die nicht fragt: „Wie oft gehst du zur Kirche?“, sondern: „Wie geht es dir? Was brauchst du?“
Es ist eine Pastoral, die Menschen nicht nach ihrer Kirchenbindung misst, sondern nach ihrer Würde.

Warum gerade jetzt?
Weil wir mitten in einer doppelten Krise stehen:
Einer massiven Glaubwürdigkeitskrise der Kirche – und einer massiven sozialen Krise in unseren Stadtteilen.

Die Missbrauchsaufarbeitung, die Kirchenaustritte, der Vertrauensverlust – all das hat das Fundament institutioneller Glaubwürdigkeit erschüttert. In belasteten Quartieren kommt hinzu, dass die Institution Kirche ohnehin wenig verankert ist. Vertrauen entsteht hier nicht durch Strukturen, sondern durch Personen.
Es entsteht, wenn jemand bleibt.
Wenn jemand verlässlich ist.
Wenn jemand Haltung zeigt.

In Evangelii Gaudium heißt es:

„Die Armen sind die bevorzugten Empfänger des Evangeliums.“ (EG 48)

Wenn das stimmt – und theologisch gibt es daran keinen Zweifel –, dann heißt das:
Der Brennpunkt ist kein Randgebiet kirchlicher Arbeit.
Er ist ihr Zentrum.

Brennpunktpastoral bedeutet auch, die Realität zu sehen, ohne sie zu romantisieren. Hier leben Kinder, die ihre jüngeren Geschwister betreuen müssen. Jugendliche, die nach der Schule lieber auf dem Hof bleiben als nach Hause zu gehen. Familien, die keine Ressourcen haben, sich durch institutionelle Anforderungen zu kämpfen. Menschen, die gelernt haben, dass Hilfe oft mit Bedingungen kommt und Nähe selten verlässlich ist.

In diesem Kontext ist Glaubwürdigkeit kein Zusatz.
Sie ist die Voraussetzung dafür, dass religiöse Bildung überhaupt funktionieren kann.
Beziehung vor Inhalt.
Würde vor Wissensvermittlung.
Angebot vor Anspruch.

Papst Franziskus beschreibt die Kirche als „Feldlazarett nach der Schlacht“ (EG 49).
Ein Feldlazarett wird nicht an der Stadtgrenze gebaut oder dort, wo die Gebäude schöner sind. Es entsteht dort, wo Menschen verwundet sind. Die Pastoral, die sich an diesem Bild orientiert, muss folgerichtig dorthin gehen, wo die Verwundungen am sichtbarsten sind.

Brennpunktpastoral ist Alltagsarbeit, keine Eventpastoral.
Sie zeigt sich in:

  • der Art, wie Konflikte im Unterricht oder Alltag begleitet werden,
  • der Sensibilität, Trigger und Traumata zu beachten,
  • der Fähigkeit, stille Schülerinnen und Schüler zu sehen,
  • der Zusammenarbeit mit OT, Jugendhilfe, Schule, Seniorenzentrum,
  • einer konsequent diakonischen Grundhaltung.

Sie braucht eine Seelsorge, die immer weiß:
„Es könnte Jesus sein.“ In der lauten Schülerin, im erschöpften Jugendlichen, im überforderten Vater, im stillen Kind, das nie auffällt.

Warum brauchen wir jetzt eine Brennpunktpastoral?
Weil Kirche nur dort Zukunft hat, wo sie notwendig ist.
Nicht dort, wo sie Verwaltungsstrukturen bedient.
Nicht dort, wo sie Traditionen verwaltet.
Sondern dort, wo sie Menschen begleitet, die wenig Begleitung haben.
Dort, wo ihre Botschaft konkret erfahrbar wird: als Nähe, Respekt, Solidarität und Würde.

Eine Kirche, die glaubt, sie könne ohne Brennpunktpastoral Zukunft gestalten, hat nicht verstanden, wo Jesus gewirkt hat.
Oder wofür Kirche da ist.
Oder was Evangelium bedeutet.

Brennpunktpastoral ist keine Option.
Sie ist die Nagelprobe der Glaubwürdigkeit kirchlichen Handelns heute.

Und genau deshalb brauchen wir sie – jetzt.

40 Jahre „Ganz unten“ – und wir?

Vor genau 40 Jahren erschien ein Buch, das Deutschland erschüttert hat:
„Ganz unten“ von Günter Wallraff.
Ein Journalist, der sich als türkischer Gastarbeiter „Ali“ ausgab, um zu zeigen, wie Menschen in den 1980er-Jahren in unserem Land behandelt wurden – Menschen, die schufteten, ohne gesehen zu werden.
Die unsere Straßen bauten, Fabriken am Laufen hielten, Müll sortierten, Nachtschichten schoben – und trotzdem nie wirklich dazugehörten.
„Ganz unten“ eben.

Vierzig Jahre später:
Hat sich was geändert?

Natürlich – vieles.
Aber auch: erstaunlich wenig.
Es gibt kaum noch Kohlegruben, wenige Stahlwerke mit unglaublicher Hitze, kaum Wohnbaracken am Stadtrand.
Aber es gibt immer noch Menschen, die ganz unten sind:
Leute mit befristeten Jobs, ohne Wohnung, mit Miniverträgen oder ohne Chance auf Anerkennung ihrer Abschlüsse.
Menschen, die sich den Rücken krumm machen – oder die Hoffnung verloren haben, dass sie überhaupt noch gebraucht werden.
Und manchmal, ganz ehrlich: Menschen, die wir gar nicht mehr sehen wollen.


Die Option für die, die unten sind

In der Theologie gibt es dafür ein großes Wort:
„Option für die Armen.“
Das klingt sperrig, meint aber etwas ganz Einfaches:
Gott hat ein Herz für die, die unten sind.
Jesus steht nicht auf der Seite der Gewinner, sondern mitten unter denen, die kämpfen, zweifeln, schuften oder scheitern.
Er isst mit Zöllnern, redet mit Ausgegrenzten, fasst Leprakranke an.
Er steht – buchstäblich – ganz unten, am Kreuz.
Und gerade da beginnt Gottes Solidarität mit allen, die tief gefallen sind.
Der Himmel öffnet sich von unten.

Deshalb ist „Ganz unten“ für mich mehr als ein journalistisches Buch.
Es ist – im besten Sinn – eine moderne Sozialparabel.
Wallraff ist kein Heiliger, aber er hat das getan, was viele Christ:innen nicht mehr tun: Er ist hingegangen.
Nicht mit frommen Worten, sondern mit offenen Augen.
Er hat sich unter die gestellt, über die sonst gesprochen wurde.


Gott ist nicht nur oben

Ich frage mich manchmal:
Wenn Jesus heute durch Deutschland ginge – wo würde er anhalten?
In den Kirchenbänken am Sonntagmorgen?
Oder an der Bushaltestelle im Regen, wo jemand auf dem Weg zur Nachtschicht sitzt?

„Ganz unten“ erinnert mich daran, dass Glaube immer dort lebendig wird, wo jemand hinschaut, wo andere wegsehen.
Dass Gerechtigkeit da anfängt, wo Menschen merken:
Ich bin gemeint. Ich bin nicht unsichtbar.

Der Psalm 34 sagt:

„Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.“
Nicht: denen, die alles im Griff haben.
Nicht: denen, die perfekt beten können.
Sondern denen, die am Boden liegen.


Für mich ist das keine Theorie.
Ich sehe jeden Tag, wie dünn der Boden sein kann, auf dem Menschen stehen.
Wie schnell aus „oben“ ein „unten“ wird.
Und wie schwer es ist, wieder aufzustehen – ohne dass jemand die Hand reicht.

Deshalb ist die Erinnerung an Ganz unten auch ein Prüfstein für uns als Kirche.
Sind wir noch bei den Menschen, die unten sind?
Oder sitzen wir längst oben und diskutieren über Strukturen, während andere durchs Raster fallen?

Ich wünsche mir eine Kirche, die wieder mehr nach unten schaut – nicht von oben herab, sondern mitfühlend, solidarisch, mutig.
Eine Kirche, die sagt:
Du bist nicht allein. Du bist gesehen. Und du bist mehr wert, als du glaubst.


Vierzig Jahre Ganz unten – das ist kein nostalgischer Jahrestag.
Es ist ein Spiegel.
Für eine Gesellschaft, die noch immer zwischen „wertvoll“ und „nutzlos“ unterscheidet.
Und für eine Kirche, die sich fragen muss, ob sie wirklich dort ist, wo Jesus heute wäre.

Denn Gott ist nicht nur im Himmel.
Er ist ganz unten.
Und wer dorthin schaut, sieht den Himmel oft klarer als anderswo.

Das Crazy !

„Das Crazy!“ – Wenn Jugendkultur Grammatik auf den Kopf stellt

Es ist wieder soweit: Das neue Jugendwort 2025 steht fest. Und es ist – das Crazy!
Ja, richtig gelesen: das Crazy. Mit Artikel. Grammatisch also schon mal – das crazyste, was man sich vorstellen kann.

Und genau das ist der Punkt.
Jedes Jahr regen sich die Erwachsenen über das Jugendwort auf. „Das sagt doch keiner!“ – „Früher hatten Wörter noch Bedeutung!“ – „Was soll der Blödsinn?“
Aber vielleicht liegt genau hier der Witz, ja fast schon die Poesie: Sprache ist kein Museum. Sprache ist Leben. Und sie gehört immer denen, die sie gerade neu erfinden.

„Das Crazy“ steht symbolisch für eine Generation, die sich in keiner Grammatik mehr einsperren lässt. Nicht, weil sie keine Regeln kennen, sondern weil sie weiß: Regeln sind da, um sie neu zu denken.
Sprache ist ein Spielplatz – kein Zaun.

Und ganz ehrlich: In einer Welt, die so viele Krisen gleichzeitig jongliert – Klima, Kriege, KI –, da darf man ruhig mal sagen: „das Crazy!“
Nicht als Flucht, sondern als Kommentar. Als Augenzwinkern inmitten des Chaos.

Vielleicht ist dieses Jugendwort sogar tiefer, als es klingt.
Denn „das Crazy“ beschreibt auch, wie sich viele junge Menschen gerade fühlen: Zwischen Hoffnung und Überforderung, zwischen digitalem Dauerrauschen und realer Verantwortung.
Die Welt: das Crazy!
Und sie versuchen, darin ihren Platz zu finden – mit Humor, Memes und einer gehörigen Portion sprachlicher Kreativität.

Als Diakon denke ich mir: Jesus hätte daran seine Freude.
Denn er hat auch ständig Sprache gebrochen – Gleichnisse erzählt, alte Begriffe neu gefüllt, fromme Floskeln auf den Kopf gestellt.
Er war, theologisch gesagt, „das crazy“ schlechthin: Er hat Grenzen gesprengt, Menschen irritiert und doch Hoffnung gesät.

Vielleicht ist das Jugendwort 2025 also gar nicht so verrückt, wie es scheint.
Vielleicht erinnert es uns daran, dass man manchmal das Sprachliche brechen muss, um das Wirkliche zu verstehen.
Dass man lachen darf, wo andere nur nörgeln.
Und dass auch in der scheinbaren „Crazyness“ ein Stück Wahrheit liegt:
Die Welt ist wyld – aber wir sind mittendrin. Und wir gestalten sie. Jeden Tag.

Darf man das ?!?

Neulich habe ich mit einer Gruppe Firmlinge Psalm 8 bearbeitet. Statt ihn einfach vorzulesen, haben wir ihn gemeinsam „übersetzt“ – in ihre Sprache, ihre Bilder, ihren Humor. Heraus kam etwas, das mich umgehauen hat:

„Hey!
Gott du bist überall da, wo wir sind, ob wir dich sehen oder nicht. Dein Name ist überall, auch in den Sozialen Medien. Egal wo, auf Erden oder Himmel, du bist immer da. Egal ob klein oder groß, die die Singen geben dir Kraft, und machen deinen Feinden Ohrenweh!

Ich kann überall hingucken, seien es Blumen, Mond oder Playstation, alles hast du gemacht. Ich kanns nicht fassen, all deine Massen. Menschen sind im Vergleich nichts zu dir, und trotzdem bist du für uns immer hier. Wir sind alle dank dir schön und wer das nicht akzeptiert, kann gehen!

Er ist auch der Chef über all unsere Sachen und dagegen wollen oder können wir nix machen. Zum Beispiel Axolotl, Adler oder Alpaka. Gott, wir küssen dein Herz [Firmantin zusammen mit Diakon zeigen ein Handherz].

Tschüß!“

Und dann kommt der Moment, der alles zusammenfasst: Am Ende machen wir das Handherz. Öffentlich. Sichtbar. Jugendliche und ich – gemeinsam vor der Gemeinde.

Jetzt mal ehrlich: Darf man das?

Viele würden sofort sagen: „Das ist doch nicht mehr die Bibel!“ Andere finden es vielleicht respektlos, wenn Playstation und Axolotl in einem Atemzug mit Gottes Schöpfung genannt werden – und dann auch noch ein Handherz als liturgisches Schlusszeichen.

Und doch – ist es nicht genau das, was die Bibel will? Dass Menschen in ihrer Sprache Gott loben? Dass Jugendliche sich trauen, Zeichen zu finden, die ihre Welt abbilden?

Psalm 8 ist im Original ein uraltes Gebet. Aber das Anliegen ist zeitlos: Gott ist groß, der Mensch klein – und doch mit Würde gekrönt. Das haben die Jugendlichen erfasst. Sie haben keine flachen Witze gemacht, sondern ernsthaft gesagt: „Du bist überall da, auch wenn wir dich nicht sehen.“ Genau das ist Theologie.

Und noch ein Gedanke: In der Firmmesse wird dieser Text als Lesung vorgetragen. Manche Besucher:innen könnten irritiert sein. „Das darf man doch nicht!“ Aber ich bin überzeugt: Gerade hier darf man. Mehr noch – man muss. Denn wenn Jugendliche ihre Sprache und ihre Gesten in der Kirche wiederfinden, dann erfahren sie: Glaube ist kein Museumstext. Glaube lebt. Heute. Mit mir. Mit uns.

Mein Fazit: Natürlich darf man das. Ja, man muss sogar. Sonst bleibt Kirche in der eigenen Sprache gefangen und redet irgendwann an den Menschen vorbei. Wer glaubt, muss übersetzen – immer wieder neu, auch wenn dabei Playstation, Axolotl und ein Handherz vorkommen.

Wo Neues aus den Rissen wächst

Predigt zu Esra 9,5-9 + Lk 9, 1-6

Liebe Schwestern und Brüder,

Esra steht vor Gott – mit leeren Händen, zerknirscht, schuldbewusst. Er schaut zurück auf die Fehler seines Volkes. Er sagt nicht: „Schwamm drüber, das war einmal.“ Er sagt: Wir tragen Schuld. Und trotzdem: Gott hat uns nicht fallen lassen. Er schenkt einen neuen Halt.

Das ist unbequem. Denn es heißt: Wer Zukunft will, muss die Vergangenheit ernst nehmen. Wer neu anfangen will, darf nicht verdrängen.

Wir haben das in unserer Gesellschaft auf schmerzliche Weise gelernt. Nach den dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte war es ein langer Weg, Verantwortung zu übernehmen, Schuld nicht zu verschweigen, sondern ins kollektive Gedächtnis einzuschreiben. Das hat uns geprägt – und es war heilsam.

Aber: Wir spüren, dass diese Erinnerung brüchig wird. Immer öfter hört man Stimmen, die sagen: „Man wird ja wohl mal wieder stolz sein dürfen. Man muss doch auch mal nach vorne schauen.“ Es klingt verlockend, aber es ist gefährlich. Denn wo Schuld relativiert wird, da wächst der Boden, auf dem alte Muster neu aufblühen. Wo einfache Antworten gegeben werden, werden Menschen ausgegrenzt. Wo Angst und Abgrenzung regieren, da stirbt die Freiheit.

Hier wird die Bibel sehr aktuell:

  • Esra sagt: Schuld darf nicht verdrängt werden – sonst hat sie Macht über uns.
  • Jesus sagt: Ihr sollt nicht mit Macht auftreten, sondern verletzlich, abhängig, vertrauend.

Das ist das Gegenteil dessen, was gerade wieder laut wird. Die Versuchung ist groß, Stärke über andere auszuspielen, Grenzen zu ziehen, Feindbilder zu schaffen. Jesus aber sendet seine Jünger, um Frieden zu bringen – nicht Waffen. Um Nähe zu schenken – nicht Mauern zu bauen.

Es geht also nicht nur um die Vergangenheit. Es geht um heute. Es geht darum, wie wir als Gesellschaft leben wollen:

  • Wollen wir uns leiten lassen von Angstparolen, die Menschen spalten?
  • Oder lassen wir uns leiten von Gottes Geist, der Versöhnung schafft?

Kirche hat hier eine klare Aufgabe: nicht schweigen, wenn Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Nicht neutral bleiben, wenn Würde mit Füßen getreten wird. Sondern prophetisch reden – unbequem, deutlich, liebevoll, aber entschieden.

Esras Gebet und Jesu Sendung erinnern uns: Wir leben nicht aus Schuldverdrängung, nicht aus Macht, nicht aus Angst. Wir leben aus Gottes Treue. Aus seiner Vergebung. Aus der Hoffnung, dass eine andere Welt möglich ist.

Und genau das dürfen und sollen wir bezeugen. Auch wenn es anstrengend ist. Auch wenn es Gegenwind gibt. Gerade dann.

Amen.

Gamescom, Diakon und Kirche – passt das zusammen?

Ich gebe es zu: Wenn ich auf der Gamescom bin, dann lasse ich für ein, zwei Tage mein „Seelsorge-Hirn“ im Standby-Modus. Dann darf ich einfach mal Kind sein – zwischen alten Arcade-Automaten, Indie-Games und der schieren Wucht der Gaming-Kultur. Auf meinem Rücken steht mein Twitch-Nick, vorne das Besucherband, und irgendwann kommt es dann doch raus: Ja, ich bin Diakon.

Die Reaktion? Meistens ein erstauntes „Echt jetzt? Dürfen Diakone überhaupt zocken?“ – so als sei der Xbox-Controller eine moderne Form der Sünde. Aber genau da liegt der spannende Punkt: Gaming ist längst ein Teil unserer Lebenswelt. Community, Fairness, Welten voller Symbole und Geschichten, die Sehnsucht nach Erlösung – das sind keine Fremdwörter für die Kirche, das sind uralte Themen, die wir nur verlernt haben, zeitgemäß zu erzählen.

Und dann die Kirche auf der Gamescom: Ja, es gibt Stände. Wenige. Man muss sie suchen. Ich fand das cool – aber eben auch dünn. So, als wolle man sagen: „Schaut her, wir sind auch irgendwie digital“, ohne zu begreifen, dass hier hunderttausende Jugendliche und junge Erwachsene nicht nur spielen, sondern Gemeinschaft, Sprache, Kultur leben. Wer meint, mit einem Info-Stand die Herzen zu erreichen, hat das Game noch nicht verstanden.

Die Chancen liegen woanders: Da sein. Zuhören. Gespräche führen, statt sofort Antworten parat zu haben. Phänomene wie Hate-Speech nicht nur beklagen, sondern mit den Communities nach Wegen suchen, wie man besser miteinander umgeht. Vielleicht nicht mit Weihwasser am VR-Headset, aber mit echtem Interesse daran, wie Menschen heute leben, lachen, leiden.

Kirche und Gamescom – das passt zusammen. Aber nur, wenn Kirche den Mut hat, sich nicht selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die Geschichten, die hier erzählt werden, ernst zu nehmen. Wenn Kirche lernt, nicht nur über Jugendliche zu reden, sondern mitten unter ihnen zu sein – ja, auch im Cosplay, am Retro-Automaten oder zwischen Indie-Titeln.

Denn am Ende geht es nicht nur ums Zocken. Wer in diese virtuellen Welten eintaucht, spürt Sehnsucht: nach Gerechtigkeit, nach einem Happy End, nach einer Gemeinschaft, die trägt. All das sind zutiefst biblische Themen. Die Vision vom Reich Gottes – eine Welt ohne Hass, voller Hoffnung und mit Platz für alle – klingt gar nicht so anders wie die großen Quests vieler Games. Nur: Das Reich Gottes ist kein Level, das man allein freischaltet. Es wächst da, wo Menschen real füreinander da sind. Vielleicht ist genau das die eigentliche Brücke zwischen Gamescom und Kirche.

Das Hohelied der Liebe: Kein Kuscheltext

1 Korinther 13 – viele kennen diese Worte von Hochzeiten.

„Die Liebe ist langmütig, gütig…“ – klingt schön, fast kitschig. Aber Paulus schreibt hier nicht für ein verliebtes Paar, sondern für eine Gemeinde, die sich im Alltag ziemlich verrannt hat. Kurz gesagt: Er hält ihnen einen Spiegel vor.

Seine Botschaft: Du kannst der klügste Mensch sein, mit dem tiefsten Glauben und den größten Taten, wenn keine Liebe drinsteckt, ist es wertlos.
Dann bist du nur ein lautes, leeres Blech.

Und Liebe? Biblische Liebe ist kein Gefühl, das kommt und geht.
Sie ist eine Haltung. Sie sieht den Menschen mit seinen Fehlern und seiner Geschichte
und sagt trotzdem: „Ich bleibe.“

Das ist unbequem. Es heißt, freundlich zu bleiben, wenn dir nicht danach ist.
Nicht zurückzuschlagen, wenn du verletzt wurdest. Die Hoffnung auf das Gute nicht aufzugeben, auch wenn andere schon längst aufgegeben haben.

Unsere Welt heute ist schnell im Urteilen, groß im Trennen,
aber klein im Brückenbauen. Wir polarisieren, wir canceln, wir ziehen uns zurück.
Paulus würde wahrscheinlich sagen: „Ihr habt alles – aber ohne Liebe habt ihr gar nichts.“

Darum ist das Hohelied kein romantischer Wandtattoo-Spruch.
Es ist Gottes Bauplan für Miteinander. Und der ist radikal.
Er fragt nicht: „Was springt für mich raus?“ Er fragt: „Was braucht der andere, damit Leben gelingt?“ Am Ende, sagt Paulus, bleiben drei Dinge:
Glaube. Hoffnung. Liebe. Und das Größte ist – die Liebe.
Alles andere verstaubt.

Liebe, die stärker ist, als Hass

Impuls zu Maximilian Kolbe

am 14. August 1941, im Konzentrationslager Auschwitz, trat ein Mann aus der Reihe.
Zehn Gefangene waren zur Strafe für die Flucht eines Mitgefangenen in den Hungerbunker geschickt worden. Einer von ihnen rief verzweifelt: „Meine Frau! Meine Kinder!“
Da trat Maximilian Kolbe vor und sagte: „Ich will an seiner Stelle sterben.“
Er wusste, was das bedeutete.
Er tat es trotzdem.

Kolbe wurde im Lager nicht als Held gefeiert, nicht einmal als besonders wichtig angesehen. Er war einfach einer unter vielen – und doch hat seine Entscheidung die Welt verändert. Er starb, damit ein anderer leben konnte.

Warum erinnern wir uns heute an ihn?
Weil er uns zeigt, dass Menschlichkeit nicht verhandelbar ist – und dass sie gerade dann gefragt ist, wenn um uns herum eine andere Sprache lauter wird: die Sprache der Angst, der Ausgrenzung, der Herabwürdigung.

Wir leben in einer Zeit, in der alte Muster wieder aufblühen:
Menschen werden nach Herkunft, Religion, Orientierung oder Leistungsfähigkeit eingeteilt in „wertvoll“ und „weniger wertvoll“.
Parolen, die wir längst überwunden glaubten, finden wieder offene Ohren.
Manchmal schleichend, manchmal laut – aber immer gefährlich.

Maximilian Kolbe erinnert uns daran:
Wer den Weg der Liebe geht, widerspricht dem Weg des Hasses.
Nicht mit Hass gegen Hass, sondern mit der Entscheidung, das Leben des anderen zu schützen – koste es, was es wolle.

Wir werden vermutlich nicht vor der Wahl stehen, für jemanden zu sterben.
Aber wir stehen oft vor der Wahl, ob wir schweigen oder widersprechen, ob wir mitgehen oder stehenbleiben, ob wir wegschauen oder hinschauen.

Kolbes Leben sagt uns:
Heiligkeit beginnt da, wo wir uns weigern, Menschen in Kategorien zu sortieren.
Wo wir uns auf die Seite derer stellen, die keinen Platz in den vollen Zügen der Mächtigen bekommen.
Wo wir Liebe zum Maßstab unseres Handelns machen – nicht Angst, nicht Kalkül, nicht Gleichgültigkeit.

Heute, in einer Zeit, in der wieder Mauern in Köpfen und Herzen gebaut werden, ist Maximilian Kolbe aktueller denn je.
Er lädt uns ein, zu widersprechen – nicht nur mit Worten, sondern mit Taten, die dem anderen zeigen: Du bist es wert, dass jemand für dich einsteht.

Vielleicht ist das die größte Herausforderung an uns:
Die Liebe nicht für den Sonntag im Gottesdienst zu reservieren, sondern sie mitten in den Alltag zu stellen – dorthin, wo sie unbequem wird.
Dorthin, wo sie Mut braucht.

Denn Liebe, wie Kolbe sie lebte, ist nicht weich und nett.
Sie ist widerständig.
Und sie ist stärker als jeder Hass.