Predigt zum 14. Sonntag im Jahreskreis

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Manchmal frage ich mich: Was bleibt eigentlich von dem, was wir tun?
Ein gutes Gespräch – schön, aber ist es nicht gleich wieder vorbei?
Eine helfende Hand – aber was ändert das schon in dieser komplizierten Welt?

Vielleicht kennt ihr solche Gedanken auch.
In einer Welt, die sich ständig dreht, in der so vieles groß und mächtig erscheint –
kann man sich schnell klein fühlen.
Unbedeutend.
Übersehen.

Und dann kommen da zwei Texte daher,
wie zwei leise, aber starke Stimmen:
„Du bist nicht allein. Du bist nicht übersehen. Und: Du bist gesandt.“

Im ersten Lesungstext malt der Prophet Jesaja ein fast zärtliches Bild:
Jerusalem als Mutter.
Nicht als stolze Stadt, nicht als Zentrum der Macht, sondern als eine Mutter,
die tröstet, die nährt, die Wärme schenkt.

„Ihr werdet getröstet, wie einen seine Mutter tröstet.“
Was für eine Zusage.
Nicht wie ein Vater, der vielleicht sagt: „Reiß dich zusammen!“
Nicht wie ein Vorgesetzter, der fragt: „Was hast du geleistet?“
Sondern wie eine Mutter – die dich annimmt, einfach weil du da bist.

Gott ist wie diese Mutter.
Ein Gott, der sieht, was uns belastet.
Der unsere Müdigkeit kennt, unsere leisen Sorgen,
unsere stillen Fragen.

Vielleicht ist das heute die erste Einladung:
Lass dich trösten.
Du musst nicht immer stark sein.
Du darfst loslassen.
Du darfst Kind sein – bei Gott.

Und dann – kommt das Evangelium.
Jesus sendet 72 aus. Nicht nur die Zwölf.
Nicht nur die, die alles verstanden haben.
Sondern eine größere Gruppe – man könnte sagen: Leute wie du und ich.

Ohne viel Vorbereitung, ohne große Sicherheiten.
Keine Tasche, kein Geld, kein Backup.
Nur ein Auftrag: Bringt Frieden.
Segnet die Häuser, zu denen ihr kommt.
Und wenn euch niemand hören will – auch gut. Dann geht weiter.
Es ist kein Scheitern. Ihr seid trotzdem gesegnet.

Was mich daran so berührt:
Jesus sagt nicht: „Geht und macht alles richtig.“
Er sagt: „Geht – und seid einfach da. Und vertraut darauf, dass Gott durch euch wirkt.“

Ich glaube, das ist heute mehr als aktuell:
Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen nicht mehr wissen, ob das, was sie tun, noch zählt.
Wo viel Engagement ins Leere läuft, wo Beziehungen brüchiger werden,
wo selbst Kirche manchmal wie ein leerer Raum erscheint.

Aber dieses Evangelium sagt:
Du brauchst nicht perfekt zu sein.
Du brauchst nicht alles zu können.
Du brauchst nur dein Herz – und den Mut, es einzusetzen.

Vielleicht ist gesendet sein gar nichts Großes.
Vielleicht fängt es damit an, dass ich jemanden anrufe, der traurig ist.
Dass ich mir Zeit nehme – für jemanden, der allein ist.
Dass ich mit einem Kind spreche, als wäre es das wichtigste Wesen auf der Welt.
Dass ich nicht die Augen verschließe, wenn jemand Hilfe braucht.

Und dann – heißt es am Ende des Evangeliums:
Die Jünger kehren voller Freude zurück.
Sie haben erlebt, dass durch sie etwas in Bewegung gekommen ist.
Sie waren Werkzeuge Gottes – ohne große Show, aber mit echter Wirkung.

Und Jesus? Der bremst sie ein bisschen – liebevoll:
„Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen –
freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.“

Das heißt doch:
Euer Wert liegt nicht in dem, was ihr tut, sondern in dem, wer ihr seid.
Ihr seid bei Gott angekommen – schon jetzt.
Eure Namen stehen da.
Unauslöschlich.

Das Reich Gottes kommt nicht mit Lärm und Macht.
Es kommt in der Stille. Im Vertrauen. Im Aufbruch.
Es kommt durch uns – wenn wir uns senden lassen.
Wenn wir glauben, dass auch unser kleines Tun einen Unterschied macht.

Also:
Lasst uns gehen – mit leichtem Gepäck.
Lasst uns segnen – mit offenen Herzen.
Lasst uns hoffen – auch wenn’s manchmal schwer ist.
Denn wir sind nicht allein.

Gott ist da.
Wie eine Mutter.
Wie ein Freund.
Wie ein Segen, der uns trägt.

Und vielleicht – ganz vielleicht –
geht durch dein Tun heute irgendwo ein kleines Fenster zum Himmel auf.

Amen.

Pfingstmontag

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Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes – liegt nun hinter uns. Oder vielleicht besser gesagt: Es hat begonnen.

Denn wenn der Heilige Geist kommt, dann ist das kein einmaliger Knall. Kein Feuerwerk, das kurz aufflammt und dann wieder verglüht. Der Geist Gottes wirkt weiter. Leise. Beständig. Oft unauffällig – aber voller Kraft.

Gestern haben wir die großen Bilder gehört: Brausen, Feuer, Begeisterung. Heute, am Pfingstmontag, ist es ruhiger geworden. Und doch – vielleicht gerade deshalb – lädt uns dieser Tag ein, tiefer zu hören. Auf das, was in uns lebt. Was uns trägt. Was uns verbindet.

In der Apostelgeschichte begegnet Paulus Menschen, die gläubig sind – aber sagen: Vom Heiligen Geist haben wir noch nichts gehört.

Und ich finde: Das klingt überraschend aktuell. Denn auch heute sagen viele Menschen: „Ich glaube ja irgendwie … aber mit dem Heiligen Geist – da kann ich nicht viel anfangen.“

Und doch glaube ich: Viele kennen den Geist Gottes – sie würden ihn nur anders nennen.

Denn sie kennen das Gefühl,
– wenn ein Wort plötzlich tröstet.
– wenn man spürt: Ich bin getragen, auch wenn ich nicht weiß, wie.
– wenn Frieden ins Herz kommt – mitten im Alltag.

Das alles sind für mich Spuren des Heiligen Geistes. Vielleicht ist er viel näher, als wir denken. Vielleicht ist er gerade da, wo wir still werden. Wo wir offen sind. Wo wir vertrauen.

Ich glaube, dass auch dieser Ort – unsere Kapelle im Seniorenzentrum – ein Raum des Heiligen Geistes ist.
Nicht weil alles perfekt ist. Sondern weil hier so viel Leben spürbar ist.
So viele Erfahrungen. So viele Geschichten.
So viele Menschen, die mit Herz und Hingabe für andere da sind.
So viel gelebte Liebe.
Der Geist wirkt, wo Menschen einander gut tun. Wo Nähe geschieht. Wo Hoffnung weitergegeben wird.

Und dann hören wir im Evangelium diesen großen Satz:

„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab…“

Gott liebt diese Welt.
Nicht nur die junge, schnelle, laute Welt. Sondern die ganze Welt.
Auch die Welt des Rückblicks.
Die Welt, in der Erinnerungen lebendig bleiben.
Die Welt der leisen Gespräche, der Gedanken, die Tiefe haben.
Gott liebt das, was war – und das, was bleibt. Er liebt jeden einzelnen Menschen – von Anfang bis Ende. Und weit darüber hinaus.

Darum gibt er uns seinen Geist.
Einen Geist, der nicht an Leistung gebunden ist.
Nicht an Stärke oder Erfolg.
Sondern an Offenheit. An Vertrauen. An Liebe.

Jesus sagt:

„Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht.“

Das heißt nicht: Wer alles richtig macht.
Sondern: Wer mit offenem Herzen lebt.
Wer ehrlich ist mit sich und mit Gott.
Wer sich nicht versteckt – sondern sich zeigt, so wie man ist.
Der kommt ins Licht.
Und das Licht findet auch ihn.

Liebe Gemeinde, liebe Bewohnerinnen und Bewohner,

Pfingsten geschieht nicht nur vor 2000 Jahren. Es geschieht immer wieder:
– Wenn Menschen einander zuhören.
– Wenn jemand Trost schenkt.
– Wenn einer betet – ganz still, vielleicht nur mit einem Gedanken.
– Wenn jemand sagt: „Danke“ – und es von Herzen meint.

Dann ist der Heilige Geist da.
Dann ist Leben da.
Dann ist Gott da – mitten unter uns.

Ich lade Sie heute ein, es einfach einmal auszuprobieren. Ganz schlicht:
„Komm, Heiliger Geist.“

Vielleicht sagen Sie es leise im Herzen. Heute Nachmittag. Oder morgen früh.
Und vielleicht spüren Sie: Da ist ein Friede, der trägt. Da ist eine Kraft, die stärkt.
Da ist Gott – ganz nah.

Amen.

Profil in Spannung – und genau deshalb stimmig

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Ich bin Diakon. Und ich werde bald katholische Religion unterrichten. In einer Schule in unserem Viertel.

Noch bin ich kein „fertiger“ Religionslehrer. Aber ich glaube, ich bringe vieles mit, was dazugehört: Herz, Haltung, Verwurzelung – und eine Idee davon, wie Glaube heute erfahrbar werden kann. Vielleicht nicht durch Kirchenbänke und Lehrbuchzitate, sondern durch Psalmen auf Beats. Vielleicht.

Denn das ist kein Widerspruch. Das ist mein Weg.

Ich habe gelernt: Wer zwischen Tradition und Gegenwart vermitteln will, braucht nicht die perfekte Balance – sondern Haltung. Ich stehe auf der Schwelle zwischen Eucharistie und Schulhof, zwischen Tabernakel und Tafelbild. Ich habe vor der Monstranz gepredigt – und trage Psalm 13 in mir, bereit, ihn zu rappen. Nicht, weil ich „krass modern“ sein will. Sondern weil ich glaube, dass Gott da ist, wo Menschen ehrlich sprechen. In jeder Sprache. In jedem Ton.

Ich habe früher gesagt: Ich werde nie Diakon. Und ich werde nie an die Schule gehen. Jetzt gehe ich genau diesen Weg. Und ich kann mir nichts Passenderes vorstellen.

Es gibt die, die sagen: „Das ist zu viel. Zu poppig. Zu locker.“ Andere sagen: „Das ist zu katholisch. Zu ernst. Zu viel Kirche.“ Und vielleicht stimmt beides. Vielleicht bin ich genau dazwischen.

Aber genau dort, wo es Spannung gibt, entsteht Raum für Begegnung. Für Dialog. Für Mut.

Ich möchte, dass meine zukünftigen Schüler:innen merken: Hier darfst du sein. Mit deiner Wut. Mit deinem Zweifel. Mit deiner Sehnsucht. Und wenn du willst, bring sie in einen Rap. Oder in ein Gebet. Oder in beides.

Ich glaube an eine Kirche, die sich nicht verbiegt – aber bewegt. Und an einen Religionsunterricht, der nicht auswendig lernen lässt, sondern verstehen hilft. Sich selbst. Und den Anderen. Und Gott mittendrin.

Mein geistliches Vorbild dabei? Charles de Foucauld. Der suchte nicht zuerst die Bühne, sondern die Nähe. Der wollte nicht überzeugen, sondern präsent sein. Nicht missionieren, sondern mitleben. Sein Weg war das stille Zeugnis mitten unter den Menschen. Und vielleicht ist genau das mein Ziel: Kein großer Auftritt – sondern ein präsenter Glaube, der leise und klar sagt: „Ich bin da. Für euch. Und mit Gott.“

Ich nenne das: Profil in Spannung. Und ich glaube, dass genau darin der Auftrag liegt. Nicht als Ausnahme. Sondern als Zukunft.

Berufen, nicht geplant – Gedanken zwischen Schulflur und Sakristei

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Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, ich würde Diakon im Hauptberuf werden – ich hätte geschmunzelt.
Wenn dann noch jemand behauptet hätte, ich würde in die Schule gehen… ich hätte laut gelacht.
Und doch – hier bin ich. Auf dem Weg zur Missio canonica. Auf dem Weg ins Klassenzimmer.

Nicht, weil ich einen Karriereplan hatte.
Nicht, weil ich den „nächsten logischen Schritt“ gegangen bin.
Sondern weil ich das Gefühl habe, dass mein Platz gerade dort ist, wo ich gebraucht werde.

Ich bin kein perfekter Lehrer. Ich habe keine pädagogische Glanzmappe, kein Standardrepertoire. Aber ich bringe etwas mit, das man nicht studieren kann:
die Bereitschaft, bei den Menschen zu sein. die Sehnsucht, Glauben nicht nur zu lehren, sondern ihn lebendig werden zu lassen und die Hoffnung, dass genau im Unvollkommenen oft das Glaubwürdigste steckt.

Berufung heißt für mich nicht: Ich weiß alles.
Berufung heißt: Ich lasse mich senden, auch wenn ich noch nicht alles verstehe.
Ich bin Diakon – nicht trotz meiner Zweifel, sondern mit ihnen.
Ich werde Lehrer – nicht weil ich alle Antworten habe, sondern weil ich die richtigen Fragen mitbringe.

Vielleicht liegt genau darin das Wirken des Heiligen Geistes:
Dass wir auf Wegen landen, die wir uns nie selbst ausgesucht hätten.
Aber auf denen wir plötzlich merken: Hier bin ich richtig.

Und wenn ich heute in der Sakristei stehe und morgen im Lehrerzimmer, dann ist das kein Bruch.
Es ist ein Zeichen: Kirche ist nicht nur am Altar. Kirche ist auch im Klassenzimmer.
Und manchmal beginnt Verkündigung mit einem Tafelbild. Oder mit einer ehrlichen Antwort auf die Frage:
„Herr Diakon, glauben Sie das eigentlich selbst, was Sie da erzählen?“

Ja. Ich glaube.
Und ich gehe.
Nicht, weil ich es mir vorgenommen habe.
Sondern weil es meine Aufgabe geworden ist

Christi Himmelfahrt

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Liebe Schwestern und Brüder,

heute feiern wir Christi Himmelfahrt –
eines dieser Feste, das manchmal ein bisschen geheimnisvoll bleibt.
Jesus geht – und doch bleibt er.
Er „fährt auf“ in den Himmel – und doch ist er weiter mitten unter uns.

Was feiern wir da eigentlich?

Im Evangelium hören wir:
Jesus spricht ein letztes Mal mit seinen Jüngern.
Er erinnert sie an alles, was geschehen ist:
Dass er leiden musste, dass er gestorben ist –
und dass er auferstanden ist.
Und dann, so erzählt Lukas,
segnet er sie – und wird „zum Himmel emporgehoben“.

Ein Abschied also?
Ja – aber nicht wie ein Abschied ins Nichts.
Nicht wie jemand, der einfach verschwindet.

Jesus verlässt die Jünger nicht, um sie allein zu lassen.
Er tut es, um neue Wege für seine Nähe zu öffnen.

Wenn wir „Himmel“ hören, denken wir vielleicht zuerst an Wolken, Weite, oben, Licht.
Aber der „Himmel“ in der Bibel ist nicht nur ein Ort –
sondern ein anderer Zustand der Nähe Gottes.

Jesus kehrt zu seinem Vater zurück –
aber nicht, um sich zu verstecken.
Er ist jetzt nicht weniger da –
sondern anders da.

Unsichtbar – aber nicht abwesend.
Er lebt jetzt in einer anderen Dimension.
Und genau deshalb kann er jetzt überall sein:
in unseren Herzen, in der Eucharistie, in unserem Alltag, in jedem Menschen.

Was mich am meisten berührt:
Die Jünger schauen Jesus nach –
und was tun sie dann?

Sie kehren voll Freude nach Jerusalem zurück.
Nicht traurig. Nicht leer. Nicht verzweifelt.
Sondern gestärkt, gesegnet, erfüllt.

Warum?

Weil sie verstanden haben:
Dieser Jesus, den wir geliebt haben,
der uns das Herz aufgetan hat,
der uns Hoffnung gegeben hat –
er ist nicht weg. Er lebt. Und er geht mit.

Und noch mehr:
Jetzt sind sie dran.
Jetzt beginnt ihre Zeit – die Zeit der Zeugen.

Auch uns ist dieser Auftrag gegeben:
Wir leben in der „Zwischenzeit“ –
zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft,
zwischen der Zusage und ihrer Vollendung.
Aber wir sind nicht allein.

Wir sind gesegnet, so wie die Jünger.
Und wir sind gesandt.

Und vielleicht dürfen wir heute, am Fest Christi Himmelfahrt, ganz neu glauben:
– Dass Jesus uns sieht, auch wenn wir ihn nicht sehen.
– Dass er mitgeht, auch wenn der Weg schwer ist.
– Dass er uns segnet, auch wenn wir uns oft klein fühlen.

Christi Himmelfahrt bedeutet:
Der Himmel ist nicht nur das Jenseits –
er beginnt schon jetzt,
wo Menschen an Jesus glauben,
wo Hoffnung geteilt wird,
wo einer dem anderen zum Segen wird.

Vielleicht ist es ja so:
Jesus ist „aufgefahren“,
damit wir nicht ständig nach oben starren –
sondern anfangen, um uns herum den Himmel zu entdecken:
in den Gesichtern der Menschen,
im Licht eines Lächelns,
in einer kleinen Tat der Liebe.

Und so dürfen auch wir heute gehen – wie die Jünger:
Voll Freude.
Gestärkt durch seinen Segen.
Und mit dem Blick nicht nur nach oben, sondern auf das Leben um uns herum.

Denn der Himmel ist näher, als wir oft denken.

Ein neuer Papst, ein neuer Aufbruch?

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Am Abend des 8. Mai stieg weißer Rauch in den römischen Himmel. Auf dem Petersplatz brandete Jubel auf, als der Kardinalprotodiakon verkündete: „Habemus Papam“ – wir haben einen Papst.
Mit dem Namen Leo XIV. beginnt nun ein neues Kapitel in der Geschichte der Kirche.

Ein Name ist nie nur ein Name.
Er ist ein Programm.
Er ist Erinnerung.
Er ist Erwartung.

Als Papst Leo XIII. im Jahr 1891 die Enzyklika Rerum Novarum veröffentlichte, begann die katholische Soziallehre Gestalt anzunehmen. Es war eine mutige Antwort auf die Umbrüche der Industrialisierung: eine Stimme für die Arbeitenden, eine Mahnung an Verantwortungsträger, ein Ruf zu Gerechtigkeit und Menschenwürde.

Papst Leo XIII. stellte die Frage:
Wie kann der Glaube in einer sich wandelnden Gesellschaft konkret werden?
Nicht nur in den Kirchenbänken, sondern in den Fabriken, auf den Feldern, in den Familien.

Und heute, über 130 Jahre später, nimmt ein neuer Papst diesen Namen wieder auf.
Leo XIV. – Robert Francis Prevost.
Ein Mann mit amerikanischen Wurzeln, lateinamerikanischer Seelsorgeerfahrung und einer klaren Stimme im Vatikan.

Was will er sagen? Was will er heilen? Was wird er neu denken?

Ein Moment der Hoffnung

Ich empfinde diesen Moment als geistlich dicht. Nicht wegen der Riten oder der Geschichte allein – sondern weil er uns alle betrifft. In einer Welt, die zerrissen ist von Spaltung, sozialer Ungleichheit, Klimakrise und Krieg, ist die Wahl eines neuen Papstes mehr als ein kirchliches Ereignis. Sie ist ein Zeichen.

Ein Zeichen dafür, dass die Kirche weitergeht – nicht trotz der Herausforderungen, sondern mitten hindurch.

Ein Zeichen dafür, dass auch wir gefragt sind:

  • Wie gestalten wir Gerechtigkeit in unserem Alltag?
  • Wie leben wir Verantwortung – in Beruf, Gemeinde und Gesellschaft?
  • Wie hören wir die Rufe derer, die keine Stimme haben?

Vielleicht – und das ist meine stille Hoffnung – wird Leo XIV. genau hier anknüpfen.
Nicht mit fertigen Antworten, sondern mit dem Mut, neue Fragen zu stellen.
Nicht mit Machtgesten, sondern mit einer Autorität, die vom Dienen kommt.

Ein Impuls für uns alle

Wenn ein neuer Papst gewählt wird, ruft uns das nicht nur zur Bewunderung auf – sondern zur Beteiligung.

Zur Beteiligung an einer Kirche, die nicht im Elfenbeinturm lebt, sondern in der Welt.
Zur Beteiligung an einem Glauben, der nicht von gestern ist, sondern mitten im Heute pulsiert.
Zur Beteiligung an einer Hoffnung, die größer ist als unsere Ängste.

Papst Leo XIV. ist nicht nur „der neue Papst“.
Er ist – mit uns – Teil der suchenden, ringenden, betenden Kirche.
Und wir dürfen mitgehen.
Mitdenken.
Mitglauben.


Maranatha – Komm, Heiliger Geist.

Twitch, Charity und der Glaube – wie passt das eigentlich zusammen?

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Wenn ich erzähle, dass ich bei einem Projekt auf Twitch mitarbeite, schauen mich viele erstmal fragend an: „Twitch – ist das nicht diese Plattform, auf der junge Leute Computerspiele gucken?“ Ja – und nein. Twitch ist eine riesige Bühne für Live-Inhalte aller Art: Spiele, Talkshows, Musik, Bastelstreams, Kochsendungen … und auch für gemeinnützige Aktionen.

Ich bin Teil des Teams von LiveForLifeTV, einem Twitch-Projekt, das jedes Jahr im Mai stattfindet. Dutzende Streamerinnen und Streamer schließen sich zusammen, um gemeinsam Spenden zu sammeln – in diesem Jahr für den Tierschutz. Und das alles mit einer erstaunlichen Mischung aus Kreativität, Humor und Herz.

Was ich da mache? Ich bin Chat-Moderator und helfe bei Vorbereitungen… nicht mit Weihwasser, sondern mit Zeit, manchmal einem Seelsorgeohr und ziemlich viel Kaffee.

Und ehrlich gesagt: Genau da finde ich Kirche. Nicht nur im Gottesdienst, sondern auch mitten im digitalen Raum, in einer jungen Community, die sich nicht sonntags zur Eucharistie versammelt, aber bereit ist, sich für andere einzusetzen. Menschen, die ihr Publikum unterhalten und gleichzeitig sagen: „Hey, wir können gemeinsam etwas bewegen.“

Für mich ist das keine Konkurrenz zur Kirche, sondern eine Art Verlängerung dessen, woran ich glaube: dass Glaube und Engagement zusammengehören. Dass wir als Christinnen und Christen auch eine Verantwortung haben – und zwar nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch.

Natürlich gibt es da auch schräge Momente. Manchmal ist die Sprache rauer, die Musik lauter, und die Witze nicht immer fromm. Aber mittendrin: eine tiefe Ernsthaftigkeit, wenn es um das Ziel geht. Wenn plötzlich 500 Euro in fünf Minuten gespendet werden. Wenn ein Streamer emotional wird, weil er sieht, wie viele mitziehen. Wenn jemand im Chat schreibt: „Ich hab selbst ein Tier aus dem Tierheim – danke, dass ihr das unterstützt.“

Da steckt mehr Glaube drin, als man denkt.

Ich glaube, wir als Kirche können viel lernen, wenn wir den Mut haben, uns auf neue Räume einzulassen. Es geht nicht darum, uns überall einzumischen oder gleich das Kreuz auf jede Plattform zu stellen. Aber es geht darum, da zu sein. Offen, ehrlich, interessiert. Menschen zu begegnen – auch digital – und gemeinsam Gutes zu tun.

Denn am Ende zählt nicht, ob die gute Tat offline oder online passiert. Sondern dass sie geschieht. Und dass wir uns erinnern: Die Schöpfung ist uns anvertraut – und das gilt für Tiere genauso wie für Menschen. Wenn junge Leute das leben – mit Webcam und WLAN – dann kann ich nur sagen: Gott sei Dank.

Mitten im Trubel – ein leiser Moment der Gnade

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Die Tage vor der Erstkommunion sind erfüllt – von Vorfreude, von Spannung, von vielen kleinen und großen Aufgaben. Es wird geplant, vorbereitet, geprobt, kommuniziert. Die To-do-Listen werden länger, je näher das Fest rückt, und manchmal verliert man fast aus dem Blick, worum es eigentlich geht.

Doch mitten in all dem Trubel steht ein Kind. Ein Kind, das nicht nur etwas „richtig machen“ soll – sondern das eingeladen ist, Jesus zu begegnen. In der Stille. Im Brot. Im Licht der Osterkerze. In der Gemeinschaft mit anderen.

Es sind Momente wie diese, in denen der Blick tiefer gehen darf.

Die heilige Therese von Lisieux, eine der großen Mystikerinnen unserer Kirche, hat einen Weg beschrieben, der gerade für diese Tage sehr kostbar sein kann: den „kleinen Weg“. Sie sagt:
„Ich will den Himmel damit bevölkern, dass ich kleine Dinge mit großer Liebe tue.“

Vielleicht ist das genau die Haltung, die wir jetzt brauchen.
Nicht alles muss groß sein. Nicht alles muss perfekt sein.
Aber es darf echt sein. Und liebevoll.

Ein schlichtes Wort zum Kind. Ein ruhiger Atemzug in der Anspannung. Ein Gebet – nicht laut, aber ehrlich. Ein Schritt zurück, damit ein anderer Platz findet.

Wenn ein Kind an diesem Tag spürt: Ich darf hier sein. Ich bin gemeint. Jesus meint mich persönlich.
Dann hat diese Feier ihren tiefsten Sinn erfüllt.

Und ja, manchmal läuft nicht alles glatt. Kinder sind aufgeregt. Erwachsene auch.
Aber vielleicht ist auch das ein Teil dieses Weges: lernen, einander mit einem gnädigen Blick zu sehen. Auch sich selbst.

Die Erstkommunion ist nicht nur ein großer Tag für die Kinder – sie ist auch ein geistlicher Weg für uns Erwachsene.
Er führt uns zurück zur Mitte: Zur Liebe Gottes, die nicht auf Perfektion wartet, sondern einfach da ist.

Gnade zeigt sich oft dort, wo wir sie nicht erwarten.
In einem Blick. In einem leisen Lächeln. In einer ausgestreckten Kinderhand am Altar.

Und vielleicht ist genau das der größte Trost:
Wir müssen diesen Weg nicht allein gehen. Gott geht mit – in unseren Gedanken, unseren Hoffnungen, in den Händen, die Brot teilen.

Oder, um es mit Therese zu sagen:
„Jesus verlangt nicht nach großen Taten, sondern nur nach Hingabe und Dankbarkeit.“

In diesem Sinn: lassen wir uns berühren – mitten im Trubel – von einem leisen Moment der Gnade.


Volle Netze, volle Herzen – Gedanken zur Erstkommunion

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Es sind kleine Schritte, die die Kinder in diesen Wochen gehen. Von der ersten Gruppenstunde im November bis zur Feier der Erstkommunion im Frühling. Und es sind nicht nur Schritte durch das Kirchenjahr – es sind vor allem Schritte hinein in eine lebendige Gottesbeziehung.

Gemeinsam mit Jesus: Volle Netze, volle Herzen“ – so lautet das Motto unserer diesjährigen Erstkommunionfeier. Es greift das Evangelium vom reichen Fischfang auf (Joh 21,1–14). Die Jünger haben die ganze Nacht gearbeitet – und nichts gefangen. Sie sind müde, enttäuscht, vielleicht auch ein wenig mutlos. Erst als Jesus ihnen begegnet, wenden sie sich neu aus, werfen das Netz noch einmal aus – und es wird voll. Voller Leben. Voller Hoffnung.

Mich berührt diese Geschichte immer wieder. Sie erzählt vom Frust der Leere. Von Nächten, in denen nichts gelingt. Von Momenten, in denen wir meinen, es sei vergeblich, noch einmal aufzubrechen. Und davon, dass es manchmal einen liebevollen Ruf von außen braucht, damit man nicht aufgibt. Und dass Jesus genau an diesem Punkt auftaucht – nicht mit Druck, sondern mit Vertrauen.

Unsere Kommunionkinder stehen noch ganz am Anfang ihrer Glaubensreise. Sie haben Fragen, sie staunen, sie probieren sich aus. Sie sind mal leise, mal laut – aber sie sind da. Und sie spüren: Da ist jemand, der sie meint. Der mit ihnen geht. Und sie dürfen lernen, was es heißt, in Beziehung zu Gott zu leben. Kein Leistungsprogramm. Kein Pflichtbesuch. Sondern ein Anfang, der trägt.

Manchmal vergessen wir Großen, wie zart diese Beziehung beginnt. Wie offen Kinder für das Heilige sind – wenn man ihnen Raum gibt, wenn man sie ernst nimmt. Es geht nicht um möglichst perfekte Gottesdienste, fehlerfreie Antworten oder aufgeräumte Bänke. Es geht um das Staunen. Um das Gespür für Nähe. Um das leise Vertrauen: „Ich bin nicht allein.“

Ich wünsche unseren Kindern, dass sie genau das erleben dürfen. Dass sie merken: Gott ist nicht weit weg, irgendwo im Himmel. Gott ist nahe – in der Stille, im Brot, in Menschen, die sie liebevoll begleiten. Ich wünsche ihnen, dass sie erleben, wie ihr Herz voll wird, weil Jesus mit ihnen unterwegs ist.

Und ich wünsche auch uns Erwachsenen, dass wir uns von dieser Freude anstecken lassen. Dass wir nicht nur Zuschauer sind, sondern mitgehen. Mit Glauben, mit Geduld – und mit offenen Herzen. Vielleicht brauchen auch wir – inmitten von Alltag, Terminen, Zweifeln – diesen Impuls: Noch einmal das Netz auswerfen. Noch einmal vertrauen. Noch einmal auf Jesus hören.

Denn das Netz, das wir in dieser Feier auswerfen, ist nicht aus Seilen – sondern aus Vertrauen, Hoffnung und Liebe.

Und es ist groß genug für uns alle.

Was mich trägt

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Der 1. Mai bringt für mich immer ein kleines Innehalten mit sich. Vielleicht, weil dieser Tag so viele Ebenen hat.
Da ist der Maibaum, der in vielen Orten heute aufgerichtet wird.
Da ist der Tag der Arbeit, der auch ein Tag der Gerechtigkeit ist.
Und da ist der Beginn des Marienmonats, der mich als Glaubender jedes Jahr neu berührt.
Und wenn ich ehrlich bin, steckt in diesen drei Bildern mehr Verbindendes, als ich früher gedacht hätte.

Ich beginne mit dem Maibaum.
Wenn ich einen sehe, macht er mir fast ein bisschen Gänsehaut – obwohl er ja „nur“ ein Baumstamm ist, geschmückt mit Bändern, oft mit Kränzen und Symbolen des Dorfes. Aber er steht da – sichtbar, hoch, aufgerichtet. Er erzählt: Hier lebt etwas. Hier sind Menschen, die sich verbunden fühlen.
Ich denke beim Maibaum auch an Verwurzelung.
An das, was mich trägt.
Und an die Hoffnung, dass etwas wachsen kann, gerade jetzt, wo das Leben neu aufblüht.
Der Maibaum ist für mich ein stilles Zeichen gegen Resignation.

Dann denke ich an den Tag der Arbeit.
Er erinnert mich an die Würde der Menschen, die anpacken, in Fabriken, auf Baustellen, in Pflegeheimen, am Schreibtisch.
Und auch an die, deren Arbeit nicht gesehen wird: die, die sich um andere kümmern, zu Hause viel leisten oder nicht bezahlt werden für das, was sie tun.
Heute bin ich besonders wach für die Frage: Wird Arbeit gerecht bezahlt?
Gibt es genug Raum für Erholung, Anerkennung, Sinn?
Ich glaube: Arbeit gehört zum Menschsein, aber nicht, weil wir „etwas leisten müssen“, sondern weil wir gestalten dürfen.
Gott selbst ist in der Bibel ein Schöpfer, ein Handwerker. Und Jesus steht im Evangelium oft mitten im Alltag: in der Werkstatt, am Brunnen, beim Brotteilen.

Und dann ist da Maria.
Der 1. Mai ist auch ihr Tag, der Beginn ihres Monats.
Ich habe sie lange Zeit eher auf einem Sockel gesehen, mit gefalteten Händen, fast ein bisschen zu still.
Aber in den letzten Jahren habe ich sie anders entdeckt.
Als Frau mit Rückgrat.
Als jemand, die sich einlässt auf das Unerwartete, das Größere, das, was sie nicht versteht.
„Mir geschehe, wie du gesagt hast“, sagt sie und damit beginnt eine ganz andere Geschichte.
Eine Geschichte von Nähe, von Mut, von Gott mitten im Leben.
Ich mag diese leise Stärke in ihr. Sie ist kein Star, sie steht nicht im Rampenlicht – aber sie bleibt da. Sie hält aus. Sie hört zu.
Und genau das brauche ich oft: eine Form von Glauben, die nicht laut ist, aber echt.

Wenn ich heute durch mein Viertel gehe und vielleicht irgendwo einen Maibaum sehe, wenn ich Nachrichten lese über Streiks, Forderungen, soziale Fragen – und wenn ich abends eine Kerze vor meiner kleinen Marienfigur anzünde, dann spüre ich:
Diese drei Dinge – der Baum, die Arbeit, Maria – haben mehr miteinander zu tun, als es auf den ersten Blick scheint.

Denn sie stellen mich leise vor eine Frage:
Was gibt mir Halt? Was wächst gerade in mir – trotz allem? Und worauf will ich mich neu einlassen?

Vielleicht ist der 1. Mai ja genau dafür gemacht:
Nicht nur zum Feiern oder Demonstrieren – sondern auch zum Hinhören.
Auf das, was mich trägt. Und auf das, was vielleicht gerade neu beginnt.