Impuls zum Mittwoch der 33. Woche im Jahreskreis

Impuls zum Mittwoch der 33. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

Was wir von Gott erhalten, damit dürfen wir nicht leichtfertig umgehen. Was wir von Ihm erhalten haben dürfen wir nicht ungenutzt verfallen lassen.

Am vergangenen Sonntag haben wir in der hl. Messe schon etwas dazu gehört und im heutigen Evangelium kommt der Text zu den Talenten bzw. Minen in der Variante des Lukas. Heute gibt es drei verschiedene Anlässe im Kalender, die in diesem Wort-Gottes-Dienst berücksichtigt werden können.

Zum einen ist heute der Weihetag der Basiliken St. Peter und St. Paul zu Rom, heute ist auch Buß- und Bettag – zumindest noch in einzelnen Regionen Deutschlands – und heute ist der Weltgebetstag für die Opfer sexualisierter Gewalt.

Im Lichte des Gutachtens, das letzten Donnerstag veröffentlicht wurde, scheint es mir wichtig heute die Opfer sexualisierter Gewalt in den Mittelpunkt zu stellen. Ich habe die Pressekonferenz zum Gutachten mitverfolgt und schon im Vorfeld konnte man erahnen, welche Namen genannt werden. So schockierend das mit Sicherheit für viele von uns ist, die die genannten Personen persönlich kennen, so schockierender waren für mich die Zahlen zu den Opfern und Tätern. 81 Täter; 79 Priester und zwei Diakone, und weit über 150 Opfer! Das sind Zahlen und Fakten, die mich betroffen machen.

Es ist gut, dass nun alles offen auf dem Tisch liegt und dass es nun eine Chance gibt, die Ursachen und den Umgang zu korrigieren.  

Impuls:

Die Offenbarung des Johannes ist wohl mit Sicherheit eines der interessantesten, wenn gleich auch schwierigsten Bücher unserer heiligen Schrift. Oft wird diese „Apokalypse“ bemüht, wenn sich Katastrophen ereignen, um daraus eine Endzeit-Prophetie abzuleiten, ähnlich wie bei den berühmten Prophezeiungen des Nostradamus.

Was macht dieses Buch eigentlich so schwierig verständlich für uns? Natürlich bedient es sich einer Sprache und Bildern, die uns gänzlich fremd sind. Die Adressaten der Offenbarung aber, wussten um die Bedeutung der benutzten Bilder. So ist die Offenbarung des Johannes auch kein klassisches Buch von Prophezeiungen, sondern eine Art Brief an 7 verschiedene Gemeinden rund um Ephesus – die Johannes den Seher sicherlich kannten. Geschrieben wurde die Offenbarung vermutlich in den 90er Jahren des 1. Jahrhunderts – also zur Regierungszeit des Kaiser Domitians.

Zu Zeiten Domitians nahm der Kult um den römischen Kaiser religiöse Züge an – so war der Kaiser in seinem Verständnis Gottes Stellvertreter auf Erden und er ließ sich oft als Menschensohn verehren. Das war für die jungen christlichen Gemeinden ein absolutes „No-Go!“ In dieser Zeit der religiösen und politischen Ausnahmesituation erlebt Johannes seine Offenbarung und schreibt diese auf.

Der Abschnitt, den wir heute gehört haben, ist eine klare Absage an die Regierenden, die sich gottgleich auf einen Thron setzen und erheben. Im gesamten Chaos von Katastrophen, Krankheiten, Auseinandersetzungen und Verfolgung zeichnet Johannes der Seher ein hoffnungsvolles Bild – den Blick durch die Tür ins Himmelreich. Es zeigt allen, dass die Tür zum Himmel offensteht.

Jesus selbst ist für uns diese Tür zum Himmel. „… Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden,“

Johannes beschreibt einen Thronsaal mit dem Thron, auf dem in letzter Konsequenz nur einer – nämlich Gott sitzt. Er ist es, der gleichsam verehrt wird und der letztlich die Geschicke der Welt lenkt – nicht eine politische Instanz, wie damals Kaiser Domitian.

Und noch ein Bild finde ich in diesem Abschnitt besonders: „Und vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall.“

Also ein beruhigtes, ja stilles – hoffnungsvolles Meer ohne Brausen und Tosen, ohne Untergang und Tot – eine „Seelen – Ruhe“ die der Mensch nur vor Gott finden kann.

Und so glaube ich, dass die Wellen und das Tosen, das das Gutachten in der letzten Woche ausgelöst hat uns zwei Dinge lehren sollte:

1.) Aus dem was uns an die Hand gegeben wird, müssen wir etwas machen. Wir dürfen dieses Gutachten nicht links liegen lassen, sondern müssen den Ursachen auf den Grund gehen und diese ändern.

2.) Können wir im Vertrauen auf die Vision des Johannes unsere Wellen und das Tosen, das Leid der Opfer und unsere Fassungslosigkeit vor Gott tragen, vor seinem Thron finden unsere aufgescheuchten Seelen, das Heil, für das du uns bereitet hast.

Amen

Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 18.11.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 32. Woche im Jahreskreis (G: hl. Martin)

Impuls zum Mittwoch der 32. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Eröffnungswort:

Vielleicht ging es Ihnen bei dem Lied gerade etwas wie mir auch. Ich war zurückversetzt in meine Kindergarten- und Schulzeit. Ein bisschen kann ich das Martinsfeuer knistern hören und die Weckmänner riechen. Ich habe mir sagen lassen, dass die hier bekannten Weckmänner je nach Region auch „Stutenkerl“ heißen und dass sie entweder zu St. Martin oder zu Nikolaus gegessen werden. So soll auch die Tonpfeife ursprünglich einen Bischofsstab symbolisieren – warum es nun eine Pfeife ist, weiß ich leider auch nicht. Vielleicht etwas aus der Zeit der Säkularisation?

So erinnert uns also der Weckmann an den hl. Martin, dessen Fest wir heute feiern. Eine Strophe im bekannten Martinslied lautet: „Im Traum schaut er ein glänzend Licht / und eine milde Stimme spricht: / „Hab Dank, du braver Rittersmann, / für das, was du mir angetan,

Der „arme Mann“ hatte keine Möglichkeit, sich beim hl. Martin zu bedanken, da Martin aber „in Eil ritt“.

Eine ähnliche Situation hören wir im heutigen Evangelium. Jesus heilt zehn Aussätzige, aber nur einer von Ihnen kommt zurück, um Gott zu danken für die Heilung.

Undank ist der Welten Lohn – könnte man meinen…. Wir werden uns das gleich einmal genauer anschauen.

Impuls:

Der Evangelist Lukas erzählt hier von einer klassischen Wunderheilung.

Das eigentliche Wunder aber bekommen wir als Hörer und Leser gar nicht wirklich mit, denn hierum geht es nur zweitrangig.

Drei Dinge sind an diesem Text besonders:

Wir erfahren, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist, dieser Weg hinauf nach Jerusalem nimmt im Lukasevangelium einen besonderen Stellenwert ein – wissen die Leser und Hörer doch sehr genau, dass alles was auf diesem Weg geschieht einmalig ist.

Jesus geht – und das wusste die lukanische Gemeinde auch – nach Jerusalem, um am Kreuz zu sterben. Deshalb ist alles das was im Lukasevangelium auf diesem Weg passiert von entscheidender Bedeutung.

Weiterhin nimmt der Samariter – als Fremder – eine besondere Rolle ein. Es gab in der Zeit Jesu immer wieder Spannungen zwischen den Juden und den Samaritern. Die damaligen Juden glaubten an einen zentralen Kultort – einen besonderen Ort der Gottesnähe in Jerusalem. Die Samariter wiederum lebten auch nach den Gesetzen der Tora, lebten ihren Kult jedoch in einem Heiligtum auf dem Berg Garizim.

Zu guter Letzt steht das Thema „Dankbarkeit“ im Zentrum. Aber ging es Jesus hier wirklich darum, für sein Taten dank zu bekommen? Für mich klingt das sehr menschlich… War es Jesus wirklich wichtig, dass man ihm dankt oder meint der Evangelist hier vielleicht etwas ganz anderes?

Schauen wir auf unseren heutigen Tagesheiligen Martin, dann ist die Situation hier ähnlich. Martin wartet gar nicht erst auf eine Geste der Dankbarkeit und er erwartet sie auch nicht, er reitet einfach fort.

An den Zeichen sollt ihr ihn erkennen – und darum geht es! Nicht das Jesus Wunder oder Zeichen tut, sondern das Gott durch ihn auf und an uns wirkt. Die Dankbarkeit des Samariters ist letztlich nichts anderes als die Erkenntnis, das Gott auf Erden an uns Menschen wirkt, das Gott mit uns ist – klein, unscheinbar, zerbrechlich – als Kind in der Krippe und verletzt aber erhöht am Kreuz.

Amen

Impuls zur Wort-Gottes-Feier am 11.11.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 31. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 31. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

Eigentlich sieht das Direktorium heute den Gedenktag des hl. Karl Borromäus vor. Aber in Anbetracht der aktuellen Ereignisse erscheint es mir wichtig und richtig, den heiligen Karl Borromäus ein wenig in den Hintergrund zu stellen. Wir haben den Gottesdienst in Stille begonnen und vor dem Altar sehen Sie zwei Grablichte, stellvertretend für die Opfer des Anschlages in Wien und der Opfer von Schießereien hier in unserer Region in den letzten Tagen. Daher möchte ich den heutigen Gottesdienst unter das Überthema „Frieden“ stellen.

Friedensgebet (Hintergrund Orgel: Shalom Cheverim)

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Impuls:

„Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten.“

Im Schatten der aktuellen Ereignisse könnte dieser Text heute nicht passender sein. Der Apostel Paulus gibt der Gemeinde in Rom hier einiges mit auf den Weg. Besonders ist hier aber die „Liebe ohne Heuchelei“ – eine vorbehaltlose, ja grenzenlose Liebe.

Wir wissen nicht viel über die Motive der Attentäter in Wien, wir wissen nicht viel über die Schussabgabe in Alsdorf oder Hückelhoven. Wir wissen nicht viel über die Messerattacken in Nizza und Berlin oder über die vielen Anschläge der letzten Tage und Wochen.

Wir wissen aber, dass wir uns den Frieden wünschen.

Den Frieden zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen, zwischen den verschiedenen Kontinenten und Ländern, den Frieden zwischen den Nachbarn, aber auch den Frieden in unserer Gemeinde.

Ein Friede, von dem wir heute wieder weit entfernt zu sein scheinen. Ein Friede, auf den wir hoffen und um den wir beten.

„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht“

Auf diesen Frieden, den uns der gute Hirt gibt, wollen wir auch im Anblick solcher Tage vertrauen.

Amen

Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 04.11.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Lesung + Impuls Quartalsgottesdienst zum Totengedenken

Lesung aus dem Buch Rut:

7 Sie verließ zusammen mit ihren beiden Schwiegertöchtern den Ort, wo sie sich aufgehalten hatte. Als sie nun auf dem Heimweg in das Land Juda waren,

8 sagte Noomi zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Kehrt doch beide heim zu euren Müttern! Der HERR erweise euch Güte, wie ihr sie den Toten und mir erwiesen habt.

16 Rut antwortete: Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren! Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.

17 Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein. Der HERR soll mir dies und das antun – nur der Tod wird mich von dir scheiden. 

18 Als sie sah, dass Rut darauf bestand, mit ihr zu gehen, redete sie nicht länger auf sie ein. 

19 So zogen sie miteinander bis Betlehem. Als sie in Betlehem ankamen, geriet die ganze Stadt ihretwegen in Bewegung. Die Frauen sagten: Ist das nicht Noomi?

 20 Doch sie erwiderte: Nennt mich nicht mehr Noomi, Liebliche, sondern Mara, Bittere; denn viel Bitteres hat der Allmächtige mir getan.

21 Reich bin ich ausgezogen, aber mit leeren Händen hat der HERR mich heimkehren lassen. Warum nennt ihr mich noch Noomi, da doch der HERR gegen mich gesprochen und der Allmächtige mir Schlimmes angetan hat? 

22 So kehrte Noomi mit Rut, ihrer moabitischen Schwiegertochter, aus dem Grünland Moabs heim. Zu Beginn der Gerstenernte kamen sie in Betlehem an.

Impuls:

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt von dieser Geschichte aus dem Buch Rut. Sie handelt, das haben wir eben teilweise gehört, von 2 bzw. 3 Frauen – die das gleiche Schicksal teilen.

Rut und Ihre Schwägerin haben ihre Männer, Noomi ihren Mann und ihre beiden Söhne verloren – das ist an Tragödie kaum mehr zu überbieten. Und so fasst Noomi den Entschluss, in ihre Heimat zurückzukehren. Trotz mehrmaligem Bitten Noomis weicht Rut ihr nicht von der Seite – Nein, sie geht mit ihr, in ein fremdes Land, in eine ungewisse Zukunft. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Diese Zusage Ruts an ihre Schwiegermutter ist nicht nur sehr berührend und zeugt von einer tiefen Verbundenheit, sie ist auch mehr als mutig. Alles aufzugeben um in eine ungewisse Zukunft zu gehen.

Mit Rut und Noomi teilen wir auch heute Abend einige Gemeinsamkeiten. Beide Frauen müssen für sich nach der Erfahrung des Todes ihrer Nächsten das Leben neu erfinden – sich in der Situation voll Sorge und Angst, voll Trauer und Unverständnis, voll Zorn und Wut neu orientieren.

Für jede einzeln gesehen, wäre das vielleicht mit einem anderen Ausgang verbunden gewesen. Doch schließen sich die Beiden zusammen, gehen gemeinsam durch diese schwere Aufgabe, diese schwere Zeit. Keiner muss diesen Weg des „Neu – Erfindens“ alleine gehen.

Und wenn sie einmal einen Moment in sich hineinhorchen, vielleicht finden Sie dort eine „Rut“ in ihrem Leben. Vielleicht nicht unbedingt jemanden, der sie auf Schritt und Tritt begleitet, vielleicht jemanden, der in Kleinigkeiten mit Ihnen geht?

Die Nachbarin, die Ihnen hilft, die Glühbirne zu wechseln und somit wieder etwas Licht in ihre Wohnung bringt.

Der Hausmeister, der Ihre Heizung repariert und somit wieder etwas Wärme in ihr Haus bringt.

Die Enkelin, die gut mit dem Pinsel kann – und die somit etwas Farbe in ihre Küche bringt.

Die Bäckerin, die Ihnen morgens nicht nur 1,20- für die Brötchen abnimmt, sondern sie mit einem Lächeln in den Tag schickt.

Und genau das ist es, was mich an diesem Text immer aufs Neue fasziniert. Der Mut der Frauen in dieser alt-testamentlichen Bibelstelle – und der neue Blick auf die Menschen in meinem Leben, die wie Rut mit mir gehen – vielleicht bis jetzt ungesehen. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Ich wünsche Ihnen – eine kleine „Rut“ in Ihrm Leben

Amen

Impuls aus dem Totengedenkgottesdienst vom 07.10.2020 Grabeskirche St. Josef Aachen

Impuls zum Mittwoch der 26 Woche im Jahreskreis (G Hieronymus)

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Impuls zum Mittwoch der 26 Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

„Mein Herz hängt treu und feste/ an dem was dein Wort lehrt“ dieser Vers aus dem Eröffnungslied könnte aus dem Mund des heiligen Hieronymus stammen, dessen Gedenktag wir heute feiern.

Hieronymus war einer der bedeutendsten und gelehrtesten Kirchenväter. Er wurde um 345 in Dalmatien geboren und starb im Jahre 420. In seiner Zeit in Bethlehem leitete er ein Männerkloster und drei Frauenklöster. Aus dieser Zeit stammt auch sein wichtigstes Werk: die lateinische Bibelübersetzung (Vulgata)

„Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit und wer die heilige Schrift nicht kennt, der kennt weder Gottes Kraft noch seine Weisheit: die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen!“ (Hieronymus Prolog zum Jesaja-Kommentar)

Impuls:

Das Wort „Netz“ hat sehr vielschichtige Bedeutungen, je nach dem, in welchem Kontext und welchem Jahrhundert man sich befindet…

Hallo! Hallo! Warte, ich höre dich nicht, ich hab kein Netz!

Das wird vermutlich ein Fischer zu Jesu Zeiten nicht so verstehen wie wir. Und ein Fachmann für Arachnologie könnte das auch Missverstehen.

So könnte es aber auch vielen Menschen gehen, die das heutige Evangelium hören oder lesen. „Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Netz“ – kein Empfang oder wie?

Wir wissen natürlich, was Matthäus mit dem Netz hier meint, sind wir doch an die Worte Jesu erinnert:“…folgt mir, ich mache euch zu Menschenfischern“

Aber dann wird es selbst für geschulte Augen und Ohren etwas schwieriger. Die guten Fische kommen in den Korb, die schlechten werden Weggeworfen. Das beißt sich ein wenig mit unserem Jesusbild, der sich mit den Menschen am Rande der Gesellschaft zusammentut. Man ist ja ein wenig geneigt zu denken…. Das wären die schlechten, die hier gemeint sind. Aber ich verstehe das etwas anders und ich schätze mal das auch der Autor das eher übertragend gemeint hat.

Die Guten sind hier nicht die finanziell Starken, die Gelehrten und die, die jeden Tag treu in die Synagoge gehen – oder bei uns: Sonntags treu in die Kirche kommen. Es sind die Menschen, die hier als „Gerechte“ benannt sind. Menschen, die mit Gott im Einklang sind, die mit Gott auf dem Weg sind, die Gott in ihren Herzen tragen. Leider gibt es auch heute noch die Menschen, die „Schlecht“ mit sozialer und finanzieller Not gleichsetzen. Denen würde ich gerne den vorletzten Satz dieser Perikope entgegenschreien: “Habt ihr das alles verstanden?!?“

Amen

Impuls aus der Wort-Gottes-Feier am 30.09.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 25. Woche im Jahreskreis (G Pater Pio)

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Impuls zum Mittwoch der 25. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

„Das Gebet ist ein mächtiges Werkzeug, ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet.“ Dieses Zitat stammt von Pater Pio, dessen Gedenktag die Kirche heute feiert. Pater Pio, wurde am 25.Mai 1887 als Francesco Forgione in Italien geboren und verstarb am 23. September 1968.

Pater Pio wurde als Kind einer Bauernfamilie geboren und habe weniger gegessen und geschlafen als andere Kinder. Wie durch ein Wunder überstand er schwere Fieberschübe und trat dann mit 16 Jahren in das Kapuzinerkloster an seinem Wohnort ein.

1918 erschienen die 5 Wundmale Jesu auf seinem Körper – diese Nachricht verbreitete sich trotz Verschwiegenheitsgebot unter den Menschen und viele pilgerten zu Pio. Er wurde als „Apostel des Beichtstuhls“ bekannt.

Trotz der vielfältigen Meinungen zu Pater Pio – die verschiedenen Päpste waren sich in Ihrer Meinung zu Pater Pio uneins – wurde er am 1999 selig- und 2002 heiliggesprochen.

Trotz seiner Erkrankungen lebte er besonders asketisch und hielt diese Lebensweise bis zu seinem Tod 1968 durch.

Impuls:

„Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Das ist ein Satz, den man gerne mal überliest oder überhört, den man vielleicht als eine kleine Randnotiz abtun möchte. Aber er birgt eine sehr klare Ansage an die Jünger – ja: an uns alle, die wir Christus nachfolgen. Verleugne dich selbst, nehme` dein Kreuz auf dich und folge mir nach“

Vor diesem Satz im Evangelium erlebten die Jünger die Wundertaten Jesu: die Heilung vieler Kranker, die Speisung der 4000 und sie bekannten sich zu Jesus. Petrus bekannter Satz „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ geht dem heutigen Evangelium voran. Jesus führt hier aus, was es denn heißt, sich zu ihm zu bekennen – ihm nachzufolgen.

Ich bin vor kurzem im Urlaub gewesen und habe die Zeit mit Wandern verbracht. Das ist natürlich nicht ganz problemlos, wenn man durch Wälder wandert, in denen man sich nicht auskennt. Natürlich habe ich mich dann einmal in einem Waldgebiet wiedergefunden, wo ich offensichtlich falsch ausgekommen bin. Ich hatte mich einfach nur auf das Navi verlassen.  Aber im übertragenden Sinne ist das auch in unserem Leben so. Wir haben unsere Ideen, unsere Ziele, die wir erreichen wollen. Mein Haus, mein Boot, meine Familie. Ich werde Feuerwehrfrau, Arzt oder Diakon. Letztlich kommt es aber dann doch anders oder es geht über viele Umwege. Einer ist da offensichtlich bei uns, der uns den Weg angibt, der uns vielleicht über steinige Wege führt, aber immer an das eine Ziel! So verstehe ich das „Verleugnen“. Vertrauen, auf Jesus, der meinen Weg begleitet – durch Zeiten der Dürre, durch Trauer, durch Krankheit – hin zum Ziel.

Pater Pio ist diesen Weg in beeindruckender Weise gegangen. Durch Kritik, durch Krankheit, durch Zweifel. Er kann uns Vorbild sein, wenn wir uns am Begriff „Verleugnen“ aufreiben.

„Gott ist jedes Gebet wohlgefällig, das in rechter Intention und gutem Willen gesprochen wird.
Die Zeit, die man zur Ehre Gottes und zum Wohl des Nächsten opfert, ist niemals vergeudet.“

Amen

Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 23.09.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen



Impuls zum Mittwoch der 24. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 24. Woche im Jahreskreis (G: hl. Cyprian & Cornelius) (Lesungen)

Einführung:

Die Kirche gedenkt heute den hl. Cyprian und Cornelius.

Zumindest der letztere dürfte hier in Aachen bekannt sein, durch den Ortsteil Kornelimünster. Hier werden verschiedene Reliquien verehrt – neben der Kornelioktav auch alle 7 Jahre zur Heiligtumsfahrt Kornelimünster, die zeitgleich zur Heiligtumsfahrt in Aachen und Mönchengladbach stattfindet. Cyprian war Bischof von Nordafrika und Cornelius Papst. Beide vertraten eine vergleichsweise milde Praxis gegenüber abgefallenen Christen. Beide waren von einer Liebe für die Menschen geprägt und bezahlten diese mit dem Märtyrertod bzw. der Verbannung.

Der Apostel Paulus macht uns heute auch die Liebe zum Mittelpunkt. In seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth erinnert er daran, was und wie die Liebe ist, bzw. sein soll.

Impuls:

„Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ So endet die heutige Lesung und das ist vermutlich auch einer der bekanntesten Sätze aus dem neuen Testament – gerne verwendet bei Hochzeiten. Aber mir geht es heute um einen anderen Satz, den man vermutlich nicht so präsent hat, wie den Abschluss dieser Lesung: „Ich zeige euch jetzt noch einen anderen Weg, einen, der alles andere übersteigt.“

Petrus leitet also bewusst das „Hohelied der Liebe“ als einen anderen Weg ein, einen Weg, der alles andere übersteigt. Vorher hatte er in seinem Brief an die – zu der Zeit gespaltene und zerstrittene Gemeinde in Korinth – bereits von dem einen Leib und den vielen Gliedern geschrieben. Aber für Petrus steht hier die Liebe im Vordergrund – ohne die wir letztlich nichts wären.

Mir ist nicht bekannt, ob Cyprian und Cornelius die Worte des Petrusbriefes geleitet haben in ihrer Haltung, den abgefallenen Christen mit Liebe zu begegnen, aber sie dürften diesen Brief sicher gekannt haben. In meiner Vorstellung war es vielleicht ein Motiv der beiden Heiligen, Ihre Haltung bis zum Tod durchzuhalten.

Amen

Impuls aus der Wortgottesfeier vom 16.09. in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 22. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 22. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

„Sein wandernd Volk will leiten, der Herr in dieser Zeit.“

Irgendwie ist dieser Satz doch seltsam in dem Lied, oder? Was ist denn damit genau gemeint? Wir sind doch eigentlich – zumindest in unseren Breitengraden – kein „wanderndes Volk“ mehr. Oder ist damit vielleicht eine philosophisch-theologische Ebene gemeint? Wir als wanderndes, ja suchendes Volk, das durch den Glauben seine Richtung, seine Berufung erfährt und durch Gottes Fügung letztlich ans Ziel kommt?

Ich bleibe mal auf der ersten Ebene. Wir sind kein wanderndes Volk mehr, wir sind heimisch geworden und haben unsere festen Wurzeln. Das hat sehr viele positive Aspekte. Aber es geht ein wichtiges Element verloren: Die Bewegung. Wir gehen nicht mehr hinaus und erzählen von dem, was uns bewegt, von dem was uns trägt, von dem der uns Hoffnung gibt.

„Geht in alle Welt und seid meine Zeugen“ – so geht es dem heutigen Evangelium voran, in dem Jesus genau das tut. Er zieht weiter, weil die Menschen in den anderen Dörfern auch die Frohe Botschaft erfahren sollen.

Impuls:

Zu Anfang hatte ich schon angedeutet, das in den heutigen Texten eine gewisse Bewegung – ja eine Dynamik drinsteckt. Es geht viel um das Thema Verkündigung und das eben nicht nur an dem Ort, an dem ich mich heimisch fühle.

Paulus und Apollos, von denen wir in der Lesung gehört haben, waren stetig unterwegs, um die Frohe Botschaft zu verkündigen und auch von Jesus wissen wir, dass er durch das Land ging – hinauf nach Jerusalem und dem Berg Golgotha. Das Hinausgehen und Verkündigen ist, wie wir an diesen Beispielen erfahren, nicht immer bequem oder ungefährlich. Aber letztlich sind wir auch heute dazu aufgerufen. „Seid stehts bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“

Natürlich heißt das jetzt nicht, das wir nach diesem Gottesdienst zum Markt gehen und aus der Bibel lesen oder das alte Testament auslegen. Aber Wege zu finden, Menschen zu erreichen, das steckt für mich in den heutigen Texten.

Gehen wir hinaus und seien wir kreativ um den Menschen zu zeigen, dass es neben „Trump“, Verschwörungstheorien und Vorurteilen gegen einzelne Bevölkerungsschichten bzw. deren Herkunft noch frohe Botschaften gibt, die Hoffnung geben können.

Amen

Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 02.09.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Kein Impuls – nur ein Gedanke: Mein Gedanke

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Ein kleiner Tod.

Du bist nicht weg, nur nicht mehr für mich erlebbar.

Gelegentlich kann ich dich noch sehen, aber dein Lachen nicht mehr hören.

Heute ist dein Geburtstag, den du hoffentlich zu einem besonderen Tag für dich machen kannst,

meine Geschenke fühlen sich für mich an, wie Blumen – die ich an einen Gedenkort bringe.

Die Bilder an der Wand – lustig und freudig – scheinen mir wie ein Traueraltar, heute.

Du bist nicht weg, nur nicht mehr für mich erlebbar.

Ein kleiner Tod.

Impuls zum Mittwoch der 20. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 20. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einleitung:

„Gib uns Trost und Zuversicht, durch dein Licht“ so endet das Lied, das wir zur Eröffnung gehört haben.

Trost und Zuversicht, Liebe und Geborgenheit, jemand der sich um uns kümmert, das sind Wünsche und Sehnsüchte, die wir alle in uns tragen. Hierum geht es heute auch in unseren Lesungen des Tages.

Gott sieht, dass die Hirten sich nicht um Ihre Herde kümmern und sieht sich zum Handeln gezwungen. Im Text des Propheten Ezechiel zeigt er uns, dass er nicht untätig und ferne ist. Er rettet die Herde aus den Händen der untätigen Hirten.

Im Evangelium hören wir von den Arbeitern im Weinberg. Der wohl bekannteste Satz ist: „Die Letzten werden die Ersten sein!“

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Satz des Papstes Benedikt: „Ich bin nur ein einfacher, demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn!“ Ganz so dürften es die Arbeiter aus dem Gleichnis Jesu wohl nicht gesehen haben. Hier werden wir wenig von Liebe und Geborgenheit, sondern von Missgunst hören. Dennoch finden wir auch hier die Spuren von Gottes Liebe zu uns.

Impuls:

Sie haben vermutlich schon den Ausdruck hier gesehen und als das „Kölsche Grundgesetz“ erkannt. Vermutlich haben Sie auch gesehen, dass ich einen Artikel hinzugefügt habe: Man muss auch gönnen können.“ Die Letzten werden die Ersten sein, so haben wir es gerade gehört. Das ist doch schön, oder? Ich kann mir den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen lassen während andere in der Mittagshitze malochen. Wenn es dann abends weniger beschwerlich ist, dann bequeme ich mich auch mal dazu und erhalte denselben Lohn wie alle anderen. Das Kölsche Grundgesetz hat ein wenig von dieser „Leichtigkeit“: Es ist, wie es ist. Es kommt, wie es kommt. Es ist schon immer gut gegangen…

Sieht so das Himmelreich aus?

Strenggenommen, ja! Die Worte Jesu richten sich hier an die Jünger, also an die Ersten, die Jesus nachfolgen, mit dem gesamten beschwerlichen Weg. Natürlich hat es nach den Jüngern viele Menschen gegeben, die in die Nachfolge Jesu gegangen sind, so auch wir. Wir haben heute in unseren Breitengraden einen wenig gefährlichen Weg zu erwarten. Keine Christenverfolgung, keine Kirche im Untergrund, kein staatliches Verbot der Religionsausübung. Und doch erhalten wir denselben Lohn wie die Jünger. Die Zusage des Gutsbesitzers – der in dieser Parabel sinnbildlich für Gott steht – ist da sehr eindeutig: Geht auch ihr in meinen Weinberg, ich werde euch geben, was gerecht ist!“ Gott wird uns allen in der Nachfolge geben, was gerecht ist.  

Natürlich sollen wir uns nun nicht darauf ausruhen, daran erinnert uns auch die heutige Lesung aus dem Buch Ezechiel. Zum Glauben und zur Nachfolge gehört auch die Arbeit, die Nächstenliebe, das Zweifeln und Hinterfragen. Aber am Ende steht die Zusage, geliebt und geborgen zu sein. Egal, ob wir von Anfang an dabei waren oder erst später hinzukamen.

Man muss auch gönnen können.

Amen

Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 19.08.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen