Impuls zum Karfreitag

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Der Satz am Kreuz ist kein theologischer Lehrsatz.
Es ist ein Schrei.
Einer, der tief trifft, wenn man selbst gerade müde geworden ist.

Es ist dieser Moment, wo du weißt:
Du hast alles gegeben.
Mit Liebe. Mit Geduld. Mit offenen Händen.
Und trotzdem ist niemand da.
Oder nicht die, von denen du es erhofft hattest.

Karfreitag ist der Tag für all das, was weh tut –
für die unausgesprochenen Enttäuschungen,
für das stille „Warum?“,
für die innere Leere nach zu vielen kleinen Kämpfen,
für das Gefühl, gegen Mauern zu reden
und sich selbst dabei zu verlieren.

Und vielleicht dürfen wir heute einfach mal nicht stark sein.
Nicht pastoral. Nicht verständnisvoll.
Sondern einfach ehrlich.

Ich bin müde, Herr.
Ich wollte doch nur, dass es gut wird.
Ich hab gehofft, dass man mich sieht.
Und jetzt tut es weh.

Jesus versteht das.
Nicht nur, weil er es miterlebt hat.
Sondern weil er es mitfühlt.

Denn Karfreitag ist nicht nur Erinnerung –
er ist Mit-Gang.
Mit unseren Fragen. Mit unserer Enttäuschung.
Mit unserem „Ich kann nicht mehr.“


Das Kreuz steht da. Still. Unbeantwortet.

Und es ruft nicht: „Alles wird gut.“
Sondern:

„Ich bleibe bei dir – auch wenn nichts gut aussieht.“

Es sagt nicht:

„Reiß dich zusammen.“
Sondern:
„Lass los, was du nicht mehr tragen kannst. Ich halt’s für dich.“


Heute darfst du einfach da sein.
Mit deinem Schmerz. Deiner Müdigkeit. Deiner Sehnsucht.
Und wissen:

Du musst nicht mehr tun.
Du musst nicht kämpfen.
Du musst nur halten, was du noch hast –
und loslassen, was dir nicht mehr gut tut.

Denn das Kreuz hält dich.
Auch in dem, was du selbst nicht mehr halten kannst.

Karfreitag ist nicht das Ende.
Aber er ist ehrlich.
Und heilig.
Und getragen.

Predigt zu Joh 13,1–15 – Gründonnerstag (mit Bezug auf Kommunionkinder)

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Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Kinder – besonders ihr, die ihr euch auf eure Erste Heilige Kommunion vorbereitet,

heute Abend ist ein besonderer Abend. Für Jesus war dieser Abend damals wie ein Abschied – aber auch wie ein großes Geschenk. Und auch für uns ist es heute ein Fest der Liebe und der Nähe.

Das Evangelium, das wir gerade gehört haben, ist vielleicht eines der schönsten im ganzen Neuen Testament. Und eines der überraschendsten.

Jesus – der Sohn Gottes, der Lehrer, der Meister – macht etwas ganz Unerwartetes.
Er geht auf die Knie und wäscht seinen Freunden die Füße.

Jetzt mal ehrlich: Füße waschen?
Nicht gerade das, was wir tun würden, um Liebe zu zeigen. Und auch nicht das, was man normalerweise von einem „Chef“ erwartet, oder?

Aber genau darum geht es.

Ein Beispiel zum Mitmachen

Stellt euch vor: Ihr kommt nach einem langen Tag mit euren schmutzigen Schuhen nach Hause, und statt dass Mama oder Papa euch sagen „Geh die Schuhe ausziehen“, knien sie sich hin und helfen euch dabei. Nicht, weil ihr es nicht könnt – sondern weil sie euch zeigen wollen: Du bist mir wichtig. Ich bin für dich da.

Das ist es, was Jesus macht. Und er sagt uns heute Abend:
So will ich, dass ihr auch miteinander umgeht. Helft euch. Hört einander zu. Seid füreinander da.

Wascht einander die Füße?

Das heißt heute nicht, dass wir wirklich immer die Füße waschen müssen.
Aber es heißt: Tut Dinge, die vielleicht nicht cool oder bequem sind – aber die anderen zeigen: Ich mag dich. Ich bin für dich da.

Zum Beispiel:

  • jemandem zuhören, der traurig ist
  • jemanden in der Pause nicht auslachen, sondern einladen
  • zu Hause mal helfen, ohne dass man dafür etwas bekommt

Ein Abend voller Liebe

„Er liebte sie bis zur Vollendung“ – so beginnt das Evangelium.
Jesus hört nicht auf zu lieben. Nicht als es schwer wird, nicht als seine Freunde Fehler machen, nicht als ihn einer von ihnen sogar verrät.

Und heute lädt er uns ein, das genauso zu tun:
einander lieben – mit Herz, mit Händen, mit echter Hilfe.

Und liebe Kinder, wenn ihr bald eure Erste Heilige Kommunion feiert, dann ist das genau die Liebe, die ihr da erlebt.
Jesus will euch ganz nah sein – nicht nur in einem Stück Brot, sondern in eurem Herzen. Und wenn ihr euch fragt: Wie kann ich so leben, wie Jesus es will? – dann denkt an heute:

Liebe zeigt sich nicht im Größer-, sondern im Kleinerwerden. Nicht im Besserwissen, sondern im Dasein.

Jesus hat das getan. Und er traut es auch euch zu.

Zum Schluss:

Heute beginnt das große Fest unseres Glaubens.
Mit einem Essen, mit einer Geste, mit einer Liebe, die bleibt.

Und vielleicht fragt ihr euch heute Abend zu Hause:
Wem kann ich die Füße waschen? – nicht wirklich mit Wasser und Seife, sondern mit Liebe und Freundlichkeit.

Amen.

Predigt zu Matthäus 26, 14-25 , Mittwoch der Karwoche

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„Einer von euch wird mich verraten.“

Schwerer Satz. Er fällt mitten hinein in einen Moment der Gemeinschaft.
Mitten in das Essen. In das Brot. In die Nähe. Jesus spricht ihn aus – ohne Drama. Ohne Anklage. Aber voller Wahrheit.

Wir hören diesen Satz mit der ganzen Last, die Karwoche mit sich bringt.
Und vielleicht spüren wir:

Das, was Jesus hier erlebt, ist nicht nur einmal passiert.
Es wiederholt sich. In Beziehungen. In Gemeinden. In Leben.

Denn Verrat beginnt nicht immer mit Geld und Küssen.
Manchmal beginnt er mit einem leisen Rückzug.
Mit einem Nicht-mehr-dazugehören.
Mit Worten, die treffen –
nicht weil sie laut sind, sondern weil sie kalt sind.

Jesus nimmt das wahr.
Er spricht es an. Nicht, um zu beschämen.
Sondern um zu zeigen:

„Ich bin nicht blind. Ich bin nicht taub. Ich merke, was euch bewegt.“

Das ist vielleicht das Berührendste an dieser Szene:
Jesus geht nicht einfach darüber hinweg.
Er sagt nicht: „Ach, das wird schon.“
Sondern er sieht die Wahrheit – und bleibt trotzdem am Tisch.

Wir alle kennen diese Momente,
in denen Nähe sich plötzlich fremd anfühlt.
In denen Enttäuschung nicht aus der Welt kommt.
In denen man viel gegeben hat – und wenig zurückkommt.
Oder Kritik, die nicht trifft, weil sie berechtigt wäre –
sondern weil sie ungerecht ist.

In solchen Momenten ist diese Szene heilsam –
nicht, weil sie uns vor Schmerz bewahrt,
sondern weil sie zeigt:

Selbst Jesus kannte das.
Selbst in seiner Runde gab es Bruchstellen.
Selbst im Kreis der „Engsten“ war das Herz nicht immer sicher.

Und trotzdem:
Er bricht das Brot.
Er teilt den Kelch.
Er bleibt.

Vielleicht ist das die leise Einladung dieses Evangeliums an uns heute:
Nicht alles zu verstehen.
Nicht alles zu erklären.
Aber zu bleiben, wo unser Platz ist.
Treu zu sein, auch wenn’s manchmal weh tut.
Nicht um der Anerkennung willen –
sondern aus Liebe.
Aus Berufung.
Aus der tiefen Gewissheit:

„Ich tu das nicht für Applaus.
Ich tu das, weil ich glaube, dass Treue ihren Wert hat – auch wenn keiner klatscht.“

Am Ende dieser Szene sagt Jesus:

„Der Menschensohn geht zwar seinen Weg, wie es über ihn geschrieben steht…“

Er geht.
Mit schweren Füßen. Mit klarem Blick. Mit einem gebrochenen Herzen.
Und doch mit Liebe.
Mit Liebe für die, die bleiben.
Und vielleicht sogar für den, der geht.

Möge dieser Jesus auch bei uns bleiben,
wenn wir enttäuscht sind.
Wenn wir müde sind.
Wenn wir zweifeln, ob das, was wir geben, noch trägt.

Er kennt das alles.
Und er sagt:

„Ich seh dich. Ich bleib.“

Predigt zum Mittwoch der 7. Woche im Jahreskreis

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die Lesung aus dem Buch Jesus Sirach spricht von der Weisheit als einer mütterlichen Begleiterin: Sie sucht den Menschen, sie geht mit ihm, sie erzieht und schützt ihn. Weisheit ist dabei nicht nur Wissen, sondern eine Haltung: das Leben aus dem Geist Gottes heraus zu gestalten. Wer sich auf sie einlässt, wird wachsen und reifen. Doch Weisheit ist auch fordernd – sie prüft, erzieht und lässt uns mit Herausforderungen ringen. Sie ruft uns in eine tiefere Beziehung zu Gott und zum Leben.

Das Evangelium zeigt uns eine konkrete Anwendung dieser Weisheit: Die Jünger Jesu stoßen auf jemanden, der in Jesu Namen Dämonen austreibt – und sie wollen es ihm verbieten, weil er nicht zur engeren Gruppe der Jünger gehört. Doch Jesus widerspricht ihnen. „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ Diese Aussage fordert heraus. Wir neigen dazu, in Grenzen zu denken: „Das gehört zu uns, das nicht.“ Aber Jesus denkt größer. Er sieht das Wirken Gottes auch jenseits der sichtbaren Gemeinschaft seiner Jünger.

Diese Botschaft ist heute aktueller denn je. Gerade in einer Zeit, in der Unterschiede oft betont werden, lädt uns Jesus ein, mit einem weiten Herzen zu sehen. Wer Gutes tut, wer in Jesu Namen handelt, ist Teil des Reiches Gottes – auch wenn er vielleicht anders glaubt oder handelt, als wir es erwarten.

Die Weisheit Gottes lädt uns ein, demütig zu sein und nicht zu vorschnell zu urteilen. Sie lehrt uns, Gottes Wirken zu erkennen, auch wenn es anders erscheint, als wir es gewohnt sind. Sie ruft uns dazu auf, mit offenen Augen und einem weiten Herzen aufeinander zuzugehen.

Bitten wir Gott, dass er uns diese Weisheit schenkt – in unseren Begegnungen, in unseren Entscheidungen und in unserem Glauben.

Amen.

Predigt zum 8. Sonntag m Jahreskreis (Karnevalswochenende)

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Heute ist ein Wochenende, an dem das Rheinland in Feierlaune ist. Bunt kostümiert, lachend und singend ziehen die Menschen durch die Straßen. Karneval gehört für viele von uns einfach dazu – als Zeit der Gemeinschaft, der Ausgelassenheit und der Freude. Und das ist auch gut so! Denn Freude ist ein Geschenk Gottes. Wer lacht, wer sich freut, der spürt etwas von dem Leben, das Gott uns schenkt.

Aber Karneval ist nicht nur eine fröhliche Zeit, sondern auch eine besondere. Es ist eine Zeit, in der Grenzen oft ein wenig verschwimmen – zwischen Alltag und Ausnahmezustand, zwischen Spaß und Übertreibung. Ich selbst habe Karneval immer mit anderen Augen gesehen, weil ich als ehemaliger Krankenpfleger und Rettungssanitäter erlebt habe, dass dort, wo Freude ist, manchmal auch Leid entsteht. Deshalb möchte ich heute darüber nachdenken, wo Grenzen notwendig sind, damit die Freude bleibt – nicht nur im Karneval, sondern auch im Leben.

1. Grenzen als Schutz und Orientierung
Die Lesung aus dem Buch Jesus Sirach sagt: „Im Sieb bleibt der Abfall zurück, so zeigt sich das Denken des Menschen in seinen Worten.“ (Sir 27,4) Das bedeutet: Wenn wir genau hinsehen, zeigt sich, was wirklich zählt. Karneval lebt davon, dass Menschen sich für einen Moment anders zeigen dürfen – aber wer wir wirklich sind, zeigt sich nicht nur in der Verkleidung, sondern in dem, was wir sagen und tun.

Gerade in einer Zeit, in der es heißt „Alles ist erlaubt!“, lohnt sich die Frage: Wo endet der Spaß, und wo beginnt das, was anderen schadet? Grenzen sind nicht dazu da, um Freude zu verhindern, sondern um sie zu bewahren. Sie helfen uns, das rechte Maß zu finden – und das gilt nicht nur für den Karneval, sondern für unser ganzes Leben.

2. Die Verantwortung unserer Worte und Taten
Jesus sagt im Lukasevangelium: „Wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund.“ (Lk 6,45) Im Karneval wird viel gesungen, gescherzt und gelacht. Worte fliegen oft leicht dahin. Aber manchmal kann ein lockerer Spruch verletzen. Manchmal bleibt nach der Feier ein bitterer Beigeschmack.

Die Frage ist: Wie können wir feiern, ohne dass am Ende jemand traurig nach Hause geht? Wie können wir mit Worten Freude bereiten, ohne andere herabzusetzen? Gerade im Karneval, wo wir einmal aus der Rolle fallen dürfen, sollten wir darauf achten, dass wir einander mit Respekt begegnen – mit Worten, die aufbauen, nicht niederreißen.

3. Eine christliche Perspektive auf Karneval
Karneval ist tief mit dem christlichen Kalender verbunden. Ursprünglich diente er dazu, sich noch einmal richtig zu freuen, bevor die Fastenzeit begann. Vielleicht können wir das heute neu verstehen: Karneval ist eine Einladung, das Leben bewusst zu feiern – aber so, dass es auch morgen noch gut ist. Eine Freude, die niemanden verletzt. Ein Miteinander, das Gemeinschaft stärkt.

Diese Freude ist nicht oberflächlich. Sie bleibt nicht an der Maske hängen, sondern schaut auf das Herz. Gott will, dass wir lachen und feiern – aber auch, dass wir füreinander da sind, achtsam und respektvoll.

4. Unser Auftrag als Christen
Lasst uns also fröhlich feiern, aber dabei nicht vergessen, wer wir sind. Lasst uns Worte wählen, die Gutes bewirken. Lasst uns in dieser ausgelassenen Zeit nicht nur auf unser eigenes Vergnügen schauen, sondern auch darauf, dass andere sich wohlfühlen. Dann bleibt die Freude, auch wenn der letzte Konfetti-Schnipsel weggekehrt ist.

Möge Gott uns die Weisheit schenken, fröhlich zu sein – aber nicht gedankenlos; frei zu sein – aber nicht rücksichtslos; dankbar zu sein – und dennoch achtsam. Dann wird dieser Karneval ein Fest, das nicht nur heute, sondern auch morgen noch Gutes hinterlässt.

Amen.

Für Larissa

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Die Taufe Jesu (Mk.1, 9-11)

9 Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.

10 Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.

11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Impuls:

Schon als ich ein Kind war gab es die typischen Schulhofsituationen. Und sicher gab es die auch schon vor meiner Schulzeit und es wird sie auch immer noch geben. Diese Situationen in dem man gezwungen war, sich immer weiter zu überbieten um beliebt zu sein.

Die schönsten und neuesten Klamotten, das aufregendste Outfit, das meiste Geld und so weiter. Wenn du nicht beeindrucken konntest, dann hast du nicht dazugehört, wurdest ausgegrenzt, warst allein.

Oft resultierte bei mir daraus, dass ich versucht habe Menschen zu beeindrucken, um anerkannt zu sein. Mit meinem Beruf, mit meiner Arbeit, mit meinem Verdienst und in gewisser Weise ist das auch normal. Jeder von uns strebt nach Anerkennung und Liebe.

Aber was ist die Liebe und Anerkennung wert, wenn ich sie mir nur dadurch verdiene, das ich andere beeindrucken muss?

Da kommt mir der Satz aus dem Markusevangelium in den Sinn: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Das heißt, Gott liebt seinen Sohn Jesus, so wie er ist. Ohne dass er dafür je hätte etwas tun müssen. Und so verstehe ich die Liebe und die Anerkennung zwischen den Menschen auch,

Du bist ein geliebter Mitmensch, mein geliebtes (Paten)-Kind ohne, das du etwas dafür tun musst. Einfach und allein deshalb, weil du da bist und großartig bist – so wie du bist.

Impuls zum Mittwoch der 2. Woche im Jahreskreis

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Einführung:

Im Jahre 1967 haben die Beatles eines ihrer bekanntesten Lieder geschrieben und der „Weltöffentlichkeit“ vorgestellt: All you need is Love – Alles was du brauchst ist Liebe“

Das Lied wurde für die BBC-Show „One World“ komponiert und sollte – so die Vorgabe – auch für Menschen verständlich sein, die kein/wenig Englisch können.

Ringo Star erklärte einmal zu diesem Song: „Es war eine fabelhafte Zeit. Ich bin sogar jetzt noch aufgeregt, wenn ich realisiere, dass es das ist, wofür es war: Frieden und Liebe, Menschen, die Blumen in Waffen stecken.“

Wenn ich auf das heutige Tagesevangelium schaue, dann kommt mir genau dieses Lied in den Sinn.

Alles, was du brauchst, ist Liebe…. Oder… Alles was ihr eigentlich bräuchtet ist Liebe!

Impuls:

Alles, was ihr eigentlich bräuchtet ist Liebe!

Das kommt mir in den Sinn, wenn ich den Satz aus dem heutigen Tagesevangelium höre: „Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz“

Nach einem solchen Satz würde ich vermuten, dass Jesus die Verantwortlichen anspricht und ihnen mal deutlich seine Meinung sagt. Aber das tut Jesus hier nicht. Er handelt – voller Liebe. Er zeigt den Anwesenden durch seine Tat, was er von ihrem verstockten Herz hält und macht sich dadurch natürlich keine großen Freunde.

Sicher ist das oft ein großer Anspruch immer und überall dem Gegenüber mit Liebe zu begegnen und entsprechend zu handeln. Da ist dieser eine Kollege, der mich immer wieder mit denselben Fragen zu klaren Prozessen nervt. Da ist die x-te Änderung im Dienstplan die meine Zeitpläne durcheinander bringt. Wieder einmal bin ich unausgeschlafen und motzig, weil ich viel zu spät einschlafen konnte.

Es gibt immer und überall Rechtfertigungen und Begründungen dafür, warum ich mein Gegenüber nicht so behandelt habe, wie es nötig ist und ich bin mir sicher, dass wird immer mal wieder passieren, auch wenn mein Anspruch an mich selber ein anderer ist.

Mir bewusst zu machen, dass ich hinter meinen Ansprüchen zurückbleibe und es morgen besser machen zu wollen – das ist wäre der erste Schritt in eine gute, richtige Richtung.

Love is all we need!

Impuls vom 18.01.23 zur Wort-Gottes-Feier in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Requiem an Allerseelen

Bild von yueshuya auf Pixabay

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

ich möchte gerne zu Beginn einen Satz aus der gestrigen Predigt von Pfr. V. de W. aufgreifen: „Allerheiligen ist ein Osterfest im Novembernebel!“  Dieser Vergleich hat mich gestern besonders berührt, da er so passend und richtig ist. Gestern haben wir all der heiligen Männer und Frauen gedacht – bekannt oder unbekannt – die schon bei Gott sind.

Männer und Frauen, die in ihrem Leben das Evangelium gelebt haben und so Ihre Zeit bunt machten, ähnlich den Farben hier in der Grabeskirche, wenn die Sonnenstrahlen auf diese Glasfenster scheinen. Ich möchte zu dem Satz aus der gestrigen Predigt noch den heutigen Tag Allerseelen hinzufügen, denn an Allerseelen gedenken wir allen Seelen, die uns vorausgegangen sind und auch nun bei Gott sind. Wir denken besonders an Menschen, die uns begleitet und berührt haben. An Verwandte, Angehörige, Zugehörige, Freunde und Bekannte – eben an alle die Menschen, die unser Leben – wie das Farbspiel der Glasfenster hier – bunter gemacht haben. Aber wir feiern diesen Tag auch, für alle uns unbekannten Verstorbenen. Die, die wir nicht kennen und die, die keine Angehörigen oder Zugehörigen hatten, denn auch Sie waren ein buntes Licht in Ihrer Zeit.

Vielleicht klingt es etwas seltsam, wenn ich davon spreche, dass wir diesen Tag heute feiern, oder wenn wir bei Exequien oder Beisetzungen hören: „Wir feiern diese heilige Messe oder diesen Gottesdienst für …“ oder eben der Begriff „Trauer-Feier“ – klingt ein wenig paradox, oder?!? Eigentlich ist einem im Angesichte des Verlustes eines lieben Menschen ja eher nicht zum „Feiern“ zu Mute.

Das wir „Trauer“ „feiern“ können, hat viel mit unserem Glauben zu tun, besser, mit dem an den wir glauben.

Heute haben wir gleich in zwei Texten von der Hoffnung gehört, die uns als Christen leitet. Paulus erinnert in seinem Brief an die Gemeinde in Thessalonich:

Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott die Entschlafenen durch Jesus in die Gemeinschaft mit ihm führen…tröstet also einander mit diesen Worten!

Und im Johannesevangelium hörten wir:

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

Ja… das ist genau die Frage. „Glaubst du das?“

Martha beantwortet diese Frage hier sehr klar mit JA! Und gerade das finde ich so bemerkenswert wichtig. Stellen wir uns diese Situation einmal vor. Marthas Bruder Lazarus war seit vier Tagen gestorben und im Haus der Angehörigen waren alle zur Trauer versammelt. Da hört Martha, das Jesus auf dem Weg ist und sie geht ihm entgegen. Ich glaube – auch wenn das so nicht im Evangelium steht – das Martha Jesus nicht grade mit offenen Armen entgegen gegangen ist. Und zur „Begrüßung“ macht Sie Jesus erst einmal den Vorwurf, das Alles wäre nicht passiert, wäre er nur da gewesen.

Da schwingt für mich so vieles von dem mit, was wir selbst als Trauernde kennen. Wut, Verzweiflung, Traurigkeit, Enttäuschung. Und Jesus geht nicht hin und kontert etwa das er ja weiter weg war und so vieles anderes zu tun hatte. Er sagt ihr: „Dein Bruder wird auferstehen“ ohne Wertung, ohne Vorwurf, ohne Anklage.

Jesus erinnert Sie an das, was sie eigentlich im tiefsten Herzen weiß – das, was sie als enge Begleiterin Jesu erfahren hat – den Glauben, den Sie in sich trägt.

Das finde ich noch heute zutiefst Menschlich und Nahe – ja sogar tröstend. Jesus kennt unsere Wut, unsere Trauer unseren Verlust. Und an Tagen wie heute schickt er uns bunte Farbspiele, die uns an diese Hoffnung erinnern.

Und so denken wir heute vielleicht schon anders an unsere lieben verstorbenen Menschen zurück als an dem Tage, als sie verstarben – vielleicht blicken wir schon wieder ein kleines bisschen Hoffnungsvoller in die Welt als noch am Tage der Trauerfeier.

An Allerseelen gedenken wir allen Seelen, die uns vorausgegangen sind und auch nun bei Gott sind – die, die uns bekannt sind und die die uns unbekannt sind.

Ich denke am heutigen Tage an viele Menschen – vermutlich wie sie auch – die ich gekannt habe, die mein Leben begleitet haben – die wie ein Lichtspiel mein Leben färbten. Besonders möchte ich aber heute auch an Pastor Dr. Lambert Drink erinnern, den ich selbst leider nicht gekannt habe. Er ist am 02.11.1995 verstorben aber sein Wirken – sein Farbspiel hier in der Gemeinde ist noch sehr präsent, durch die Menschen, die das Gedächtnis an ihn wachhalten.

Allerheiligen ist ein Osterfest im Novembernebel! – und Allerseelen das Lichtspiel im Nebel des Novembers!

Trennung ist unser Los, Wiedersehen ist unsere Hoffnung. So bitter der Tod ist, die Liebe vermag er nicht zu scheiden. Aus dem Leben ist er zwar geschieden, aber nicht aus unserem Leben; denn wie vermöchten wir ihn tot zu wähnen, der so lebendig unserem Herzen innewohnt! (Aurelius Augustinus)

Impuls zum Requiem an Allerseelen in der Grabeskirche St. Josef Aachen

Impuls zum Fest Bekehrung des Paulus

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Impuls zum Fest Bekehrung des Paulus (Lesungen)

Einführung:

Die Bekehrung des Paulus ereignete sich – so man das heute sagen kann – im Jahr 36 n Chr. Und wird in der Apostelgeschichte drei mal erzählt. Einmal aus der Perspektive des Verfassers der Apostelgeschichte – Lukas – , sozusagen als Augenzeugenbericht und zwei mal erzählt Paulus selbst von dem Ereignis seiner Bekehrung aber auch hier niedergeschrieben von Lukas.

Ihm scheint also besonders wichtig zu sein, dieses besondere Ereignis festzuhalten und zu überliefern.

Auch heute wird es noch viele Menschen geben, die zumindest die Redewendung „Vom Saulus zum Paulus“ mit einer 180-Grad – Wende einer Person in Verbindung bringen. Das Fest der Bekehrung des Paulus wird seit dem 8. Jahrhundert bezeugt und ist noch immer ein fester Bestandteil des Kirchenjahres.  

„Ich weiß, auf wen ich mein Vertrauen gesetzt habe,

und bin überzeugt, dass er die Macht hat,

das mir anvertraute Gut bis zu seinem Tag zu bewahren,

er, der Herr, der gerechte Richter.“

Impuls:

Gott tickt anders!

Wenn ich das Selbstzeugnis des Paulus höre, so wie wir es eben in der Lesung hörten, dann komme ich für mich zu der Erkenntnis: Gott tickt anders!, denn ich kann das nicht verstehen, was da geschehen ist.

Saulus, der zu einen der erbarmungslosesten Verfolger der Christen – oder des neuen Weges, wie er selber sagt – gehörte wird von Gott berufen, ja bekehrt und wendet sich um 180 Grad.

Das kann ich mit meinen menschlichen Gedanken nicht verstehen, ja.. es stellt mich sogar auf eine Probe.

Kann ich wirklich jedem zugestehen, sich ändern zu können? Oder besser gesagt, kann ich jedem zugestehen, sich von Gott ändern zu lassen?

Wenn mich mal jemand in einem schlechten Moment beleidigt oder mit vor den Kopf stößt, dann kann ich darüber hinwegsehen und mir sagen, ist wohl mit dem falschen Bein aufgestanden. Wenn das immer wieder passiert, mit einer gewissen Regelmäßigkeit, dann wird das schon schwieriger.

Und für mich nahezu unmöglich wird es, wenn es sich um schwere Straftaten handelt. Da kann ich nicht einfach hingehen und sagen „Ach… Schwamm drüber!“

Aber.. Muss ich das auch?

Gott tickt anders – sein Handeln ist für unsere Augen, für unsere Ohren, für unser Denken nur teilweise fassbar und nach rein menschlichem Denken / nach rein menschlichen Schubladen nicht zu fassen.

In meinem Gespräch mit unserem Bischof vor meiner Admissio wurde ich gefragt, was ich denn denke, nicht zu können. Meine Antwort war: Gefängnisseelsorge, weil ich mir das aus diesen Gründen eben kaum vorstellen kann.

Gott verlangt das aber auch nicht von mir.  

Gott tickt anders! Nicht ich bin es, der bekehrt, beruft oder vergibt.

Ich bin erstmal nur der, von dem Gott wünscht – in jedem Gegenüber Jesus zu sehen – also jeden erstmal als Mensch mit einer ihm zustehenden Würde zu sehen.

Nicht mehr – aber auch nicht weniger!

Impuls zur Wort-Gottes-Feier vom 25.01.23 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 4. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 4. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

Im Internet findet man eine interessante Übersicht dazu, welcher Aktionstag so stattfindet. So ist der 1. Februar unter anderem der Tag der Autoversicherung, der Ändere-dein-Passwort-Tag, der Dekoriere mit Süssigkeiten-Tag und der Robinson-Crusoe-Tag.

Das ist mal ein bunter Strauß an Aktionen des heutigen Tages. Wenn man das mal etwas sortiert dann steht der heutige Tag unter 3 Themen:

  • Sicherheit (Versicherung und Passwort)
  • Selfcare (Süssigkeiten)
  • Kritische Auseinandersetzung  / Reflexion (Robinson)

Diese Schablone kann man sicher auch für unsere heutigen Lesungen verwenden. Im Hebräerbrief hören wir heute von Züchtigung und Schmerz und das ist erstmal sehr verstörend. Hat doch unser heutiges Verständnis von Lernen / Reifen nichts mehr mit Züchtigung zu tun. Die Zeiten, in denen Lehrer mit solchen Methoden arbeiteten sind lange vorbei und das ist gut so.

Lernen / Reifen findet heute in einem anderen Rahmen statt – egal ob schulisch, außerschulisch oder auch Reifen im Glaube.

Voraussetzung zum Lernen sind heute eher:

  • Ein Rahmen, in dem ich mich Sicher fühle
  • Eine Umgebung die mich wohlfühlen lässt
  • Ein Format, in dem ich mich auch kritisch auseinandersetzen kann.

Impuls:

Zur Zeit hat unser Diakonenkurs die Vorlesungseinheit “Religionspädagogik”. Hier sollen wir lernen, wie Menschen lernen, insbesondere wie Menschen religiös lernen.

Dazu gibt es viele pädagogische und entwicklungspsychologische Modelle,, die ich euch an dieser Stelle erspare. Aber religiöses Lernen oder Reifen hat viel mit dem Rahmen zu tun: Welche Rahmen schaffe ich für das Lernen, wo hole ich meine Zuhörer*innen ab, was kann ich nutzen um meine Zielgruppe individuell zu fördern? Bilder, Filme, Bibeln in Leichter Sprache. Es gibt viele Hilfsmittel und Ideen dazu. Was mir im Kopf geblieben ist, ist das Wort “Kairologie” also das es einen “günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung” gibt. Das es für das Lernen einen individuellen günstigen Zeitpunkt gibt.

Und dann überlege ich mir für mich, was waren diese Zeitpunkte für mich? Wo habe ich einen besonderen Zeitpunkt des religiösen Lernens erlebt.

Sicher waren das Momente, die mir schön und liebevoll im Gedächtnis geblieben sind: Meine Kommunion, teile meines Religionsunterrichtes, die Lieder, die wir im Schulgottesdienst gesungen haben. Das hat in vielerlei Hinsicht mein Reifen gefördert.

Aber wenn ich genauer hinsehe, meine wirklich existentiellen Reifeprozesse habe ich in Krisen und schwierigen Situationen gemacht. Ohne auch diese Erfahrungen wäre ich heute nicht der, der ich bin.

Natürlich brauchen wir heute nicht die erwähnte Züchtigung und Demütigung um zu lernen – das meine ich sicherlich nicht. Reifen und Lernen muss immer in einem Umfeld von Liebe und Geborgenheit passieren.

Menschen in den Krisen und Nöten Beiseite zustehen, ihnen in Liebe zu begegnen, auch das kann irgendwann Menschen zum Reifen bringen.

  •  gebe Sicherheit und sei “Versicherung”
  • Dekoriere Ihre Sorgen mit Süssigkeit
  • Hilf ihnen, die Situation zu reflektieren

Impuls zur Wort-Gottes-Feier am 01.02.23 in der Fronleichnamskirche Aachen