Impuls zum 4. Sonntag der Osterzeit (Weltgebetstag um geistl. Berufungen + #Liebegewinnt)

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Impuls zum 4. Sonntag der Osterzeit (Lesungen)

Impuls:

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

Am heutigen Sonntag fallen zwei für mich wichtige Themen zusammen. Zum einen finden rund um den 10.Mai Segnungsgottesdienste für alle Paare gleich welcher Ausrichtung statt – so auch heute hier im Anschluss an die hl. Messe. Und an diesem Wochenende ist auch der Weltgebetstag um geistliche Berufe unter dem Motto: In Allem, Du!“, und ich stehe nun vor der Herausforderung, beide Themen zusammenzubringen… denn zum Weltgebetstag für geistliche Berufe ist es in jedem Jahr so, dass alle, die sich gerade in einer solchen Ausbildung befinden angefragt werden, etwas über Ihre Berufung zu erzählen. Ich mache das seit Beginn meiner Ausbildung – also seit 2019 – jedes Jahr. Leider haben Sie davon noch nicht viel mitbekommen, da Coronabedingt diese Zeugnisse online oder gedruckt stattfanden. Aber einige von Ihnen kennen mich und meinen Weg schon, für die, die mich noch nicht so gut kennen, möchte ich kurz etwas zu mir erzählen.

Ich heiße Micha B. bin 42 Jahre alt und bin seit 2019 in der berufsbegleitenden Ausbildung zum ständigen Diakon mit Zivilberuf. Schon 2018 habe ich an einem Interessentenjahr für die Ausbildung teilgenommen und mich danach trotzdem beworben.

Aber… was war davor? Warum habe ich mich überhaupt für die Ausbildung zum Diakon entschieden?

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend den klassischen „katholischen“ Lebenslauf erlebt: Taufe – kath. Kindergarten – kath. Grundschule – Erstkommunion – Messdiener.

Nein, ich habe die Firmung hier nicht vergessen, diese fand deutlich später statt.

Bis ich so ca. 14/15 war habe ich viel Freizeit in der Kirche und in den dortigen Angeboten verbracht, war mit Leib und Seele Messdiener und habe als Kind schon mit meiner Kinderbibel „Messe“ gespielt. Priester wollte ich da aber nie werden, man darf ja nicht heiraten –

lieber wollte ich Küster oder Kirchenmusiker werden, also lernte ich Kirchenorgel und habe im Kinderchor mitgesungen.

Also eigentlich ein ziemlich klarer Weg…

… bis ich an einem morgen aus dieser heilen Welt gerissen wurde. Ich habe vom Tod einer sehr engen Freundin der Familie erfahren, die auf dem Weg in die Schule (wir besuchten die gleiche Schule) von einem Bus erfasst wurde und noch am Unfallort verstarb. Ich habe noch heute – fast 30 Jahre später – kaum eine Erinnerung an diesen Tag und die Wochen danach. Es ist wie ein Nebel, der sich über diesen Teil meines Lebens legt. Meine ersten klaren Erinnerungen sind dann auch erst wieder einige Wochen später, zusammen mit einer klaren Einstellung, dass ich einem Gott, der sowas nicht verhindert – der sowas zulässt nicht mehr in meinem Leben haben will, ihn nicht mehr lieben und vertrauen kann. Also: kein Messdiener, keine Kirchenorgel, keine Firmung mehr!

Stattdessen habe ich mich entschieden, Krankenpfleger zu werden -> Nie mehr wollte ich mich so hilflos fühlen.

Rückwirkend betrachtet war es aber dann doch so, das mir im Leben immer etwas gefehlt hat. Ich habe meine Ausbildungen immer an kath. Einrichtungen gemacht. War bei den Maltesern, bin als Pfleger nach Lourdes gefahren, war am Marienhospital usw. Und es sollte wieder eine Beerdigung sein, die mir klar macht, was mir fehlt und wohin mein Weg gehen sollte.

Nach eben dieser Beerdigung – das war 2015 – habe ich lange vor der Kirche gesessen. Die Liturgie, der Ablauf, die Struktur – alles gab mir einen Rahmen, eine Sicherheit und ich begann, mich mit Berufen in der Kirche auseinanderzusetzen. Irgendetwas war da, das ich nicht formulieren konnte.

Den letzten kleinen Schubs in die richtige Richtung gab mir dann eine Mitarbeiterin der Berufungspastoral, der ich meinen Lebenslauf schilderte und die mich dann auf das ständige Diakonat aufmerksam machte.

Ich glaube, das passt gut zu mir: die Mischung aus Dienst am Altar und Dienst an den Menschen.

Aber wie passt das alles zu #Liebegewinnt?

Da möchte ich gerne an letzte Woche anknüpfen, Sie – Pfr. V.d.W.– haben mir und uns allen eine wichtige Frage mit auf den Weg gegeben. Kann ich zu Gott sagen: „Ich liebe dich“

Was sie gehört haben ist meine Geschichte zu #Liebegewinnt. Meine Liebe zu Gott, die verschüttet war, die durch schlimme Ereignisse und Erlebnisse verdeckt war, hat seinen Weg gefunden. Ich kann also heute sicher zu Gott sagen: „Ich liebe dich!“ Jedoch können viele Menschen nicht – oder zumindest nicht offen – zu Ihren Partnern sagen :“Ich liebe dich“ , weil sie noch immer mit Ausgrenzungen und Anfeindungen rechnen müssen.  

Am 15.03.2021 sagte die römische Glaubenskongregation einmal mehr „Nein“ zu Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare. „Wir segnen nicht die Sünde“ – das ist ein Schlag ins Gesicht für Menschen weltweit, die z.T. ein Leben lang um ihre Art zu lieben ringen und dafür lange genug diskriminiert wurden – auch von der Kirche. Es ist auch ein Schlag ins Gesicht für alle Seelsorger:innen und Theolog:innen, die Menschen in entscheidenden Situationen ihres Lebens den Segen Gottes zusagen, den Gott allein schenkt. Zur Realität dieser Kirche gehört bislang, dass eine Segensfeier für gleichgeschlechtliche  Paare und für Menschen, die nach einer zerbrochenen Ehe sich neu verlieben, meist heimlich passieren muss. Ein Segen durch die Hintertür jedoch ist beschämend – für die zu Segnenden und für die Kirche.

Dass dies sich ändert, dafür sorgte #liebegewinnt 2021. Und jetzt heißt es:

Da ist noch viel offen – mehr #liebegewinnt.

Und so sehe ich die Aktion #Liebegewinnt auch als einen Hoffnungsschimmer (wenn auch sehr zaghaft) und da passt das Motto des Weltgebetstages um geistliche Berufe auch zu #Liebegewinnt: in allem, Du! Und ich möchte das Thema minimal abwandeln: In allen, Du!

In allen Menschen – DU!

In allen Menschen, egal welchen Geschlechtes, welcher Ausrichtung, welcher Hautfarbe können wir Ihn – den guten Hirten – sehen!

Impuls zum 5. Mittwoch der Osterzeit

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Impuls zum 5. Mittwoch der Osterzeit (Lesungen)

Einführung:

Wenn man im Duden nach dem Wort „bleiben“ sucht, wird einem eine sehr interessante Herkunft aufgezeigt. So kommt das Wort wohl aus dem mittelhochdeutsch „beliben“ oder althochdeutsch „biliban“ und bedeutet eigentlich „kleben bleiben und ist verwandt mit dem Wort Leim.

Das ergibt für mich ja auch Sinn. Umgangssprachlich sagt man ja auch schonmal „Gestern Abend bin ich bei XY kleben geblieben“ oder wenn man die Versetzung in eine höhere Schulklasse verpasste, ist man auch „kleben geblieben“

Im heutigen Tagesevangelium geht es auch um das „Bleiben“ – um das „Kleben bleiben“, das Anhaften an Jesus. Das das nicht immer einfach ist, das wissen wir sicher alle aus unseren Erfahrungen.

Impuls:

Ich glaube in den 90er Jahren gab es eine Werbung eines großen Bierherstellers mit dem eingängigen Lied „Oh Won´t you stay, just a little bit longer!“ – möchtest du nicht ein kleines bisschen länger bleiben. Nun will ich hier sicher keine Werbung für Bier machen, aber ich finde das Bild, das gezeichnet wird, doch sehr interessant. In der Werbung wird ein geselliger Abend mit Freunden und Bekannten gezeichnet, vielleicht gerade so im letzten Moment vor dem Aufbruch nach Hause, hinaus aus dieser vertrauensvoll geselligen Runde. Im Hintergrund läuft das Lied, das danach fragt, ob man nicht noch ein bisschen bleiben möchte. Und diese Situationen kennen wir sicher alle…. Man möchte noch nicht nach Hause und zurück in den Alltag, sondern in diesem schönen Moment verharren, doch verschiedenste Verpflichtungen machen es uns eben nicht möglich noch ein wenig zu bleiben. Wir müssen am nächsten Morgen früh aufstehen, wir haben ein Meeting, die Kinder müssen ins Bett usw.

„Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch!“ Das sagt uns Jesus heute zu. Anders als das Bild der geselligen Runde, die sich irgendwann auflösen muss, bleibt Jesus bei uns, wenn wir uns entschieden haben ihm zu folgen. Selbst dann, wenn wir zweifeln, wenn wir ihn ausblenden.

Und hier bin ich bei der Herkunft des Wortes „bleiben“.

Jesus sagt uns zu, im ganz positiven Sinne an uns kleben zu bleiben – mit uns in Verbindung zu bleiben – uns durch Leid zu begleiten. Jesus bleibt in uns. Oh, wont you stay a little bit longer heißt für Jesus -> auf Ewig.

Impuls zum 4. Mittwoch der Osterzeit

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Impuls zum 4. Mittwoch der Osterzeit (Lesungen)

Einführung:

In der Lesung hören wir heute, wie die frühe Kirche die Ausbreitung des Glaubens voller Begeisterung betrieb. Man könnte neidisch werden, wenn man an die heutige Lähmung bei uns denkt. Was jedoch damals möglich war, das geht auch heute, wenn wir uns wie die ersten Glaubenszeugen damals vom Heiligen Geist erfüllen lassen und uns auf den Weg zu den Menschen machen. Jesus selbst hat als Gesandter des Vaters Licht in die Welt gebracht, damit niemand in Finsternis leben muss. Hören wir auf sein Wort, das er uns vom Vater ausrichtet, und geben wir es beherzt an die Mitmenschen weiter.

Impuls:

Als mein Patenkind Larissa noch kleiner war und wir in Berlin unterwegs waren, wurde mir oder ihr manchmal von fremden Menschen gesagt: „Mensch, du siehst ja ganz aus wie der Papa!“ Sie konnte das noch nicht so wirklich verstehen und ich habe das dann auch nicht weiter kommentiert. Es ist natürlich Quatsch…. Zum einen bin ich der Patenonkel und nicht verwandt, zum anderen ist Larissa hellblond und mit strahlend blauen Augen (man muss die Ähnlichkeit ja förmlich sehen!)

Heute wäre ihr das sicherlich peinlich…

„Ganz der Papa!“ das ist so ein Satz, den ich ohnehin immer etwas befremdlich fand. Auch wenn ich – ohne Zweifel – sehr viel Ähnlichkeit mit meinem Vater habe, so bin ich gewiss nicht „Ganz der Papa!“ – ebenso wie Larissa ihrer Mama ähnlich sieht – ist sie doch gewiss nicht „Ganz die Mama!“

 „Wer an mich glaubt, glaubt an den, der mich gesandt hat. Wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat. … Was ich sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.“ Ganz der Papa also? Nicht in unserem Sinne, sondern: Ganz der Vater! Ganz und gar!  Wenn bei uns ein Kind seinem Vater ähnelt, ist und bleibt es eine eigenständige Persönlichkeit. Gut, wenn Eltern darum wissen und das zulassen und fördern. Ganz der Papa! Das gilt von Äußerlichkeiten und Eigenarten. Aber letzten Endes sind und bleiben Mutter und Tochter, Vater und Sohn eigenständige Persönlichkeiten. So sollte es wenigstens sein! Hier bei Jesus ist das etwas anderes. Im Sinne des Johannesevangelium kann man sagen: Ganz der Vater. In Jesus bekommen wir Menschen es mit Gott selbst zu tun – und das in äußerster Konsequenz: „Wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.“ Konsequenter kann man es kaum sagen: Gott kommt zur Welt. Gott wird Mensch. Jesus ist Gott

Impuls zum Totengedenkgottesdienst 13.1.2022

Evangelium: Mk 10, 46-52:


Sie kamen nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß am Weg ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tue? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dich gerettet. Im gleichen Augenblick konnte er sehen und er folgte Jesus auf seinem Weg nach

Impuls:

Liebe Schwestern und Brüder,

vielleicht kennen Sie das Bild „Der Schrei“ von Edvard Munch?

Es zeigt eine Person auf einer Brücke, die Ihre Hände ans Gesicht hält und scheinbar schreit. Die anderen Personen auf dem Bild scheinen diesen Schrei nicht zu hören.
Wir alle kennen vielleicht diese Situation, dass uns alles zu viel wird und wir einfach nur noch schreien wollen… Schreien um Unterstützung, Schreien vor Wut, vor Trauer, vor Ohnmacht.
Und leider haben wir auch schon die Erfahrung machen müssen, dass diese Schreie verstummen, dass niemand sie hört – wie die Menschen im Hintergrund des Bildes.

Der Text aus dem Markusevangelium, den wir eben gehört haben, erinnert mich manchmal an eben dieses Bild.

Der blinde Bartimäus sitzt am Rand der Straße, die nach Jerusalem führt. Aufgrund seines Schicksals ist er auf das Betteln angewiesen und hat dafür einen strategisch günstigen Platz gewählt, da dort viele Pilger vorbeikommen und Almosen gaben. Doch an diesem Tag war alles anders.
Bartimäus, so hören wir es im Evangelium, schrie… Er schrie – nicht um die vorbeiziehenden Menschen auf sein Schicksal aufmerksam zu machen – sondern aus einem sehr viel tieferen Grund.
Er spürte, dass hier und heute etwas Wichtiges passiert. Er konnte vielleicht hören, dass es im Umfeld anders war als sonst, aber er konnte Jesus nicht sehen. Und trotzdem spürte er, wie bedeutend der Moment ist und schrie….
Nicht um die Menschen auf sein Schicksal aufmerksam zu machen – wie vielleicht die Person in unserem Bild – sondern weil er mit dem Herzen glaubte und erkannte, wer da an ihm vorbeizieht

Und er sollte Recht behalten. Jesus nähert sich ihm mit der Frage „was willst du, dass ich für dich tue?“

Was kann dieser Text aus dem Evangelium uns denn nun hier und heute mit auf den Weg geben?

Ich glaube, wir können 3 Dinge heute mitnehmen.

Der Text sagt uns zum einen, das wir hörend durchs Leben gehen sollen, mit offenen Ohren für die Menschen, die in Not sind und unserer Hilfe bedürfen. Aber auch, dass wir auf offene Ohren hoffen dürfen und dass wir unser Leid anderen erzählen dürfen.

Der Text sagt uns auch, dass wir als „Sehende“ durch die Welt gehen sollen, dass wir Not erkennen sollen und versuchen zu helfen, wo es uns möglich ist. Er sagt uns aber auch, dass wir auf kleine Gesten der Unterstützung zählen dürfen.

Zugegeben, in manchen Situationen fällt es uns schwer, das Leid anderer zu sehen oder zu hören – sind wir doch selbst mit unseren Sorgen und Nöten beschäftigt

Da kommt dann die für mich wichtigste Botschaft des Textes: Das Bartimäus mit dem Herzen Jesus erkannt und auf ihn vertraut hat.
Sie kennen sicher alle den Satz aus dem kleinen Prinzen: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Jesus ist in unserer Mitte und begleitet uns durch Sorgen, Ängste und Nöte. Wir dürfen Ihm unser Leid klagen, besonders dann, wenn es mal richtig mies mit uns ist. Die Antwort wird immer „was willst du, dass ich für dich tue“ sein.

Und so bin ich wieder bei unserem Bild vom Anfang. Wir sehen den Ausschnitt mit der schreienden Person und den Menschen im Hintergrund, die diesen Schrei nicht wahrnehmen. Mehr sehen wir in diesem Bild nicht… Aber mein Herz vertraut darauf, das in einer anderen Perspektive des Bildes jemand steht, der die Person danach fragt, was Sie tun kann.

Impuls zum 3. Adventssonntag (Gaudete)

Liebe Schwestern und Brüder,

der heutige – dritte – Adventssonntag steht ganz im Zeichen der Freude. Gaudete: Freue dich.

Das wird schon dadurch deutlich, dass die 3. Kerze am Adventskranz und die liturgischen Gewänder nicht violett, sondern rosa sind.

Das Thema der Freude durchzieht also den heutigen Tag ganz besonders.

Als ich vor einiger Zeit angefangen habe, mich auf das heutige Glaubenszeugnis vorzubereiten, da war mir noch so gar nicht nach vorweihnachtlicher Stimmung zu mute und so richtig freudig war ich auch nicht.

Vielleicht geht es Ihnen da etwas ähnlich. Es gibt noch so viel zu tun im Moment… Auf der Arbeit ist noch einiges zu erledigen bis zum Ende des Jahres; in der Schule und an der Uni müssen noch diverse Klausuren oder Tests geschrieben werden und in der Familie müssen noch Besorgungen gemacht werden, Geschenke gekauft und verpackt werden und und und.

Das alles wird begleitet durch die Nachrichten, die wir tagtäglich hören. Corona, Krieg, Politik, – wenige positive Nachrichten und wenig Grund zur Freude.

Und mitten in diese Gedanken hinein kommt der heutige 3. Adventssonntag und sagt mir… Micha! Freue dich! Der Herr ist Nahe!

Mitten in meine – zugegeben vielleicht etwas dunkleren Gedanken – kommen kleine „Herzensöffner-Momente“, die mir dann sagen…: Micha, schaue nicht unbedingt immer auf die großen – weltverändernden Momente, sondern schau auch mal in die kleinen Dinge in die kleinen Herzöffner-Momente.

Ich möchte ihnen kurz von zwei dieser Herzöffner-Momente erzählen.

Vielleicht haben Sie davon schon gehört, das am letzten Wochenende ein Mitglied unsere Gemeinde getauft wurde. Und auch, wenn ich nicht selbst dabei sein konnte, habe ich mich sehr darüber gefreut. Die Nachrichten, die es dazu in unserer WhatsApp-Gruppe gab, die Glückwünsche und die herzliche Freude waren ein Herzöffner für mich.

Der zweite Moment war, als ich auf dem Weg von der Fronleichnamskirche zurück nach Hause war. Ich durfte dann kurzfristig bei der Kommunionvorbereitung mithelfen. An dem Nachmittag wurde Weihnachtsbaum-Schmuck aus Stoff gebastelt. Allein das ich so ungeplant dabei sein durfte war ein Herzöffner-Moment für mich. Aber die Ergebnisse haben mich sehr berührt. Alle gebastelten Schmuckstücke sind besonders großartig geworden, aber eines hat mich nachhaltig fasziniert.

Es ist ein Engel aus Stoff mit einem zusätzlich aufgeklebten Herzen. Für mich steckt in diesem Engel so viel Liebe, das es mich nachhaltig beeindruckt hat.

Ich hoffe, Sie können den Engel bei Gelegenheit auch einmal sehen.

Und irgendwie fand ich es wichtig, Ihnen heute und an dieser Stelle davon zu erzählen. Denn vielleicht geht es Ihnen so wie es mir gegangen ist. Vielleicht sind Sie noch an manchen Momenten nicht so sehr freudig gestimmt, vielleicht überwiegt noch die stressige Zeit oder die bedrückenden Nachrichten, die wir oft lesen und hören.

Dann können Sie sich vielleicht an den Engel mit dem Herzen erinnern – oder vielleicht haben Sie selbst einen solchen Herzöffnermoment, an den Sie sich erinnern können und der Ihnen dann sagt: Freue dich, der Herr ist Nahe.

Er ist uns Nahe, wenn wir auch und besonders in die kleinen Dinge schauen, wenn wir einen Blick dafür bekommen, wo uns Gott an diesem Tag begegnet ist und in wem wir ihn vielleicht gesehen haben.

Er ist uns Nahe, wenn wir auf ihn vertrauen

Er ist uns Nahe, wenn wir uns anderen anvertrauen

Er ist uns Nahe, wenn wir uns selbst etwas zutrauen

Wie der Engel mit zusätzlich aufgeklebtem Herzen.

Impuls aus der hl. Messe zum 3. Adventssonntag in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 1. Adventswoche

Impuls zum Mittwoch der 1. Adventswoche

Einführung:

„In die Trauer greift Gott ein, er ist Nahe, dem der weint“ so haben wir es eben gesungen. Gott ist uns Nahe, er ist für uns Menschen vom Himmel gekommen. Aber… was heißt das konkret? Dem heutigen Evangelium von der Brotvermehrung geht ein wichtiger Satz voran, der vielleicht wegen der besonderen Geschichte etwas untergeht: „… denn Jesus hatte Mitleid mit Ihnen.“ Jesus hatte Mitleid mit den Menschen, da sie hungrig waren. Es geht Jesus also nicht bloß um unser „Seelenheil“ – was ja ein sehr abstraktes, ungreifbares Wort ist – sondern ganz konkret auch um unsere täglichen Sorgen und Nöte. Ganz ähnlich drückt es Papst Franziskus aus, wenn er sagt, dass wir den Menschen erst Brot bringen müssen – also das, was sie zum Überleben benötigen, ehe wir Ihnen das Wort Gottes bringen können.

Jesus möchte uns auch heute mit seinem Mitleid – oder besser mit seiner Leidenschaft begegnen, öffnen wir unsere Herzen und Sinne für diese Begegnung.

Impuls:

In vielen weiterführenden Schulen gibt es inzwischen Unterrichts-Projekte, in denen die Schülerinnen und Schüler ein Praktikum in sozialen Einrichtungen machen. Oftmals heißen diese Projekte dann Sozialprojekt, Sozialpraktikum oder Compassion-Projekt -> Compassion / Mitleid
Die Jugendlichen sollen in diesem Projekt etwas für ihr eigenes Leben lernen, aber eben nicht nur in der bloßen Theorie, sondern durch ihr Tun – indem Sie auf Menschen in Bedürftigkeit zugehen. Vom Bedauern allein haben Menschen mit Benachteiligungen nicht viel.
Im heutigen Tagesevangelium lebt Jesus uns das genau vor. Er lässt sich von der Lebenssituation der Menschen anrühren: Von Krankheit, Trauer, Hunger und er handelt, gibt den Menschen, was sie in ihrer konkreten Notlage benötigen.
Sich anrühren lassen und Menschen anrühren beides gehört zum Mitleid – oder besser Mitgefühl. Und dieses Mitgefühl ist eine starke Emotion, aber eben auch ein starker Motor, der Dinge in Bewegung setzen kann.
Im Advent, der Zeit der Ankunft kommt Gott bei uns Menschen an, wenn wir uns von ihm anrühren lassen, aktiv zu werden und uns für die Nöte, Sorgen und Probleme unserer Mitmenschen zu öffnen

In die Trauer greift Gott ein, er ist Nahe, dem der weint!

Impuls zum Mittwoch der 34. Woche im Jahreskreis

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Menetekel oder… das beleuchtete Kreuz am Haarberg – Impuls zum 34. Mittwoch im Jahreskreis

Noch heute – ich habe es extra gegoogelt – gibt es den Begriff Menetekel für eine unheilverkündende Warnung. Ich muss gestehen, ich habe das noch nie so gehört. Aber solche Menetekel hören wir derzeit ja dann recht häufig: Klimawandel, Inzidenzen, die Situation der Menschen an den Grenzen etc.

In diese Zeit der unheilverkündenden Warnungen – der „Menetekel“ habe ich am Wochenende einen Artikel bzw. einen Ratsantrag gelesen, der sich dafür ausspricht, das beleuchtete Kreuz am Haarberg abzuschaffen und es hat mich doch sehr geärgert. Aber warum eigentlich?

Das führt mich zu dem Begriff „standhaft bleiben“ aus dem heutigen Evangelium.

Bin ich über diesen Antrag verärgert, weil ich Christ bin und das Symbol des Kreuzes für mich eine besondere Bedeutung hat? Muss ich als guter Christ nun „standhaft“ das beleuchtete Kreuz am Haarberg verteidigen?

Nein! Ich glaube, so ist es im Evangelium nicht gemeint. Ich kann ein guter Christ sein und „standhaft bleiben“, wenn ich mich um die Sorgen und Nöte der Menschen kümmere, wenn ich ein Ohr für die Menschen habe, wenn ich nicht bloß fromm daherrede, sondern die Menschen eben an meinem Tun den Christ erkennen können.

Ich glaube, das ist die schwierigere Aufgabe, als sich jetzt mit allen möglichen Mitteln gegen diesen Antrag zu stellen.

Und trotzdem ärgere ich mich über diesen Antrag – aber eben, weil das beleuchtete Kreuz am Haarberg für mich immer ein Symbol des „Nach Hause Kommens“ war und ist: Wenn ich spät abends zurück nach Aachen komme und das Kreuz sehen kann, dann weiß ich, ich bin zuhause.

Ein schöner Schlusssatz: „Wenn ich das Kreuz sehen kann, dann fühle ich mich zuhause.“   

Impuls zum Mittwoch der 25. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 25. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

Im Lied zur Eröffnung haben wir schon sehr knapp zusammengefasst, worum es heute in der Tageslesung und dem Evangelium geht. Es entsteht etwas Neues, etwas Großes – aus Sicht der damaligen Zeit – und wir sind noch heute Teil davon.

In der heutigen Tageslesung hören wir vom Propheten Esra der von einer Zeit des Erholens spricht. Wir befinden uns in der Zeit der persischen Herrschaft – was für die Gesichte Israels in der Tat eine Zeit des „zur Ruhekommens“ bedeutete. Die Perser verfolgten eine tolerante Religionspolitik und sie gestatteten und förderten die lokalen Riten. So wurde der Tempel mit finanzieller Hilfe der Perser wieder erreichtet und viele Israeliten konnten aus dem babylonischen Exil zurückkommen.  

Ein bisschen bin ich bei der Lesung an den Psalm 23 erinnert:

Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Meine Lebenskraft bringt er zurück. / Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.

Impuls:

Im Jahr 458 (lt. Esra 7.7) – Historisch wohl eher im Jahr 433 – wird der Priester und Gesetzeslehrer Esra nach Jerusalem geschickt. Die Zeit des babylonischen Exils ist vorbei und die Perser regieren und verwalten Palästina. Unter dem Perserkönig Artaxerxes I wird nun eben Esra nach Jerusalem geschickt, um dafür Sorge zu tragen, dass die Gesetze des Königs, aber auch die Gesetze des Gottes Israels befolgt werden. Zu Beginn erwähnte ich ja bereits, dass die Perser eine tolerante Religionspolitik verfolgten – zumindest toleranter als die Babylonier. Es wird erwähnt, das Esra entsetzt ist, über die Verhältnisse in Jerusalem. Als Wurzel allen Übels macht er die Ehe von Juden mit ausländischen Frauen verantwortlich. Das ist natürlich für unser heutiges Denken anstößig und hat wenig mit unserem Denken und Fühlen gemein.

Im Rahmen seiner Anklage – die zugleich auch Predigt ist – gibt Esra uns aber auch einen wichtigen Punkt mit, der uns bis in die heutige Zeit begleiten kann. Gott begleitet uns durch unser Leben – wie auch immer die äußeren Umstände sein mögen. Gott nimmt uns nicht das Leid – Gott bestraft uns auch nicht durch Leid. Er kann das Leid der Welt nicht von uns nehmen, aber er begleitet uns durch das Leid ist der „Gott mit uns“ und der, der uns die Ruhestätte, die grünen Auen und das Wasser gibt – wenn wir es denn wollen.

Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 22.09. in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 19. Woche im Jahreskreis (g hl. Klara)

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Impuls zum Mittwoch der 19. Woche im Jahreskreis (g hl. Klara) (Lesungen)

Einführung:

Klara, 1194 in Assisi geboren, ließ sich vom Armutsideal des hl. Franziskus begeistern, als sie ihm mit achtzehn Jahren begegnete. Am Palmsonntag 1212 erhielt sie von Franziskus im Portiunkula-Kirchlein das raue Bußkleid und legte die Ordensgelübde ab. Die Familie, vor allem der Vater, widersetzte sich heftig, gab aber schließlich nach. Später folgten zwei ihrer Schwestern und nach dem Tod des Vaters auch ihre Mutter Klaras Beispiel. Franziskus erwarb für sie das Klösterchen San Damiano; hier fanden die ersten „Klarissen“ ihre Heimat. Sie lebten in großer Strenge und äußerster Armut. Klara überlebte Franziskus um 27 Jahre. Sie hatte viele Prüfungen, vor allem ein schmerzliches Siechtum, zu erleiden, war aber immer fröhlich. Und fröhlich starb sie am 11. August 1253.

In unseren heutigen Texten hören wir viel vom Verlassen und Aufgeben, um die Nachfolge Christi anzutreten – so wie es Klara und viele andere getan haben. Wie sieht es in heutigen Tagen mit der Nachfolge aus?

Impuls:

„Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.“

Das ist schon ein gewaltiger Anspruch, alles zu verlassen, was einem lieb ist. Familie, Freunde, Bekannte, das soziale Umfeld – seinen Wohlfühlraum. In der heutigen Zeit – und das merken wir besonders im Nachwuchs der Priester/ Diakone oder Ordensleute – scheint es nur noch wenige Menschen zu geben, die in dieser Form Jesus nachfolgen. Aber ist das die einzige Form der Nachfolge? Vor einiger Zeit hatte ich schonmal gesagt, dass die Zeit, die wir geben in der Gemeindearbeit, im Ehrenamt, im Gebet auch „Verlassen“ ist. Wir opfern viel Zeit, die wir sonst mit Familie, Freunden etc. hätten verbringen können. Diese Hingabe der Zeit wird oft nicht gesehen oder wertgeschätzt, aber sie steht für mich in einem Rang wie die Aufgabe der Familie.

Dennoch dürfen wir dabei nicht vergessen, dass es auch heute noch Christen gibt, die Familie und Freunde verlassen müssen, um gefahrlos Christ sein zu dürfen. Daher möchte ich heute all die mit ins Gebet nehmen, die Verfolgung oder Ablehnung hinnehmen müssen, um Christ sein zu dürfen.

Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 11.08.2021 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 18. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 18. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

Die heutige Lesung ist wieder ein Beispiel dafür, das es oft schwierige Texte gibt, die sich nur schwer erschließen und mit unserem heutigen Gottesbild nicht so sehr zusammenpassen.

Mir hilft da manchmal zu schauen, woher kommen die Texte denn und wann wurden Sie geschrieben. Unser heutiger Text aus dem Buch Numeri stammt – so der Stand der Wissenschaft – aus der Zeit des Babylonischen Exils als sich das Volk Israel mit der Frage beschäftigen musste, ob sie zurück ins gelobte Land gehen wollen/können oder im Exil bleiben. Sicherlich war es damals auch schon so, dass man viele Gerüchte über das Land hörte, das man verlassen musste. Oder man sah sich mit eigenen Ängsten konfrontiert. Wie sieht es jetzt wohl aus, kann ich das hier und jetzt verlassen für etwas ungewisses? So betrachtet sind wir dann nicht mehr weit von der Situation vieler Menschen heute entfernt.

Impuls:

Flutkatastrophen, Hunger, Krieg und wirtschaftliche Not. Das sind aktuell für viele Menschen bittere Realitäten und Grund, ihr Hab und Gut zu verlassen. Es dürfte Ihnen dabei ähnlich gehen, wie den Menschen damals im babylonischen Exil. Viele Menschen werden sich die Entscheidung zu bleiben oder zu gehen in diesen Tagen nicht einfach machen. Bleibe ich hier und baue mein Haus wieder auf, ohne zu wissen, ob es dann wieder eine Flutkatastrophe geben wird? Bleibe ich hier in meinem Land, das von Krieg zerstört und von Hunger geplagt wird oder gehe ich woanders hin, in eine ungewisse Zukunft? Die Antwort aus der heutigen Lesung sagt kurz zusammengefasst „Murre nicht und Vertraue auf Gott!“ – aber das greift mir zu kurz. Natürlich haben die Menschen die von verschiedensten Schicksalsschlägen getroffen sind das Recht zu „murren“ und ihr Leid zu klagen – wie sonst sollen sie sich gehör verschaffen? Und wir merken doch auch gerade jetzt wieder, das es eine Vielfalt an Solidarität gibt. Geldspenden, Sachspenden, Hilfe bei Aufräumarbeiten – die ganzen ehrenamtlichen Helfer*innen bei den Hilfsorganistionen usw.

Gott erspart uns nicht das Leid – aber der heilige Geist wirkt in uns allen, die wir offen sind für die sehr einfache Formel:“ Liebe deinen nächsten, wie dich selbst“. Ich bin sehr beeindruckt von den vielfältigen Hilfsangeboten, die in kürzester Zeit ins Leben gerufen wurden, angesichts der Opfer der Flutkatastrophe der vergangenen Wochen. Gemeinden haben Ihre Kollekte hierfür gegeben, praktisch das letzte Hemd wurde gespendet.

Impuls vom 4.8.2021 aus der Wort-Gottes-Feier in der Fronleichnamskirche Aachen