Impuls zum Mittwoch der 2. Woche der Fastenzeit

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Lesungen

Einführung:

Haben sie das Lied zum Beginn erkannt?

Es ist vielleicht ein seltsamer Beginn eines Gottesdienstes, aber wenn unser schärfster Konkurrent 50 Jahre alt wird, dann darf man das nicht unerwähnt lassen. Die Sendung mit der Maus wird an diesem Sonntag genau 50 Jahre alt. Ca 2200 Episoden sind seit 1971 ausgestrahlt worden – leider zu einer für uns etwas ungünstigen Zeit, was der Sendung mit der Maus auch die Kritik der Kirche eingebracht hat. In den heutigen Lesungen werden wir viel über das Lehren und das Dienen hören. Jetzt kann man natürlich darüber streiten, ob Fernsehen ein probates Mittel zum Lehren ist. Aber in 50 Jahren Sendung mit der Maus wurde vielen Kindern (und Erwachsenen) die Welt erklärt. Somit hat die Maus nicht nur ihren Lehrauftrag erfüllt, sondern auch uns, unseren Kindern und Enkeln gedient. Die Maus, der Elefant und die Ente kamen und kommen mit wenig Glanz aus, sie wollen sich nicht groß in Szene gesetzt wissen und doch kennt sie praktisch jeder. Schauen wir uns heute so in der Medienlandschaft um, dann gibt es nur noch wenige Formate, in denen es nicht um das Ego der Protagonisten geht – vom Lehrgehalt mal ganz abgesehen. „Holt mich hier raus, ich bin ein Star“ – Germanys next Topmodel – Bachelor usw. usf.

Die Sendung mit der Maus braucht diese billige Effekthascherei nicht. Sie dient uns mit Lach- und Sachgeschichten und seit 10 Jahren öffnet sie uns auch einmal im Jahr Türen zu besonderen Orten, z.B. zu unserer Grabeskirche. Der Prophet Jeremia muss heute am eigenen Leibe erfahren, wie schwer es sein kann, das Richtige zu lehren und das man dort oft auch auf Widerstände stoßen kann und auch im heutigen Evangelium lernen wir eine wichtige Lektion: das Dienen!

Impuls:

Wer in Gottes Reich groß sein will, der muss die Karriereleiter nicht hinauf-, sondern hinabsteigen, das habe ich kürzlich in einer Predigt zu genau unserem Tagesevangelium gelesen. Genau das ist es aber, was die Mutter von Johannes und Jakobus hier für ihre Söhne wünscht. Ich persönlich finde ja, dass sie hier in dem Text nicht besonders gut weg kommt. Letztlich handelt „die Frau des Zebedäus – deren Namen wir nicht erfahren – doch genau so, wie Mütter es nun einmal tun. Sie will das Beste für Ihre Kinder. Sie ist also eine Person, mit der man sich gut identifizieren könnte – ich zumindest, kann es gut nachvollziehen. So wie ihr würde es doch vermutlich vielen von uns gehen.

Ist dieser Gedanke, das Beste für seine Liebsten zu wollen nun verwerflich? Grundsätzlich finde ich es nicht verwerflich, aber Gottes Reich funktioniert nun mal nicht nach geltenden Regeln, sondern eben ganz anders und ganz neu. Die Letzten werden die Ersten sein, Selig die Armen und eben… Wer in Gottes Reich groß sein will, der muss die Karriereleiter nicht hinauf., sondern hinabsteigen.

Ich hatte am letzten Freitag eine Prüfung in Caritaswissenschaften und ich wurde zum Thema Eucharistie als Quelle sozialen Handelns befragt und welche Belege es dafür gäbe. Meine Antwort: der Gründonnerstag kommt vor der Osternacht, die Fußwaschung – also der dienende Christus – kommt vor dem Abendmahl, also vor der Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums. Ich möchte hier keine Gewichtung vornehmen, aber Fußwaschung und Abendmahl gehört untrennbar zusammen. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Impuls aus dem Wort – Gottes – Dienst vom 03.03.2021 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 5. Woche im Jahreskreis (g hl. Scholastika)

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Lesungen

Einführung:

Über Scholastika haben wir Nachrichten nur durch den legendären Bericht des Papstes Gregor d. Gr. Scholastika war eine Schwester des hl. Benedikt und wohnte als gottgeweihte Jungfrau nicht weit vom Kloster Monte Cassino. Einmal im Jahr besuchte sie ihren Bruder zu einem geistlichen Gespräch. Das Letzte dieser Gespräche ist bemerkenswert, dass es bis in die Nacht hinein verlängert wurde; Scholastika hat den Bruder dazu gezwungen, indem sie durch ihr Gebet ein plötzliches Gewitter bewirkte, das ein Verlassen des Hauses unmöglich machte. Scholastika „war mächtiger, weil sie die größere Liebe hatte“, sagt Gregor. Drei Tage später sah Benedikt die Seele seiner Schwester in Gestalt einer Taube zum Himmel aufsteigen. Ihren Leib ließ er in dem Grab beisetzen, das für ihn selbst bestimmt war.

Impuls:

Vor vielen hl. Messen und Gottesdiensten herrscht oft eine hektische Betriebsamkeit, insbesondere vor Hochfesten oder besonderen Gottesdiensten. Funktioniert die Beleuchtung, haben wir genug Messdiener*innen? ist der Raum schön gestaltet, sind alle Texte da, müssen noch Plätze reserviert werden usw. usf.

Und auch während des Gottesdienstes ist man dann in so einer „Hab-Acht-Stellung“ – wird noch etwas benötigt, haben wir etwas vergessen?

Das erinnert Sie jetzt vielleicht ein bisschen an unseren heutigen Text aus dem Evangelium. Marta, die sich um das ganze Drumherum kümmert und Maria, die aufmerksam zuhört.

Aber… was ist denn dann nun richtig? Man könnte meinen, Maris Weg ist hier der Richtige, da Jesus scheinbar Marta ein wenig tadelt. Aber ich glaube, so einfach ist es nicht. Wo wären wir denn heute (und auch damals) ohne die ganzen Marta´s? Die, die sich um das Umfeld kümmern, die die Menschen betreuen und umsorgen. Und wenn wir genauer ins Lukasevangelium schauen, dann lesen wir doch gerade hier besonders von der Nächstenliebe, von der Sorge um die anderen.

Ich glaube. Jesus tadelt hier nicht Marta und das „sich kümmern“ statt des aktiven Zuhörens, sondern das rechte Maß.

In einem Leben voller Aktivität, voller Hingabe für andere, voll des Umsorgens muss auch Platz für das Zuhören sein, Platz für das Gebet, Platz für das Hören auf Gott.

Die Jugendlichen würden heute vermutlich sagen… : Ey Marta… Chill ma! – das klingt vielleicht erstmal unangemessen. Aber genau das ist es, was ich Ihnen heute mitgeben möchte.

Die Sorge und das Umsorgen ist sicherlich ein zentraler Punkt und wichtig. Aber es muss auch Raum für Pause, Raum für das Hören auf Ihn sein.

Amen

Impuls zum Mittwoch der 4. Woche im Jahreskreis

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Lesungen

Einführung:

In der heutigen Lesung aus dem Hebräerbrief wird es schon etwas komplizierter. Hier ist die Rede von Züchtigung und von Schlägen. Etwas, das mit unserem Weltbild, mit unserer Pädagogik und schließlich unserem Gottesbild nicht mehr sehr viel zu tun hat. Aber um den Text verstehen zu können, müssen wir uns gleich einen Moment lang in die damalige Zeit versetzen. Aber auch der Text des heutigen Evangeliums ist nicht weniger anspruchsvoll. „Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen, wie in seiner Heimat“. In beiden Texten geht es um Schubladen in unserem menschlichen Denken – von denen kann sich kaum jemand frei machen – aber sie bewusst zu haben, das ist vielleicht ein wichtiger Punkt, den uns die heutigen Texte mitgeben werden.

Impuls:

Neben meinem Schreibtisch habe ich einen Schrank mit einer Sockenkiste. In diese Sockenkiste kommen alle Socken nach dem Waschen hinein. Das ist sehr praktisch, denn dann liegen sie nicht herum, sind gut aufgehoben und ich kann sie ohne Geruch als „sauber“ identifizieren. Diese Kiste – oder Schublade – ist also in vielerlei Hinsicht total sinnvoll.

Letztens habe ich in einer Nachricht folgendes gelesen: „Das ist halt unser Micha, der ist so!“ Das war jetzt nix schlimmes oder sowas und ich fand das eher schmeichelhaft, aber es passt ganz gut in unseren heutigen Gottesdienst. Der Autor hat hier ganz genau das gemacht, was wir häufig tun, nämlich jemanden in eine Schublade zu packen, wie meine Socken. Das hat auch genau denselben Grund, nämlich das wir in unserem Kopf durch die Hirnschubladen erstmal schön für Ordnung sorgen. Und genau so ist es uns vermutlich auch mit der Lesung aus dem Hebräerbrief gegangen. Züchtigung??? Schläge??? Näää… Ab in die Schublade – will ich nicht hören. Und ja, so geht es mir mit solchen Texten dann auch im ersten Impuls. Aber, was steckt hinter dem schwierigen Text. Schläge und Züchtigung waren in der damaligen Erziehung oder besser Formung ein gängiges Mittel – ganz nebenbei bemerkt war das auch noch im letzten Jahrhundert unbestritten – also ein Mittel, um den Kindern oder zu Erziehenden etwas beizubringen.

Heute würde ich es eher so ausdrücken: Charakterbildung oder Formung beinhaltet oft auch Schmerz oder Rückschläge, davon dürfen wir uns aber nicht um das Ziel bringen lassen. Und hierzu passt dann auch der heutige Text aus dem Evangelium. Jesus kehrt nach Nazareth zurück und erlebt dort wenig Ansehen. Er wird dort eben nicht in die Prophetenschublade, sondern in die „Sohn der Maria“ – Schublade gesteckt. Aber Jesus sieht diesen Rückschlag nicht als Krise an und zieht sich zurück, er hat das Ziel vor Augen – seine Bestimmung – und zieht weiter, um das zu tun, wofür er Mensch geworden ist.

Amen

Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 03.02.21 Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum 2. Adventssonntag

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Impuls zum 2. Adventssonntag (Lesungen)

Liebe Schwestern und Brüder,

Neu-Aufbrechen… Schätze – suchen… Zusammen-finden… so lautet das diesjährige Jahresthema unserer Pfarrei und vielleicht haben Sie sich heute Morgen schon als einen unserer Schätze selber entdecken können.

In den heutigen Lesungen konnte ich für mich viel von diesem Jahresthema wiederentdecken:

Neu-Aufbrechen:

„Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Strassen“

Ich war vor einiger Zeit zum Wandern in einer mir recht fremden Umgebung. Früher als ich noch kleiner und jünger war, habe ich bei solchen Wanderungen immer Steine als kleine Erinnerung gesammelt, um mich dann zuhause ein bisschen an das Abenteuer zu erinnern. Meine Eltern fanden das oft nicht so toll wenn ich meine Steine in den Hosentaschen vergessen habe… [Sie kennen das vermutlich…] Vielleicht können Sie für sich heute auch einen solchen Stein der Erinnerung mitnehmen

Bei der Wanderung  ist es mir natürlich passiert, dass ich mich ein wenig verlaufen hatte. Mitten im Wald fand ich dann einen kleinen schmalen Pfad. Man konnte so gerade erkenne, dass hier schon jemand langelaufen sein mag. Also folgte ich diesem kleinen Pfad und … tatsächlich, er führte mich zurück auf den richtigen Weg. Scheinbar ist jemand kurz vorher diesen Weg gegangen und konnte mir so aus der Patsche helfen.

Neu-Aufbrechen bedeutet für mich, immer wieder zu handeln. Ein kleiner schmaler Pfad, der jemandem aus der Patsche hilft, ist nach kurzer Zeit nicht mehr zu sehen – wieder zugewachsen, wenn man ihn nicht immer und immer wieder geht.

Immer wieder neu aufzubrechen ist für mich heute der erste Stein, den ich mitnehme – mich immer wieder neu aufzumachen um zu trösten, um eine Hand zu halten, um Hunger oder Einsamkeit zu lindern.

Schätze-suchen…

„Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.“

Er war also scheinbar ein Mensch, der sehr asketisch, ohne viel Schnick-Schnack lebte. Heute würde man vielleicht sagen, er ist ein einfacher Mensch.

Und vielleicht kann ich an seinem Beispiel etwas für mich lernen. Brauche ich jetzt wirklich diese neue Hose oder jenes neue Hemd?

In der aktuellen Zeit der Pandemie gibt es vieles das einen aufregt, viele Einschränkungen, die uns zugemutet werden und natürlich auch existenzielle Nöte und Ängste. Einen Schatz, den ich in dieser Zeit für mich finden konnte, war eben das Geschenk der Entschleunigung. Einmal auf wesentliches konzentrieren – freilich, weil es auch nicht anders geht im „Lockdown“. So ist diese Adventszeit so ganz anders als sonst. Kein Weihnachtsmarkt, keine bunt beleuchteten Schaufenster und Musik in der Innenstadt. Bei allen Sorgen, die mich plagen in der Kurzarbeit und welche Nöte für andere daraus entstehen, so zeigt es mir aber auch einen lang vergrabenen Schatz – die Notwendigkeit, mal auf die Bremse zu treten und inne zu halten.

Schätzen zu suchen und mich auf das Wesentliche konzentrieren, das ist für mich heute der zweite Stein, den ich mitnehme.

Zusammen-finden…

„Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“

Wenn wir „Neu-Aufbrechen“ und gemeinsam „Schätze suchen“ können wir „Zusammen finden“ und zusammenfinden. Viele verschiedene Schätze werden wir in den nächsten Wochen und Monaten des Kirchenjahres zusammen entdecken. In unserer Gemeinde, in unserer Kirche und in unserem Gegenüber. Ich habe mal nach einem anderen Schatz gesucht, der uns alle hier als Aachener (egal ob in Aachen geboren oder in Aachen lebend – ist für mich das gleiche) verbinden könnte. Und natürlich kommt man dann schnell auf die Aachener Printe.

Mir hat jemand erklärt, dass die Printe so heißt, weil dort früher Bilder von Heiligen oder Königen aufgedruckt – also ge-„printet“ bzw. geprägt wurden. So glaube ich, es gab auch zum Fest des heiligen Nikolaus eine entsprechende Printe mit Nikolaus-Prägung. Und so verbindet uns nicht nur die Printe als Aachener, sondern auch die Taufe mit Wasser und heiligem Geist als Prägung, als eine Gemeinschaft.

Zusammen-finden, Gemeinsamkeiten entdecken und Gemeinschaft leben, das ist für mich der dritte Stein, den ich heute mitnehme.

Neu-Aufbrechen… Schätze-suchen…Zusammen-finden

„Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott“

Dem Gegenüber zulächeln, auch durch die Maske;

den Mitmenschen eine kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen, auch auf Distanz;

die Einsamen und Hungrigen nicht übersehen.

 Das sagen mir die heutigen Texte, ja… sie fordern mich grade dazu auf. Trost zu sein, nicht nur heute – sondern immer, sonst wächst der kleine schmale Pfad wieder zu und der hinter mir steht alleine und verloren da.

Impuls aus der Sonntagsmesse vom 06.12.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 1. Woche im Advent

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Impuls zum Mittwoch der 1. Woche im Advent (Lesungen)

Einführung:

Blinde schaun zum Licht empor/ Stumme werden Hymnen singen / Tauben öffnet sich das Ohr / wie ein Hirsch die Lahmen springen

Vor einiger Zeit hatte ich an dieser Stelle schonmal einen Spruch meines Opas zitiert: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, ein bisschen Wurst soll auch drauf sein!“ So geht es in den heutigen Texten viel ums Essen. Von einem Gelage mit feinsten Speisen und erlesenen Weinen ist bei Jesaja die Rede.

Wenn ich diese Stelle in dem Wissen lesen, wie viele Menschen jetzt in diesem Moment Hunger leiden, frieren und nicht wissen, wie sie den Tag überleben sollen, dann wird es mir ganz anders.

Ja, ein bisschen bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Ich lese diesen Text im Wissen um die Not vieler Menschen.

Ich weiß auch, dass das Bild das Jesaja uns hier zeichnet eines ist, das von der Zeit spricht, die uns allen verheißen ist, wenn der Herr kommt. Aber ich Frage mich oft, wie wirkt eine solche Stelle auf die Menschen, die morgen nicht wissen, was ihre Kinder essen sollen…?

Impuls:

Liebe Schwestern und Brüder,

Was uns der Evangelist Matthäus im heutigen Evangelium berichtet, wird oft als Geschenkwunder bezeichnet. Ein Wunder also, in dem aus wenig oder nichts – viel, ja sogar im Überfluss gemacht wird. Ich persönlich mag die Bezeichnung „Wunder“ ja nicht wirklich gern. Es klingt so nach einem Magier, der aus wenig Brot, viel Brot macht. Jesus kam eben nicht als Wundertäter in unsere Welt. Die Zeichen, die er tut sind allein für uns nötig, damit wir glauben.

Sehr viel wichtiger als die Zeichen die Jesus wirkte sind seine Worte und seine Haltung und dass finden wir besonders im heutigen Evangelium. Jesus hat Mitleid mit den Menschen und er handelt um sie zu sättigen.

Was ein gewaltiges Zeichen für uns als Christen, für uns als Kirche. Wort und Tat gehören untrennbar zusammen!

Ohne die Sorge um meinen Nächsten ist das Wort nur leere Hülse.

Vor dem Abendmahl wusch Jesus seinen Jüngern die Füße. Und so sind Nächstenliebe und Abendmahl – ja sogar Caritas und Liturgie untrennbar miteinander verbunden.

Amen

Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 2.12. in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 34. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 34. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

In den heutigen Tageslesungen wird ein richtig schöner Spannungsbogen gezogen. Von Mose und dem wandernden Volk Israel über Jesus – das Lamm Gottes bis weit hinein in unsere Zeit. Wenn man so will, dann wird ein notenreiches Lied gesungen, dessen Melodie uns wie ein Ohrwurm begleitet. Gott liebt diese Welt! – Als er Israel aus der Hand des Pharaos befreite, als er uns seinen Sohn in die Welt schickte und wenn er uns im Wort und Brot begegnet.

Impuls:

Singt dem Herrn ein neues Lied – oder vielleicht ein altes Lied mit neuen Tönen und neuer Melodie – aber dem gleichen Text?

Gott liebt diese Welt, so haben wir begonnen. Und diesen Bogen greift auch Johannes in seiner Offenbarung auf. In der letzten Woche haben wir ja schon gehört, unter welchen Umständen er seine Bilder gezeichnet hat, oder – um im heutigen Bild zu bleiben – mit welchen Noten er uns seine Lieder schrieb. Er schreibt uns das Lied des Mose, natürlich in vielen Moll-Tönen, mit epischen Orchesterszenen und lauten Bläsern und Trommeln. Aber auch mit Abschnitten in Dur – verheißungsvoll, geborgen – angekommen im Land der Verheißung.

Dieser melodische Wechsel zwischen Moll und Dur – also zwischen Leid und Freud – zieht sich durch die ganzen Zeiten. Der Evangelist Lukas gibt heute seinen Lesern mit, dass wir auf Gott vertrauen sollen, auch wenn uns das Lebenslied in Moll geschrieben steht. Gott wird es wenden, uns die richtigen Worte geben, um es zu drehen – wenn wir standhaft bleiben – Also auf Gott vertrauen und uns nicht anderen vermeintlichen Göttern, Führern oder Meinungsbildnern zuwenden. Oder um nochmal das Bild der Lieder zu bemühen…. Wo die ganze Welt zum 4/4 Mainstream-Takt tanzt, singe ich im 5/4 Takt.

Amen

Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 25.11. in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 33. Woche im Jahreskreis

Impuls zum Mittwoch der 33. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

Was wir von Gott erhalten, damit dürfen wir nicht leichtfertig umgehen. Was wir von Ihm erhalten haben dürfen wir nicht ungenutzt verfallen lassen.

Am vergangenen Sonntag haben wir in der hl. Messe schon etwas dazu gehört und im heutigen Evangelium kommt der Text zu den Talenten bzw. Minen in der Variante des Lukas. Heute gibt es drei verschiedene Anlässe im Kalender, die in diesem Wort-Gottes-Dienst berücksichtigt werden können.

Zum einen ist heute der Weihetag der Basiliken St. Peter und St. Paul zu Rom, heute ist auch Buß- und Bettag – zumindest noch in einzelnen Regionen Deutschlands – und heute ist der Weltgebetstag für die Opfer sexualisierter Gewalt.

Im Lichte des Gutachtens, das letzten Donnerstag veröffentlicht wurde, scheint es mir wichtig heute die Opfer sexualisierter Gewalt in den Mittelpunkt zu stellen. Ich habe die Pressekonferenz zum Gutachten mitverfolgt und schon im Vorfeld konnte man erahnen, welche Namen genannt werden. So schockierend das mit Sicherheit für viele von uns ist, die die genannten Personen persönlich kennen, so schockierender waren für mich die Zahlen zu den Opfern und Tätern. 81 Täter; 79 Priester und zwei Diakone, und weit über 150 Opfer! Das sind Zahlen und Fakten, die mich betroffen machen.

Es ist gut, dass nun alles offen auf dem Tisch liegt und dass es nun eine Chance gibt, die Ursachen und den Umgang zu korrigieren.  

Impuls:

Die Offenbarung des Johannes ist wohl mit Sicherheit eines der interessantesten, wenn gleich auch schwierigsten Bücher unserer heiligen Schrift. Oft wird diese „Apokalypse“ bemüht, wenn sich Katastrophen ereignen, um daraus eine Endzeit-Prophetie abzuleiten, ähnlich wie bei den berühmten Prophezeiungen des Nostradamus.

Was macht dieses Buch eigentlich so schwierig verständlich für uns? Natürlich bedient es sich einer Sprache und Bildern, die uns gänzlich fremd sind. Die Adressaten der Offenbarung aber, wussten um die Bedeutung der benutzten Bilder. So ist die Offenbarung des Johannes auch kein klassisches Buch von Prophezeiungen, sondern eine Art Brief an 7 verschiedene Gemeinden rund um Ephesus – die Johannes den Seher sicherlich kannten. Geschrieben wurde die Offenbarung vermutlich in den 90er Jahren des 1. Jahrhunderts – also zur Regierungszeit des Kaiser Domitians.

Zu Zeiten Domitians nahm der Kult um den römischen Kaiser religiöse Züge an – so war der Kaiser in seinem Verständnis Gottes Stellvertreter auf Erden und er ließ sich oft als Menschensohn verehren. Das war für die jungen christlichen Gemeinden ein absolutes „No-Go!“ In dieser Zeit der religiösen und politischen Ausnahmesituation erlebt Johannes seine Offenbarung und schreibt diese auf.

Der Abschnitt, den wir heute gehört haben, ist eine klare Absage an die Regierenden, die sich gottgleich auf einen Thron setzen und erheben. Im gesamten Chaos von Katastrophen, Krankheiten, Auseinandersetzungen und Verfolgung zeichnet Johannes der Seher ein hoffnungsvolles Bild – den Blick durch die Tür ins Himmelreich. Es zeigt allen, dass die Tür zum Himmel offensteht.

Jesus selbst ist für uns diese Tür zum Himmel. „… Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden,“

Johannes beschreibt einen Thronsaal mit dem Thron, auf dem in letzter Konsequenz nur einer – nämlich Gott sitzt. Er ist es, der gleichsam verehrt wird und der letztlich die Geschicke der Welt lenkt – nicht eine politische Instanz, wie damals Kaiser Domitian.

Und noch ein Bild finde ich in diesem Abschnitt besonders: „Und vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall.“

Also ein beruhigtes, ja stilles – hoffnungsvolles Meer ohne Brausen und Tosen, ohne Untergang und Tot – eine „Seelen – Ruhe“ die der Mensch nur vor Gott finden kann.

Und so glaube ich, dass die Wellen und das Tosen, das das Gutachten in der letzten Woche ausgelöst hat uns zwei Dinge lehren sollte:

1.) Aus dem was uns an die Hand gegeben wird, müssen wir etwas machen. Wir dürfen dieses Gutachten nicht links liegen lassen, sondern müssen den Ursachen auf den Grund gehen und diese ändern.

2.) Können wir im Vertrauen auf die Vision des Johannes unsere Wellen und das Tosen, das Leid der Opfer und unsere Fassungslosigkeit vor Gott tragen, vor seinem Thron finden unsere aufgescheuchten Seelen, das Heil, für das du uns bereitet hast.

Amen

Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 18.11.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 32. Woche im Jahreskreis (G: hl. Martin)

Impuls zum Mittwoch der 32. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Eröffnungswort:

Vielleicht ging es Ihnen bei dem Lied gerade etwas wie mir auch. Ich war zurückversetzt in meine Kindergarten- und Schulzeit. Ein bisschen kann ich das Martinsfeuer knistern hören und die Weckmänner riechen. Ich habe mir sagen lassen, dass die hier bekannten Weckmänner je nach Region auch „Stutenkerl“ heißen und dass sie entweder zu St. Martin oder zu Nikolaus gegessen werden. So soll auch die Tonpfeife ursprünglich einen Bischofsstab symbolisieren – warum es nun eine Pfeife ist, weiß ich leider auch nicht. Vielleicht etwas aus der Zeit der Säkularisation?

So erinnert uns also der Weckmann an den hl. Martin, dessen Fest wir heute feiern. Eine Strophe im bekannten Martinslied lautet: „Im Traum schaut er ein glänzend Licht / und eine milde Stimme spricht: / „Hab Dank, du braver Rittersmann, / für das, was du mir angetan,

Der „arme Mann“ hatte keine Möglichkeit, sich beim hl. Martin zu bedanken, da Martin aber „in Eil ritt“.

Eine ähnliche Situation hören wir im heutigen Evangelium. Jesus heilt zehn Aussätzige, aber nur einer von Ihnen kommt zurück, um Gott zu danken für die Heilung.

Undank ist der Welten Lohn – könnte man meinen…. Wir werden uns das gleich einmal genauer anschauen.

Impuls:

Der Evangelist Lukas erzählt hier von einer klassischen Wunderheilung.

Das eigentliche Wunder aber bekommen wir als Hörer und Leser gar nicht wirklich mit, denn hierum geht es nur zweitrangig.

Drei Dinge sind an diesem Text besonders:

Wir erfahren, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist, dieser Weg hinauf nach Jerusalem nimmt im Lukasevangelium einen besonderen Stellenwert ein – wissen die Leser und Hörer doch sehr genau, dass alles was auf diesem Weg geschieht einmalig ist.

Jesus geht – und das wusste die lukanische Gemeinde auch – nach Jerusalem, um am Kreuz zu sterben. Deshalb ist alles das was im Lukasevangelium auf diesem Weg passiert von entscheidender Bedeutung.

Weiterhin nimmt der Samariter – als Fremder – eine besondere Rolle ein. Es gab in der Zeit Jesu immer wieder Spannungen zwischen den Juden und den Samaritern. Die damaligen Juden glaubten an einen zentralen Kultort – einen besonderen Ort der Gottesnähe in Jerusalem. Die Samariter wiederum lebten auch nach den Gesetzen der Tora, lebten ihren Kult jedoch in einem Heiligtum auf dem Berg Garizim.

Zu guter Letzt steht das Thema „Dankbarkeit“ im Zentrum. Aber ging es Jesus hier wirklich darum, für sein Taten dank zu bekommen? Für mich klingt das sehr menschlich… War es Jesus wirklich wichtig, dass man ihm dankt oder meint der Evangelist hier vielleicht etwas ganz anderes?

Schauen wir auf unseren heutigen Tagesheiligen Martin, dann ist die Situation hier ähnlich. Martin wartet gar nicht erst auf eine Geste der Dankbarkeit und er erwartet sie auch nicht, er reitet einfach fort.

An den Zeichen sollt ihr ihn erkennen – und darum geht es! Nicht das Jesus Wunder oder Zeichen tut, sondern das Gott durch ihn auf und an uns wirkt. Die Dankbarkeit des Samariters ist letztlich nichts anderes als die Erkenntnis, das Gott auf Erden an uns Menschen wirkt, das Gott mit uns ist – klein, unscheinbar, zerbrechlich – als Kind in der Krippe und verletzt aber erhöht am Kreuz.

Amen

Impuls zur Wort-Gottes-Feier am 11.11.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 31. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 31. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

Eigentlich sieht das Direktorium heute den Gedenktag des hl. Karl Borromäus vor. Aber in Anbetracht der aktuellen Ereignisse erscheint es mir wichtig und richtig, den heiligen Karl Borromäus ein wenig in den Hintergrund zu stellen. Wir haben den Gottesdienst in Stille begonnen und vor dem Altar sehen Sie zwei Grablichte, stellvertretend für die Opfer des Anschlages in Wien und der Opfer von Schießereien hier in unserer Region in den letzten Tagen. Daher möchte ich den heutigen Gottesdienst unter das Überthema „Frieden“ stellen.

Friedensgebet (Hintergrund Orgel: Shalom Cheverim)

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Impuls:

„Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten.“

Im Schatten der aktuellen Ereignisse könnte dieser Text heute nicht passender sein. Der Apostel Paulus gibt der Gemeinde in Rom hier einiges mit auf den Weg. Besonders ist hier aber die „Liebe ohne Heuchelei“ – eine vorbehaltlose, ja grenzenlose Liebe.

Wir wissen nicht viel über die Motive der Attentäter in Wien, wir wissen nicht viel über die Schussabgabe in Alsdorf oder Hückelhoven. Wir wissen nicht viel über die Messerattacken in Nizza und Berlin oder über die vielen Anschläge der letzten Tage und Wochen.

Wir wissen aber, dass wir uns den Frieden wünschen.

Den Frieden zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen, zwischen den verschiedenen Kontinenten und Ländern, den Frieden zwischen den Nachbarn, aber auch den Frieden in unserer Gemeinde.

Ein Friede, von dem wir heute wieder weit entfernt zu sein scheinen. Ein Friede, auf den wir hoffen und um den wir beten.

„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht“

Auf diesen Frieden, den uns der gute Hirt gibt, wollen wir auch im Anblick solcher Tage vertrauen.

Amen

Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 04.11.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Lesung + Impuls Quartalsgottesdienst zum Totengedenken

Lesung aus dem Buch Rut:

7 Sie verließ zusammen mit ihren beiden Schwiegertöchtern den Ort, wo sie sich aufgehalten hatte. Als sie nun auf dem Heimweg in das Land Juda waren,

8 sagte Noomi zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Kehrt doch beide heim zu euren Müttern! Der HERR erweise euch Güte, wie ihr sie den Toten und mir erwiesen habt.

16 Rut antwortete: Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren! Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.

17 Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein. Der HERR soll mir dies und das antun – nur der Tod wird mich von dir scheiden. 

18 Als sie sah, dass Rut darauf bestand, mit ihr zu gehen, redete sie nicht länger auf sie ein. 

19 So zogen sie miteinander bis Betlehem. Als sie in Betlehem ankamen, geriet die ganze Stadt ihretwegen in Bewegung. Die Frauen sagten: Ist das nicht Noomi?

 20 Doch sie erwiderte: Nennt mich nicht mehr Noomi, Liebliche, sondern Mara, Bittere; denn viel Bitteres hat der Allmächtige mir getan.

21 Reich bin ich ausgezogen, aber mit leeren Händen hat der HERR mich heimkehren lassen. Warum nennt ihr mich noch Noomi, da doch der HERR gegen mich gesprochen und der Allmächtige mir Schlimmes angetan hat? 

22 So kehrte Noomi mit Rut, ihrer moabitischen Schwiegertochter, aus dem Grünland Moabs heim. Zu Beginn der Gerstenernte kamen sie in Betlehem an.

Impuls:

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt von dieser Geschichte aus dem Buch Rut. Sie handelt, das haben wir eben teilweise gehört, von 2 bzw. 3 Frauen – die das gleiche Schicksal teilen.

Rut und Ihre Schwägerin haben ihre Männer, Noomi ihren Mann und ihre beiden Söhne verloren – das ist an Tragödie kaum mehr zu überbieten. Und so fasst Noomi den Entschluss, in ihre Heimat zurückzukehren. Trotz mehrmaligem Bitten Noomis weicht Rut ihr nicht von der Seite – Nein, sie geht mit ihr, in ein fremdes Land, in eine ungewisse Zukunft. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Diese Zusage Ruts an ihre Schwiegermutter ist nicht nur sehr berührend und zeugt von einer tiefen Verbundenheit, sie ist auch mehr als mutig. Alles aufzugeben um in eine ungewisse Zukunft zu gehen.

Mit Rut und Noomi teilen wir auch heute Abend einige Gemeinsamkeiten. Beide Frauen müssen für sich nach der Erfahrung des Todes ihrer Nächsten das Leben neu erfinden – sich in der Situation voll Sorge und Angst, voll Trauer und Unverständnis, voll Zorn und Wut neu orientieren.

Für jede einzeln gesehen, wäre das vielleicht mit einem anderen Ausgang verbunden gewesen. Doch schließen sich die Beiden zusammen, gehen gemeinsam durch diese schwere Aufgabe, diese schwere Zeit. Keiner muss diesen Weg des „Neu – Erfindens“ alleine gehen.

Und wenn sie einmal einen Moment in sich hineinhorchen, vielleicht finden Sie dort eine „Rut“ in ihrem Leben. Vielleicht nicht unbedingt jemanden, der sie auf Schritt und Tritt begleitet, vielleicht jemanden, der in Kleinigkeiten mit Ihnen geht?

Die Nachbarin, die Ihnen hilft, die Glühbirne zu wechseln und somit wieder etwas Licht in ihre Wohnung bringt.

Der Hausmeister, der Ihre Heizung repariert und somit wieder etwas Wärme in ihr Haus bringt.

Die Enkelin, die gut mit dem Pinsel kann – und die somit etwas Farbe in ihre Küche bringt.

Die Bäckerin, die Ihnen morgens nicht nur 1,20- für die Brötchen abnimmt, sondern sie mit einem Lächeln in den Tag schickt.

Und genau das ist es, was mich an diesem Text immer aufs Neue fasziniert. Der Mut der Frauen in dieser alt-testamentlichen Bibelstelle – und der neue Blick auf die Menschen in meinem Leben, die wie Rut mit mir gehen – vielleicht bis jetzt ungesehen. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Ich wünsche Ihnen – eine kleine „Rut“ in Ihrm Leben

Amen

Impuls aus dem Totengedenkgottesdienst vom 07.10.2020 Grabeskirche St. Josef Aachen