Menetekel oder… das beleuchtete Kreuz am Haarberg – Impuls zum 34. Mittwoch im Jahreskreis
Noch heute – ich habe es extra gegoogelt – gibt es den Begriff Menetekel für eine unheilverkündende Warnung. Ich muss gestehen, ich habe das noch nie so gehört. Aber solche Menetekel hören wir derzeit ja dann recht häufig: Klimawandel, Inzidenzen, die Situation der Menschen an den Grenzen etc.
In diese Zeit der unheilverkündenden Warnungen – der „Menetekel“ habe ich am Wochenende einen Artikel bzw. einen Ratsantrag gelesen, der sich dafür ausspricht, das beleuchtete Kreuz am Haarberg abzuschaffen und es hat mich doch sehr geärgert. Aber warum eigentlich?
Das führt mich zu dem Begriff „standhaft bleiben“ aus dem heutigen Evangelium.
Bin ich über diesen Antrag verärgert, weil ich Christ bin und das Symbol des Kreuzes für mich eine besondere Bedeutung hat? Muss ich als guter Christ nun „standhaft“ das beleuchtete Kreuz am Haarberg verteidigen?
Nein! Ich glaube, so ist es im Evangelium nicht gemeint. Ich kann ein guter Christ sein und „standhaft bleiben“, wenn ich mich um die Sorgen und Nöte der Menschen kümmere, wenn ich ein Ohr für die Menschen habe, wenn ich nicht bloß fromm daherrede, sondern die Menschen eben an meinem Tun den Christ erkennen können.
Ich glaube, das ist die schwierigere Aufgabe, als sich jetzt mit allen möglichen Mitteln gegen diesen Antrag zu stellen.
Und trotzdem ärgere ich mich über diesen Antrag – aber eben, weil das beleuchtete Kreuz am Haarberg für mich immer ein Symbol des „Nach Hause Kommens“ war und ist: Wenn ich spät abends zurück nach Aachen komme und das Kreuz sehen kann, dann weiß ich, ich bin zuhause.
Ein schöner Schlusssatz: „Wenn ich das Kreuz sehen kann, dann fühle ich mich zuhause.“
Impuls zum Mittwoch der 25. Woche im Jahreskreis (Lesungen)
Einführung:
Im Lied zur Eröffnung haben wir schon sehr knapp zusammengefasst, worum es heute in der Tageslesung und dem Evangelium geht. Es entsteht etwas Neues, etwas Großes – aus Sicht der damaligen Zeit – und wir sind noch heute Teil davon.
In der heutigen Tageslesung hören wir vom Propheten Esra der von einer Zeit des Erholens spricht. Wir befinden uns in der Zeit der persischen Herrschaft – was für die Gesichte Israels in der Tat eine Zeit des „zur Ruhekommens“ bedeutete. Die Perser verfolgten eine tolerante Religionspolitik und sie gestatteten und förderten die lokalen Riten. So wurde der Tempel mit finanzieller Hilfe der Perser wieder erreichtet und viele Israeliten konnten aus dem babylonischen Exil zurückkommen.
Ein bisschen bin ich bei der Lesung an den Psalm 23 erinnert:
Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Meine Lebenskraft bringt er zurück. / Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.
Impuls:
Im Jahr 458 (lt. Esra 7.7) – Historisch wohl eher im Jahr 433 – wird der Priester und Gesetzeslehrer Esra nach Jerusalem geschickt. Die Zeit des babylonischen Exils ist vorbei und die Perser regieren und verwalten Palästina. Unter dem Perserkönig Artaxerxes I wird nun eben Esra nach Jerusalem geschickt, um dafür Sorge zu tragen, dass die Gesetze des Königs, aber auch die Gesetze des Gottes Israels befolgt werden. Zu Beginn erwähnte ich ja bereits, dass die Perser eine tolerante Religionspolitik verfolgten – zumindest toleranter als die Babylonier. Es wird erwähnt, das Esra entsetzt ist, über die Verhältnisse in Jerusalem. Als Wurzel allen Übels macht er die Ehe von Juden mit ausländischen Frauen verantwortlich. Das ist natürlich für unser heutiges Denken anstößig und hat wenig mit unserem Denken und Fühlen gemein.
Im Rahmen seiner Anklage – die zugleich auch Predigt ist – gibt Esra uns aber auch einen wichtigen Punkt mit, der uns bis in die heutige Zeit begleiten kann. Gott begleitet uns durch unser Leben – wie auch immer die äußeren Umstände sein mögen. Gott nimmt uns nicht das Leid – Gott bestraft uns auch nicht durch Leid. Er kann das Leid der Welt nicht von uns nehmen, aber er begleitet uns durch das Leid ist der „Gott mit uns“ und der, der uns die Ruhestätte, die grünen Auen und das Wasser gibt – wenn wir es denn wollen.
Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 22.09. in der Fronleichnamskirche Aachen
Impuls zum Mittwoch der 19. Woche im Jahreskreis (g hl. Klara) (Lesungen)
Einführung:
Klara, 1194 in Assisi geboren, ließ sich vom Armutsideal des hl. Franziskus begeistern, als sie ihm mit achtzehn Jahren begegnete. Am Palmsonntag 1212 erhielt sie von Franziskus im Portiunkula-Kirchlein das raue Bußkleid und legte die Ordensgelübde ab. Die Familie, vor allem der Vater, widersetzte sich heftig, gab aber schließlich nach. Später folgten zwei ihrer Schwestern und nach dem Tod des Vaters auch ihre Mutter Klaras Beispiel. Franziskus erwarb für sie das Klösterchen San Damiano; hier fanden die ersten „Klarissen“ ihre Heimat. Sie lebten in großer Strenge und äußerster Armut. Klara überlebte Franziskus um 27 Jahre. Sie hatte viele Prüfungen, vor allem ein schmerzliches Siechtum, zu erleiden, war aber immer fröhlich. Und fröhlich starb sie am 11. August 1253.
In unseren heutigen Texten hören wir viel vom Verlassen und Aufgeben, um die Nachfolge Christi anzutreten – so wie es Klara und viele andere getan haben. Wie sieht es in heutigen Tagen mit der Nachfolge aus?
Impuls:
„Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.“
Das ist schon ein gewaltiger Anspruch, alles zu verlassen, was einem lieb ist. Familie, Freunde, Bekannte, das soziale Umfeld – seinen Wohlfühlraum. In der heutigen Zeit – und das merken wir besonders im Nachwuchs der Priester/ Diakone oder Ordensleute – scheint es nur noch wenige Menschen zu geben, die in dieser Form Jesus nachfolgen. Aber ist das die einzige Form der Nachfolge? Vor einiger Zeit hatte ich schonmal gesagt, dass die Zeit, die wir geben in der Gemeindearbeit, im Ehrenamt, im Gebet auch „Verlassen“ ist. Wir opfern viel Zeit, die wir sonst mit Familie, Freunden etc. hätten verbringen können. Diese Hingabe der Zeit wird oft nicht gesehen oder wertgeschätzt, aber sie steht für mich in einem Rang wie die Aufgabe der Familie.
Dennoch dürfen wir dabei nicht vergessen, dass es auch heute noch Christen gibt, die Familie und Freunde verlassen müssen, um gefahrlos Christ sein zu dürfen. Daher möchte ich heute all die mit ins Gebet nehmen, die Verfolgung oder Ablehnung hinnehmen müssen, um Christ sein zu dürfen.
Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 11.08.2021 in der Fronleichnamskirche Aachen
Impuls zum Mittwoch der 18. Woche im Jahreskreis (Lesungen)
Einführung:
Die heutige Lesung ist wieder ein Beispiel dafür, das es oft schwierige Texte gibt, die sich nur schwer erschließen und mit unserem heutigen Gottesbild nicht so sehr zusammenpassen.
Mir hilft da manchmal zu schauen, woher kommen die Texte denn und wann wurden Sie geschrieben. Unser heutiger Text aus dem Buch Numeri stammt – so der Stand der Wissenschaft – aus der Zeit des Babylonischen Exils als sich das Volk Israel mit der Frage beschäftigen musste, ob sie zurück ins gelobte Land gehen wollen/können oder im Exil bleiben. Sicherlich war es damals auch schon so, dass man viele Gerüchte über das Land hörte, das man verlassen musste. Oder man sah sich mit eigenen Ängsten konfrontiert. Wie sieht es jetzt wohl aus, kann ich das hier und jetzt verlassen für etwas ungewisses? So betrachtet sind wir dann nicht mehr weit von der Situation vieler Menschen heute entfernt.
Impuls:
Flutkatastrophen, Hunger, Krieg und wirtschaftliche Not. Das sind aktuell für viele Menschen bittere Realitäten und Grund, ihr Hab und Gut zu verlassen. Es dürfte Ihnen dabei ähnlich gehen, wie den Menschen damals im babylonischen Exil. Viele Menschen werden sich die Entscheidung zu bleiben oder zu gehen in diesen Tagen nicht einfach machen. Bleibe ich hier und baue mein Haus wieder auf, ohne zu wissen, ob es dann wieder eine Flutkatastrophe geben wird? Bleibe ich hier in meinem Land, das von Krieg zerstört und von Hunger geplagt wird oder gehe ich woanders hin, in eine ungewisse Zukunft? Die Antwort aus der heutigen Lesung sagt kurz zusammengefasst „Murre nicht und Vertraue auf Gott!“ – aber das greift mir zu kurz. Natürlich haben die Menschen die von verschiedensten Schicksalsschlägen getroffen sind das Recht zu „murren“ und ihr Leid zu klagen – wie sonst sollen sie sich gehör verschaffen? Und wir merken doch auch gerade jetzt wieder, das es eine Vielfalt an Solidarität gibt. Geldspenden, Sachspenden, Hilfe bei Aufräumarbeiten – die ganzen ehrenamtlichen Helfer*innen bei den Hilfsorganistionen usw.
Gott erspart uns nicht das Leid – aber der heilige Geist wirkt in uns allen, die wir offen sind für die sehr einfache Formel:“ Liebe deinen nächsten, wie dich selbst“. Ich bin sehr beeindruckt von den vielfältigen Hilfsangeboten, die in kürzester Zeit ins Leben gerufen wurden, angesichts der Opfer der Flutkatastrophe der vergangenen Wochen. Gemeinden haben Ihre Kollekte hierfür gegeben, praktisch das letzte Hemd wurde gespendet.
Impuls vom 4.8.2021 aus der Wort-Gottes-Feier in der Fronleichnamskirche Aachen
Heute ist der Mittwoch der 8. Woche im Jahreskreis, aber auch der erste Mittwoch nach dem Eurovision Songcontest – und ja… natürlich ist auch heute der erste Mittwoch nach Pfingsten.
Ich könnte jetzt viel darüber sagen, was Pfingsten und der ESC für mich verbindet. Viele sprechen mit einer Stimme – der Stimme der Musik, der Stimme der Verbundenheit, der Stimme der Verständigung.
Aber es geht mir heute noch um einen anderen Aspekt.
Im Tagesevangelium hören wir davon, ein Wettbewerb darum beginnt, wer rechts und links neben dem Herrschaftsthron sitzen darf. Ein Wettbewerb, wo es um Macht und Egoismus geht.
Das diese Attribute keine sind, die uns Gott näher bringen, das zeigt auch der heutige Tagesheilige Phillip Neri, der auf Grund seines Humor aber auch dem Dienst an den Armen und Kranken zurecht heiliggesprochen wurde.
Impuls:
„Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“, so hören wir die Pfingsterzählung in der Apostelgeschichte.
Am Samstag fand das diesjährige Finale des Eurovision Songcontest in Rotterdam statt und ich finde dieses Ereignis jedes Jahr aufs Neue faszinierend. Man kann jetzt natürlich sagen, dass der ESC ein kommerzielles Event ist und sich darum ein Vergleich mit dem heiligen Geist verbietet. Dem würde ich sogar zustimmen und ich will beides auch nicht vergleichen, aber bemerkenswert finde ich den ESC – bei aller Kritik – dann doch.
Eine Vielzahl verschiedener Nationen begegnet sich gemeinsam in der Musik, sie treten friedlich gegeneinander an und begeistern durch ihre Beiträge viele Menschen hinweg über Landesgrenzen. Ich schaue mir das jedes Jahr an, und jedes Jahr fasziniert mich ein anderes Land, ein anderer Beitrag.
Hier steht mal 3 Stunden lang nicht die Feindschaft der Länder auf dem Plan, nicht die Feindschaft zwischen den Religionen an erster Stelle, sondern die Musik und die Begeisterung. Eine andere Art der Konkurrenz wird hier gut sichtbar. Die Konkurrenz darin, die Menschen mit meinem Können, meinen Gaben, meinen Charismen zu erreichen und zu verbinden.
Vielleicht ist das auch etwas, das Markus in seinem Evangelium uns heute mitgeben möchte. Eifert einander nach im Dienst an den Menschen; überbietet euch darin, Menschen zu verbinden und zu begeistern – Nicht um deiner selbst Willen oder der Macht wegen, sondern um der Menschen wegen.
In diesen Tagen stehen alle Zeichen auf Pfingsten. In den Lesungen hören wir von dem einen Beistand, der uns gegeben wurde, der Weisheit, Trost, Liebe und Friede ist. Heute hören wir gleich zwei Abschiedsreden: der Apostel Paulus, der den Hirten nochmal sehr eindringlich Worte mit auf den Weg gibt und Jesus, der im Gebet um Gebet die seinen Gott anvertraut.
Zwei Sätze haben mich heute besonders berührt:
„Ich weiß: Nach meinem Weggang werden reißende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen.“ sagt Paulus zur Gemeinde in Ephesus.
„Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren.“ spricht Jesus in seinem Gebet an Gott.
Die letzten Tage waren geprägt von Hass, Gewalt, Terror und Tod – besonders im heiligen Land. Diese Eindrücke lassen mich nicht kalt, sie lassen mich ratlos zurück. Ich maße mir nicht an, eine Lösung zu haben oder einen guten Rat. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Vielzahl der Menschen auf beiden Seiten sich den Frieden wünschen – mehr als die Gewalt. In meiner Ohnmacht und Ratlosigkeit möchte ich heute um Frieden bitten – im Heiligen Land – aber auch überall dort, wo Menschen aufgrund von Konflikten sterben müssen.
Impuls:
Eine Fahne zu verbrennen ist nix schlimmes. Das ist ja grade mal eine Sachbeschädigung und wenn es eine Fahne ist, die ich selbst gekauft habe, nicht einmal das.
Bis vor kurzem stimmte diese Aussage, denn rein rechtlich gesehen ist das Verbrennen einer Fahne lange Zeit tatsächlich nichts anderes als eine Sachbeschädigung gewesen. Inzwischen steht das Verbrennen von Fahnen ausländischer Staaten aber unter höheren Strafen.
Das Verbrennen einer Fahne ist aber gleichwohl sehr viel mehr!
Wenn die Fahne Israels öffentlich verbrannt wird, begleitet von einer Menge die „attackiert Tel-Aviv“ skandiert, dann ist das Antisemitismus! Wenn das – wie am Wochenende geschehen – in Berlin, Frankfurt, Gelsenkirchen passiert, dann geht uns das alle etwas an! Dann ist das ein Angriff nicht nur auf jüdisches Leben in Deutschland, sondern auf uns alle, die wir im Dialog zwischen den verschiedenen Religionen stehen.
Am Wochenende fand der ökumenische Kirchentag unter dem Motto „Schaut hin“ statt und das habe ich getan. Ich habe hingesehen, habe die brennenden Fahnen gesehen, habe die judenfeindlichen Kommentare gesehen, habe die Angriffe auf jüdisches Leben gesehen – und es lässt mich erschüttert – sprachlos – ohnmächtig zurück.
Ich habe heute leider keinen guten Impuls zum Tagesevangelium für Sie/Euch. Ich bin sprachlos ob dieser Bilder des Wochenendes.
Heute machen wir in der Lesung des Tages einen Ausflug nach Athen. Wir begleiten Paulus bei seiner berühmten Rede auf dem Areopag. Warum ist diese Rede so besonders, was macht diesen Abschnitt der Apostelgeschichte so bekannt und bedeutend? Der Areopag war in Athen der Ort, an dem viele berühmte Philosophen ihre Reden hielten. Von hier ging also die Philosophie der Antike hinaus in die Welt. Und an diesem bekannten Ort hält Paulus seine Rede. Er versucht den Menschen in Athen – die zu der Zeit sicher noch wenig bis gar nichts von Jesus Christus gehört haben – diesen Glauben nahe zu bringen. Es ist also eine Evangelisationsrede. In der Wissenschaft beschäftigt diese Rede noch bis heute die Wissenschaftler*innen: War diese Rede nun ein Erfolg oder ein Misserfolg? Diesem Gedanken möchte ich später etwas nachspüren, aber auch, was wir aus dieser Rede des Paulus für uns heute lernen können.
Impuls:
„Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören.“ Dieser Satz aus der Apostelgeschichte lässt die Wissenschaft noch heute rätseln, ob Paulus mit seiner Rede erfolgreich war, oder eben nicht.
Die Apostelgeschichte wird heute auf ca. 90 n. Chr. Datiert, das bedeutet, das Paulus diese Rede doch deutlich früher gehalten haben muss. Zu diesem Zeitpunkt war das Christentum noch nicht sehr weit verbreitet – zumindest nicht in der hellenistischen Welt, die häufig ihrem Vielgötterglauben (Zeus, Hermes, Aphrodite etc.) anhingen. Bevor Paulus seine Rede hielt, hat er sich mit der Umgebung und diesem Glauben vertraut gemacht. So knüpft er in seiner Rede an den Altar zu Ehren „dem unbekannten Gott“ an. Er tritt also nicht als überheblicher Lehrmeister auf, der mit dem moralischen Zeigefinger einzig seine Lehrmeinung vertritt. Er holt die Menschen dort ab, wo sie sind. Und bis zu dem Punkt als Paulus von der Auferstehung der Toten spricht, scheinen ihm die Menschen auch gut folgen zu können. Dennoch spotteten einige und nur wenige folgten ihm dann weiter nach Korinth.
Zurück zur ursprünglichen Frage: War die Rede denn nun ein Erfolg oder ein Misserfolg? Die Antwort darauf liefert uns das Tagesevangelium von heute: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen.“ Ja, einige – vielleicht sogar viele – spotteten über Paulus. Aber können wir daraus einen Misserfolg ableiten? Ich glaube, dass Paulus Rede auf dem Areopag nicht unbedingt zum Ziel hatte, viele Menschen so zu begeistern, dass sie ihm folgen. Ich glaube viel mehr, dass Paulus hier einen Grundstein gelegt hat, einen kleinen Funken, der erst mit dem Geist der Wahrheit zu einem Feuer geführt hat. Und eines können wir heute noch von Paulus lernen. Wenn wir mit Menschen über Gott und unseren Glauben reden, dann dürfen wir nicht von unserer Glaubenswelt ausgehen, sondern müssen Ihren Glauben, ihre Glaubenswelt, ihre Anschauung respektieren.
Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 12.5. in der Fronleichnamskirche Aachen
Ich bin ein Kind der 80er und 90er und natürlich auch mit den entsprechenden Fernsehserien aufgewachsen. Leider – und das war in den 90ern ja auch schon so – wurden viele Serien von Werbung unterbrochen. Damals gab es einen Spot einer größeren Biermarke aus der Eifel, die einen sehr eingängigen Song spielte: „Oh won´t you stay, a little Bit longer“ Jetzt werde ich hier sicher keine Werbung für eine Biermarke machen, aber der Song ist schon sehr einprägsam…. Möchtest du nicht noch ein kleines bisschen bleiben? Es vermittelt so ein Gefühl von einer Gemeinschaft, die nett beisammensitzt und quatscht, bis das einer dann den Anfang macht und aufbricht. Die eben noch gemütliche Stimmung wendet sich in Richtung Aufbruch und Auseinandergehen, „Bleibt doch noch ein bisschen länger…“
Im heutigen Tagesevangelium trägt Jesus uns auf, zu bleiben. Gleich 8mal kommt das Wort „bleibt“ in dem Text vor. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch – nicht nur ein bisschen länger.
Impuls:
Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
„Bleibt in mir“ ist heute sicher die zentrale Botschaft des Evangeliums. Aber es ist bei dem Text nicht so besonders einfach, sich auf diese Botschaft zu konzentrieren. So hören und lesen wir auch, dass die Rebe weggeworfen wird, verdorrt oder im Feuer verbrannt wird.
Ziemlich harte Worte, die zum Missverständnis einladen. Meines Erachtens nach geht es hier nämlich nicht um gute und schlechte Früchte – so nach dem Motto – die Traube ist nix, also muss sie verworfen werden. Es geht hier um die Verbindung. Nur die Trauben, die mit dem Weinstock in Verbindung bleiben, können wachsen.
Christ sein kann ich nicht für mich allein. Zum Christsein gehört die Verbundenheit in einer Gemeinschaft, die Verbundenheit im Glauben, die Verbundenheit zu Gott. Ich kann natürlich in meinem Kämmerlein für mich allein meditieren, aber das ist dann eben etwas anderes als „Christ sein“. Und selbst die strengen Orden, die viel Zeit in Einsamkeit verbringen, beten täglich gemeinsam. Und im Stundengebet, selbst wenn ich es zuhause allein bete, bin ich in einer Gemeinschaft von Menschen, die an einem anderen Ort eben dieses Stundengebet beten. Christ sein geht nur, wenn ich Verbunden bleibe. Bleibet in mir, dann bleibe ich in euch. Das hat etwas zutiefst beruhigendes für mich.
Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 05.05. in der Fronleichnamskirche Aachen
In der Osterzeit hören wir vielfach Lesungen aus der Apostelgeschichte, Wir werden also mitgenommen, in die Zeit nach Christi Tod und Auferstehung. Wir erfahren, wie es mit den ersten Gläubigen weitergegangen ist. Wir erleben, wie das Licht der wunderbaren Nacht sich in der Welt verteilt – wir erspüren, wie das Wort, das Fleisch geworden ist, weitergegeben wird und immer mehr die Herzen der Menschen erreichen kann. Heute hören wir davon, wie Barnabas und Saulus auserwählt wurden, das Wort hinauszutragen. Interessant daran ist, wie dies` von Statten geht. Der heilige Geist sprach, wählt mir Barnabas und Saulus aus. Da fasteten Sie, legten Ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen. Die Apostelgeschichte wird von der historisch-kritischen Bibelforschung um ca. 90 n. Chr. datiert und hier wird schon etwas beschrieben, das heute noch Bestandteil unserer Liturgie ist. Das Auflegen der Hände, ehe wir jemanden ziehen lassen. In der Apostelgeschichte kann man die Anfänge sehen, die sich bis in unsere heutige Zeit weiterziehen. Durch die Weltgeschichte hindurch wurde das Licht der wunderbaren Nacht weitergegeben und erhellt unsere Welt bis heute. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, das heute auch ein besonderer Tag ist – viele von Ihnen werden es sicher wissen – heute ist der Tag der Seligsprechung von Franziska Schervier. Am 28.April 1976 wurde Franziska Schervier von Papst Paul 6. Seliggesprochen. Das Heiligsprechungsverfahren läuft seit 2008. Wir können also sehen, dass durch die Jahrtausende hinweg, das Licht der wunderbaren Nacht nicht erloschen ist und auch heute noch Menschen hervorbringt, die dieses Licht weitergeben.
Impuls:
Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
in meiner Eröffnung habe ich schon recht viel gesagt, darum versuche ich mich jetzt etwas kürzer zu fassen, was mir bei Texten aus dem Johannesevangelium immer etwas schwerfällt.
Der heutige Text aus dem 12. Kapitel des Johannesevangeliums ist ein wenig so etwas, wie eine Zusammenfassung, ein Fazit. Es ist überschrieben mit dem Titel: „Jesu letzter Aufruf zum Glauben“. Vorher lesen wir von Jesu Besuch bei Maria von Magdala und Lazarus und nach diesem Text folgt schon die Fußwaschung, das letzte Abendmahl. Zeitlich machen wir also einen kleinen Sprung zurück. Aber vielleicht ist das ja auch ganz gut. Die Osternacht ist jetzt schon wieder ein paar Wochen her, der Alltag hat uns fest im Griff und dieses Osternacht-Gefühl verblasst allmählich, Daher ist es wichtig, diese Erinnerung wachzuhalten, das Licht der wunderbaren Nacht immer wieder in unsere Welt zu bringen. Barnabas und Saulus und die vielen anderen, die das Wort in die Welt gebracht haben. Franziska Schervier, Clara Fey und die vielen Seligen und Heiligen, die uns als Vorbilder dienen können, im Glauben aber mehr noch in der Nächstenliebe. Aber ganz besonders ist es eben auch wichtig einmal auf uns heute zu schauen. Auf die Heldinnen und Helden, die Seligen und Heiligen, die wir heute um uns sehen – oft nicht beachtet.
Die Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen, die zu Recht inzwischen mehr Aufmerksamkeit erhalten – möge das auch in gerechter Bezahlung münden. Die Verkäufer*innen, die nicht nur zu Corona Zeiten, sondern eigentlich schon immer relevant für das System sind und waren: Künstler*innen die uns durch ihre Gaben erfreuen, Komiker, die uns zum Lachen bringen, Musiker*innen ohne die unsere Gottesdienste sehr viel trister wären (DANKE KALLE!) und alle, die uns das Leben leichter machen – jetzt in der Corona Zeit, aber auch schon vorher und dann hoffentlich mehr beachtet nach Corona.
Aber ganz besonders denke ich sollte ich auch einfach mal „Danke“ sagen, an alle – ja an Alle! An alle die, die die sehr einschränkenden Maßnahmen hinnehmen, die Mitmachen, die sich selbst zurücknehmen, um solidarisch zu sein. Alle sind wir systemrelevant, jeder mit seinen Gaben!
Amen
Impuls zum Wort-Gottes-Dienst vom 28.04.21 aus der Fronleichnamskirche Aachen
Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.
Wissen Sie, von wem diese Zeilen stammen? Sie sind von Jochen Klepper aus dem Jahr 1938 – und ja, ich weiß… es ist eigentlich ein Advent-, bzw. Weihnachtslied. Aber ich finde dieses Lied und die Geschichte von Jochen Klepper sehr beeindruckend. Er schrieb diese Zeilen als Gedicht und es wurde 1938 veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt wurde Klepper schon wegen seiner Ehe mit einer jüdischen Frau ausgegrenzt und drangsaliert – die Veröffentlichung seines Buches „Kyrie“ wurde lange durch die Nazis verzögert. Nachdem im Jahr 1942 die Ausreise seiner Tochter ins rettende Ausland scheiterte, wählte die Familie den Freitod. In diesem Lichte hat das Lied bzw. das Gedicht nochmal eine besondere Wirkung auf mich. Und es ist auch ein Osterlied! Das Licht der Osternacht ist schon durch den Karfreitag hindurch sichtbar und bescheinet unsere Angst und Pein.
Auch das heutige Tagesevangelium verbindet Advent und Ostern miteinander. „Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.“, so hören wir heute im Johannesevangelium. Und Johannes ruft hier den Beginn seines Evangeliums in den Sinn, den wir oft im Advent hören: „In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“
Nacht und Licht – Schein und Pein, um diese Gegensätze geht es in den heutigen Texten.
Impuls:
Liebe Schwestern und Brüder,
den Passus aus dem Johannesevangelium, den wir gerade gehört haben, steht am Ende des 3. Kapitels. Es ist das Ende des nächtlichen Gespräches zwischen Jesus und Nikodemus dem Pharisäer, von dem wir zuletzt in der Johannespassion gehört haben. Im Schutz der Nacht – auch um sich vor Ausgrenzung und Repressionen zu schützen – macht er sich auf zu Jesus, um mit ihm zu sprechen. Leider hören wir hier heute nur den Abschluss dieser nächtlichen Begegnung. Das ist ein bisschen so, als würde man beim Tatort kurz vor Ende erst einschalten. Man bekommt das Wichtigste, das Fazit noch mit, aber nichts von der Handlung – das ist etwas schade, denn ich halte dieses nächtliche Gespräch für sehr zentral und besonders im gesamten Johannesevangelium, erörtert es uns doch so grundlegende Inhalte des Glaubens.
Nach der Tempelaktion Jesu – dazu haben wir in der Fastenzeit ja etwas gehört – findet dieses nächtliche Gespräch statt. Nikodemus macht sich in der Nacht auf zu Jesus – Er kommt aus der Dunkelheit zum Licht – um Jesus seine Fragen zu stellen. Zu Beginn des Dialoges hat Nikodemus noch viele Sprachanteile, doch wandelt sich das Gespräch hin zu einem Monolog Jesu, dass wir als Leser und Hörer auch erst verstehen, mit dem Wissen um Jesu Passion. Der Monolog gipfelt in dieses Meisterwerk, das uns daran erinnert, dass die Nacht vorgedrungen ist und der Tag nicht mehr fern ist – das auf den Karfreitag das Licht der Osternacht folgt – dass der Morgenstern unsere Angst und Pein bescheinet – dass uns das Licht, auf das wir im Advent hinfiebern auch im Ostergeheimnis leuchtet.
Amen
Impuls aus der Wort – Gottes – Feier vom 14.4. in der Fronleichnamskirche Aachen