Impuls zum Mittwoch der 22. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 22. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

„Sein wandernd Volk will leiten, der Herr in dieser Zeit.“

Irgendwie ist dieser Satz doch seltsam in dem Lied, oder? Was ist denn damit genau gemeint? Wir sind doch eigentlich – zumindest in unseren Breitengraden – kein „wanderndes Volk“ mehr. Oder ist damit vielleicht eine philosophisch-theologische Ebene gemeint? Wir als wanderndes, ja suchendes Volk, das durch den Glauben seine Richtung, seine Berufung erfährt und durch Gottes Fügung letztlich ans Ziel kommt?

Ich bleibe mal auf der ersten Ebene. Wir sind kein wanderndes Volk mehr, wir sind heimisch geworden und haben unsere festen Wurzeln. Das hat sehr viele positive Aspekte. Aber es geht ein wichtiges Element verloren: Die Bewegung. Wir gehen nicht mehr hinaus und erzählen von dem, was uns bewegt, von dem was uns trägt, von dem der uns Hoffnung gibt.

„Geht in alle Welt und seid meine Zeugen“ – so geht es dem heutigen Evangelium voran, in dem Jesus genau das tut. Er zieht weiter, weil die Menschen in den anderen Dörfern auch die Frohe Botschaft erfahren sollen.

Impuls:

Zu Anfang hatte ich schon angedeutet, das in den heutigen Texten eine gewisse Bewegung – ja eine Dynamik drinsteckt. Es geht viel um das Thema Verkündigung und das eben nicht nur an dem Ort, an dem ich mich heimisch fühle.

Paulus und Apollos, von denen wir in der Lesung gehört haben, waren stetig unterwegs, um die Frohe Botschaft zu verkündigen und auch von Jesus wissen wir, dass er durch das Land ging – hinauf nach Jerusalem und dem Berg Golgotha. Das Hinausgehen und Verkündigen ist, wie wir an diesen Beispielen erfahren, nicht immer bequem oder ungefährlich. Aber letztlich sind wir auch heute dazu aufgerufen. „Seid stehts bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“

Natürlich heißt das jetzt nicht, das wir nach diesem Gottesdienst zum Markt gehen und aus der Bibel lesen oder das alte Testament auslegen. Aber Wege zu finden, Menschen zu erreichen, das steckt für mich in den heutigen Texten.

Gehen wir hinaus und seien wir kreativ um den Menschen zu zeigen, dass es neben „Trump“, Verschwörungstheorien und Vorurteilen gegen einzelne Bevölkerungsschichten bzw. deren Herkunft noch frohe Botschaften gibt, die Hoffnung geben können.

Amen

Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 02.09.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Kein Impuls – nur ein Gedanke: Mein Gedanke

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Ein kleiner Tod.

Du bist nicht weg, nur nicht mehr für mich erlebbar.

Gelegentlich kann ich dich noch sehen, aber dein Lachen nicht mehr hören.

Heute ist dein Geburtstag, den du hoffentlich zu einem besonderen Tag für dich machen kannst,

meine Geschenke fühlen sich für mich an, wie Blumen – die ich an einen Gedenkort bringe.

Die Bilder an der Wand – lustig und freudig – scheinen mir wie ein Traueraltar, heute.

Du bist nicht weg, nur nicht mehr für mich erlebbar.

Ein kleiner Tod.

Impuls zum Mittwoch der 20. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 20. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einleitung:

„Gib uns Trost und Zuversicht, durch dein Licht“ so endet das Lied, das wir zur Eröffnung gehört haben.

Trost und Zuversicht, Liebe und Geborgenheit, jemand der sich um uns kümmert, das sind Wünsche und Sehnsüchte, die wir alle in uns tragen. Hierum geht es heute auch in unseren Lesungen des Tages.

Gott sieht, dass die Hirten sich nicht um Ihre Herde kümmern und sieht sich zum Handeln gezwungen. Im Text des Propheten Ezechiel zeigt er uns, dass er nicht untätig und ferne ist. Er rettet die Herde aus den Händen der untätigen Hirten.

Im Evangelium hören wir von den Arbeitern im Weinberg. Der wohl bekannteste Satz ist: „Die Letzten werden die Ersten sein!“

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Satz des Papstes Benedikt: „Ich bin nur ein einfacher, demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn!“ Ganz so dürften es die Arbeiter aus dem Gleichnis Jesu wohl nicht gesehen haben. Hier werden wir wenig von Liebe und Geborgenheit, sondern von Missgunst hören. Dennoch finden wir auch hier die Spuren von Gottes Liebe zu uns.

Impuls:

Sie haben vermutlich schon den Ausdruck hier gesehen und als das „Kölsche Grundgesetz“ erkannt. Vermutlich haben Sie auch gesehen, dass ich einen Artikel hinzugefügt habe: Man muss auch gönnen können.“ Die Letzten werden die Ersten sein, so haben wir es gerade gehört. Das ist doch schön, oder? Ich kann mir den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen lassen während andere in der Mittagshitze malochen. Wenn es dann abends weniger beschwerlich ist, dann bequeme ich mich auch mal dazu und erhalte denselben Lohn wie alle anderen. Das Kölsche Grundgesetz hat ein wenig von dieser „Leichtigkeit“: Es ist, wie es ist. Es kommt, wie es kommt. Es ist schon immer gut gegangen…

Sieht so das Himmelreich aus?

Strenggenommen, ja! Die Worte Jesu richten sich hier an die Jünger, also an die Ersten, die Jesus nachfolgen, mit dem gesamten beschwerlichen Weg. Natürlich hat es nach den Jüngern viele Menschen gegeben, die in die Nachfolge Jesu gegangen sind, so auch wir. Wir haben heute in unseren Breitengraden einen wenig gefährlichen Weg zu erwarten. Keine Christenverfolgung, keine Kirche im Untergrund, kein staatliches Verbot der Religionsausübung. Und doch erhalten wir denselben Lohn wie die Jünger. Die Zusage des Gutsbesitzers – der in dieser Parabel sinnbildlich für Gott steht – ist da sehr eindeutig: Geht auch ihr in meinen Weinberg, ich werde euch geben, was gerecht ist!“ Gott wird uns allen in der Nachfolge geben, was gerecht ist.  

Natürlich sollen wir uns nun nicht darauf ausruhen, daran erinnert uns auch die heutige Lesung aus dem Buch Ezechiel. Zum Glauben und zur Nachfolge gehört auch die Arbeit, die Nächstenliebe, das Zweifeln und Hinterfragen. Aber am Ende steht die Zusage, geliebt und geborgen zu sein. Egal, ob wir von Anfang an dabei waren oder erst später hinzukamen.

Man muss auch gönnen können.

Amen

Impuls aus dem Wort-Gottes-Dienst vom 19.08.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 19. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 19. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einleitung:

Die heutigen Lesungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite die Worte des Propheten Ezechiel, die sich wie ein schlechter Actionfilm lesen; auf der anderen Seite die Worte Jesu „Wo zwei, oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“

Es ist ein wenig wie beim abendlichen Fernsehen, man möchte gerne vorspulen oder umschalten, weil die Worte einen aufreiben.

Aber vielleicht ist das auch genau so gedacht. Die heilige Schrift ist voll von unterschiedlichsten Texten. Positive, negative, liebende, strafende, freudige und traurige Worte. Eben so, wie das menschliche Leben ist. Da können wir auch nicht vorspulen oder weghören.

Vielleicht aber kann man Bilder, die einem bei den Texten kommen, auch ein wenig ins Positive umdeuten. Bei der heutigen Lesung geht es unter anderem um den Hammer bzw. ein Werkzeug, das „ein Jeder“ in seine Hand nehmen soll.

Nehmen wir den Hammer heute als kleines Sinnbild für die Worte des Ezechiel und vielleicht können wir den harten Worten eine andere Bedeutung geben als die rein geschriebene Deutung.

Impuls:

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen. Ich möchte aus den heutigen Texten einmal vier Aspekte herausnehmen. Zum einen den Hammer und das „T“ – und zum anderen Einsamkeit und Gemeinschaft. Ich glaube, dass wir uns genau in diesem Spannungsfeld bewegen.

In den Worten Ezechiels werden die Menschen bestraft für ihren Götzendienst, aber nicht alle. Das Zeichen für jene die gerettet werden ist das „T“ bzw. das Taw, das etwas aussieht, wie dieser Hammer.

Die meisten von Ihnen kennen vielleicht auch das Antoniuskreuz oder Tau-Kreuz, das genau so aussieht.

Man kann also in dieser Lesung heute den Hammer, oder das Taw sehen. Gewalt, oder Rettung.

„Sie schlugen zu, und ich allein blieb übrig“ so hörten wir in der Lesung. Danach verließ Gott den Tempel und – sinnbildlich – das Volk Israel.

Ganz anders das heutige Evangelium. Hier geht es um die Gemeinschaft der Gläubigen. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“

Man kann also in den heutigen Texten die Einsamkeit sehen, oder aber die Gemeinschaft – unsere Gemeinschaft.

Und so haben die beiden Lesungen etwas zutiefst Menschliches. Manchmal sehen wir vielleicht nur den Hammer und nicht das Kreuz, nur die Einsamkeit, aber nicht die Gemeinschaft, nur die Traurigkeit und nicht die Schönheit.

Beides gehört zu unserem Leben dazu, auch wenn wir es manchmal nicht sehen können. Gott zeichnete uns das T auf die Stirn, schrieb unsere Namen in seine Hand. Bei ihm sind wir geborgen.

Amen

Impuls aus der Wortgottesfeier vom 12.08.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 18. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 18. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einleitung:

„Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich – still und leise. Und ist er noch so klein, er zieht doch große Kreise.“

Vermutlich kennen viele von Ihnen das Lied, das wir zu Beginn auch gehört haben. Es könnte die Titelmusik zu den heutigen Lesungen sein. Es geht heute um Gottes große Liebe, großen Glauben und groß-artige Frauen.

So hören wir heute von einer Frau, die – vielleicht ein bisschen nervig und störend – um Beachtung fleht und letztlich auch bekommt, dank ihrer Beharrlichkeit. Was gab der Frau den Mut, nach den doch harten Worten Jesu, weiter um Hilfe zu bitten?

Vielleicht genau zwei Dinge: Großer Glaube und Große Liebe.

Besonders schauen wir heute auch auf die Gottesmutter Maria, die wie keine andere für großen Glauben und große Liebe steht.

Im Jahr 435 wurde die Marienkirche Santa Maria Maggiore in Rom geweiht.

Impuls:

„Wo Gottes große Liebe, in einen Menschen fällt. Da wirkt sie fort, in Tat und Wort, hinaus in unsere Welt.“

So geht das Lied vom Beginn weiter und wir haben von eben solchen Menschen in den Lesungen gehört. Der Prophet Jeremia verkündet Gottes Zusage an das Volk Israel, das er es mit ewiger Liebe geliebt hat und ihm Treu bleibt. Er verspricht, der Gott aller zu sein. Was eine mächtige Zusage an das Volk Israel und auch an uns. Eine solche mächtige Liebe und einen großen Glauben wird auch die Frau aus dem Evangelium getragen haben. Man muss sich die Situation einmal vorstellen. Die Kanaanäerin macht sich auf den Weg zu jemandem, von dem sie gehört hat, er kümmere sich um die Menschen in Not. Sie lässt ihr Kind zurück, und wandert – Grenzen und Anfeindungen zum Trotz – zu Jesus. Und selbst nach den harten – ja abweisenden Worten Jesu, gibt sie nicht auf. Was ein großer Glaube – was eine große Liebe…

Blättern wir in der Bibel etwas weiter zurück, dann finden wir eine ähnlich große Frau, die mit ihrem Kind unter dem Herzen über Stadtgrenzen hinweg unterwegs ist. Und trotz des beschwerlichen Weges und der Abweisungen an den Herbergen gibt sie nicht auf.

Maria und die unbekannte Kanaanäerin – zwei Beispiele für einen großen Glauben, die mich innehalten lassen und etwas nachdenklich machen.

Wie halte ich es mit dem großen Glauben?

Amen

Impuls aus der Wortgottesfeier vom 05.08.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 17. Woche im Jahreskreis (G hl. Marta)

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Impuls zum Mittwoch der 17. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

Heute feiern wir den Gedenktag der hl. Marta.

Marta und Maria sind uns aus dem Lukas- und dem Johannesevangelium bekannt – besonders als Freunde bei denen Jesus zu Gast war. Dazu gehört auch der Bruder Lazarus, der von Jesus auferweckt wird.

Marta und Maria sind in den Evangelien sehr unterschiedlich, ja vielleicht sogar gegensätzlich beschrieben. Maria als die eher Ruhige und Zurückgezogene und Marta als die energische, aktive „Hausfrau“. Offensichtlich werden hier durch die Evangelisten bestimmte Anteile des christlichen Lebens gezeichnet. Die hl. Marta wird oft mit einem Kochlöffel dargestellt und ist die Patronin der Hausfrauen. So gilt sie oft als Urbild der „Biederen Hausfrau“, jedoch bin ich da ganz bei Meister Eckart, der erkannte, dass Marta durchaus mehr als nur die eine gastfreundliche Frau war: Sie war mutig und zum Handeln entschlossen – wie wir im heutigen Evangelium hören werden. Während Maria nach dem Tod des Lazarus in sich zurückgezogen war, geht Marta Jesus entgegen, um ihm auch deutlich ihr Leid zu klagen.

Impuls:

„Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ Dieser Satz aus dem Evangelium erinnert mich ein wenig an eine klassische Trauerreaktion: Schuld. In einer ersten Phase der Trauer wird oft jemandem eine Schuld am Tod gegeben: Den Ärzten oder dem Pflegepersonal, einem Freund/Bekannten, Gott, oder letztlich einem selbst.

Und hier ist es so, dass Schuld Sinn macht… Die Schuldzuweisung ordnet das Unfassbare und gibt ihm Sinn. Dabei ist es unerheblich, ob diese Schuldzuweisung objektiv richtig ist.

Bei der hl. Marta ist es vielleicht ähnlich gewesen. Sie war voll der Trauer um ihren geliebten Bruder und Jesus war nicht da, um diesen Tod zu verhindern. Mit dieser Schuldzuweisung tritt sie an Jesus heran, geht ihm – vielleicht etwas aufgebracht – entgegen, um ihm das zu sagen.

Aber – und das macht Marta hier zu jemand Besonderem: In ihrer Trauer, in der Wut, in der Schuldzuweisung, kann sie sich den Glauben bewahren. Das Evangelium endet mit der Zusage Martas:  Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Und uns sind solche Situation gewiss nicht fremd… Oft fragen wir uns, wie Gott uns diese Last aufbürden konnte und warum er uns verlassen hat. Aber Gott nimmt uns nicht die Last weg, er begleitet uns durch die Krise hindurch.

Auch mit unseren Zweifeln trägt er das Kreuz mit uns, wie einst Simon von Cyrene Jesu Kreuz mittrug.

Ja, Herr: Ich glaube! Amen

Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 29.07.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 16. Woche im Jahreskreis (F Maria Magdalena)

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Impuls zum Mittwoch der 16. Woche im Jahreskreis (F Maria Magdalena) – Lesungen

„Das Grab ist leer, der Held erwacht.“ –  Vielleicht haben sie einen Moment gedacht… das passt doch so gar nicht. Eigentlich singen wir dieses Lied ja zu Ostern. Aber irgendwie passt es dann doch, da wir im heutigen Evangelium quasi einen Sprung zurück machen.

Wir hörten, wie Maria Magdalena an das leere Grab kommt und somit als erste Zeugin der Auferstehung wurde. Das alles wusste Maria Magdalena zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht. Was mag in ihr wohl vorgegangen sein? Sie wurde Zeugin des Todes eines geliebten Menschen und in diesen Wirren der Trauer sucht sie den Platz auf, an dem Sie sich ihm Nahe fühlen kann und findet diesen Platz leer vor.

Wie wichtig solche Plätze sind, wissen wir alle sicher auch aus eigener Erfahrung. Wenn ich z.B. an Wochenenden oder Feiertagen in der Grabeskirche bin, kann ich das gut beobachten. Menschen, die in den Wirren der Trauer einen festen Platz aufsuchen, um mit ihren Verstorbenen in Verbindung zu bleiben. Das muss jetzt nicht unbedingt die Grabeskirche, ein Friedhof oder eine Gedenktafel sein – solche Plätze finden sich oft ganz von alleine.

Aber es ist die Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen. „Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen“ so sagt Jesus zu Maria Magdalena. Aber genau das ist der Punkt, der es uns schwer macht. Jemanden auf dieser Erde – aus unserem Umfeld und Leben loslassen, aber ihn/sie weiter im Herzen zu tragen. Hier kann uns Maria Magdalena auch ein Vorbild sein. Sie erkennt Jesus – ihren geliebten Menschen – lässt ihn aus dem irdischen Leben gehen und trägt seine Worte und Taten als Erinnerung im Herzen.

„Kaum war ich an ihnen vorüber, fand ich ihn, den meine Seele liebt.“ – Amen

Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 22.07.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mittwoch der 15. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mittwoch der 15. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (A. de Saint-Exupery)

So kann man vielleicht die heutigen Schriftlesungen zusammenfassen. So unterschiedlich die Lesungen auch sind, so offenbaren sie uns zwei verschiedene Sichtweisen oder Vorstellungen von Gott. Zum einen den starken Rachegott, der die „Schwindsucht über Assur“ schickt – Und das Bild, dass uns Jesus heute vermittelt von einem Treuen, umsorgenden Gott – der sich den Armen und Schwachen annimmt.

Die Kirche gedenkt heute dem heiligen Bonaventura, der sich zu seiner Zeit auch Gedanken dazu gemacht hat, wie Gott wohl sein könnte. In seiner wissenschaftlichen Arbeit hat er jedoch nie den Blick für das Unsichtbare verloren. Er sah mit den Augen der Wissenschaft und mit dem Herzen des Glaubens.

Impuls:

Die heutige Lesung aus dem Buch Jesaja berichtet über den König von Assur, der zu seiner Zeit wohl ziemlich gewütet haben muss, und viele Kriege geführt hat. Die Menschen im Alten Testament haben diese Kriege und die drohende Gefahr als Strafe Gottes verstanden.

Heute haben wir ein anderes Gottesbild. Jesus selbst vermittelt ein anderes Bild von Gott: Ein liebevolles – väterliches Bild. Ein Gott der für die Armen und Schwachen da ist. Heute hören wir, wie Jesus sich besonders an die vermeintlichen Weisen – die Wissenschaftler und Theoretiker wendet: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

 

Das heißt natürlich nicht, dass sich Wissenschaft und Glaube ausschließen. Viele Erkenntnisse – auch in der Religion – haben wir der Wissenschaft zu verdanken. Aber wenn man nur mit dem Auge der Wissenschaft sieht, entgehen einem wichtige Teile des Glaubens.

So hat auch der heilige Bonaventura seine Arbeit verstanden. Er hat den Glauben wissenschaftlich betrachtet und die Wissenschaft im Glauben und mit dem Herzen gelebt.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Amen

Impuls aus der Wort-Gottes-Feier vom 15.07.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum Mitwoch der 13. Woche im Jahreskreis

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Impuls zum Mitwoch der 13. Woche im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

Die heutigen Lesungen sind irgendwie verstörend.

Wir hören vom Propheten Amos, der dem Volk Israel offenbart, dass der Herr „unsere Feste verabscheut – unsere Feiern nicht riechen kann!“ Und im Evangelium geht es darum, dass Jesus Dämonen austreibt. Wenn man diese Texte das erste Mal hört oder liest, dann wirkt das sicherlich sehr verstörend. Und auch beim zweiten oder dritten Lesen, wird einem vielleicht nicht sofort klar, warum es denn hier gehen mag.

Zu Beginn dieses Gottesdienstes möchte ich Ihnen zwei Fragen mitgeben, auf die ich später noch eingehen möchte

1.) Was denken Sie, gehört für Gott zu einem echten Gottesdienst?

2.) Kann ich meinem Nächsten das Herz öffnen, und in Ihm den Herren erkennen?

Impuls:

Ich hasse eure Feste, – so spricht der Herr-, ich verabscheue sie und eure Feiern kann ich nicht riechen!

Harte Worte, die der Prophet Amos da spricht und die uns zum Nachdenken ermuntern sollten. Und das geht ans Eingemachte! Ist das, was wir hier feiern Gott zu wider? Ist damit gemeint, dass unsere Gottesdienste ungewollt sind?

Das hört sich zumindest so an. Aber für mich gibt es hier einen entscheidenden Satz zum Verständnis der Harten Worte des Amos: … das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Und damit sind wir bei der ersten Frage aus der Einleitung. Was gehört für Gott zu einem echten Gottesdienst? Was ist der Grund dafür, dass ich zum Gottesdienst gehe, oder dass ich als Leiter hier vorne stehe? Trete ich in eine Beziehung zu Gott oder mache ich das für mich? Recht und Gerechtigkeit sind hier Synonyme für Nächstenliebe. Im Gottesdienst dürfen wir uns nicht mit uns selbst beschäftigen, sondern sollten immer auch die Menschen mit in den Gottesdienst nehmen, die nicht hier sind, die nicht an Gott glauben oder die – wie auch immer – bedürftig sind.

Und damit sind wir bei der zweiten Frage: Kann ich meinem Nächsten das Herz öffnen, und in Ihm den Herren erkennen?

Denn darum geht es im heutigen Evangelium. Es ist gar nicht so wichtig ob die beiden Menschen nun von Dämonen besessen waren, vielleicht eine psychische Erkrankung hatten oder so wirtschaftlich in Not, dass sie auf der Straße leben mussten.

Das Wichtige ist, das Jesus sie von ihrem Leid erlöst hat. Er ist zu ihnen gegangen, trotz des Wissens, das der Weg gefährlich ist. Das in der Nähe eine Schweineherde weidete, zeigt uns, dass die ganze Erzählung in einem „heidnischen“ Gebiet stattfindet. Das macht die ganze Erzählung noch bedeutender. Jesus geht den gefährlichen Weg, um Menschen zu helfen, die nicht mal an ihn oder vielleicht sogar an gar nichts glaubten. Könnten wir das so?

Und so gehören die beiden Texte auch heute zusammen. Sie zeigen uns das wir im Gottesdienst und im Leben als Christen immer auch auf die bedürftigen Menschen schauen müssen und uns ihrer annehmen müssen. Sonst sind unsere Gottesdienste nichts wert und dienen nur uns selbst. Amen

Impuls aus dem Wortgottesdienst vom 01.07.2020 in der Fronleichnamskirche Aachen

Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis

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Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis (Lesungen)

Einführung:

Du rufst mich beim Namen sprichst zu mir dein Wort. Und ich gehe deinen Weg, du Herr gibst mir den Sinn.

So lautet eine Zeile aus dem Lied, das wir zu Beginn gehört haben. Das liest sich eigentlich ganz einfach. Du rufst mich beim Namen und ich gehe deinen Weg, aber was heißt es denn „deinen Weg“ zu gehen? In den heutigen Lesungen bekommen wir eine Idee davon, was es bedeuten kann „deinen Weg“ zu gehen und dass das – sie vermuten es sicher schon – nicht unbedingt immer einfach ist. Doch ist da auch die Zusage, das wir auf diesem Weg nicht allein gelassen werden. Wir sind als Kirche und als Gemeinde niemals allein unterwegs. Und in dem Lied heißt es darum auch: Mit dir hab` ich keine Angst, du gibst mir die Hand!“ Heute geben uns die Texte der heiligen Schrift drei Impulse mit auf den Weg des Christseins:

  • Gastfreundschaft bzw. Nächstenliebe
  • Taufe
  • Nachfolge

Impuls:

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen, das sind schwer verdauliche Worte gewesen, die wir gerade gehört haben.

Heißt das nun, das wir unsere Familien verlassen müssen, um gute Christen zu sein? Führt der Weg in die Nachfolge einzig durch das Leid, also wenn wir das Kreuz auf uns nehmen? Ist das Martyrium der einzige Weg der Nachfolge?

In unserer Kirche gibt es die verschiedensten Wege der Nachfolge: Man kann sich für ein Ordensleben in Stille und Zurückgezogenheit entscheiden (Kartäuser oder Trappisten), man kann sich zu einem Leben in Ehelosigkeit entscheiden, aber auch ein Leben in Ehe und Familie ist eine Art der Nachfolge. Alle diese Formen müssen gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Ich bin als zölibatär lebender Mann nicht „näher dran“ an der Nachfolge als andere.

Ich glaube viel mehr, es geht um den ganz eigenen Weg, meine ganz eigene Entscheidung und um mein eigenes Verständnis.

In den heutigen Schriftlesungen können wir vielleicht eine Richtschnur erkennen:

1.) Gastfreundschaft

In der ersten Lesung haben wir davon gehört, dass der Prophet Elischa von einer vornehmen Frau umsorgt wurde und sie dafür entlohnt wurde. Ähnliches gibt der Evangelist Matthäus den Lesern und Hörern indirekt mit auf den Weg: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ Ein anderes Wort für Gastfreundschaft ist hier „Nächstenliebe“. Wenn ich mich um die Menschen in meinem Umfeld sorge, dann bin ich als Christ auf einem guten Weg.

2.) Taufe

In der zweiten Lesung hören wir von der Bedeutung der Taufe. Paulus schreibt hier an die Gemeinde in Rom, das die Taufe nicht bloß ein einfacher Ritus ist, der irgendwie so mal durchgeführt werden kann. Christ werde ich nicht bloß durch die Taufe, sondern gerade durch den gelebten Glauben

3.) Nachfolge:

Manchmal werden wir vielleicht seltsam angeschaut, wenn wir uns zu unserem Glauben bekennen. Wenn wir erzählen, dass wir sonntags in die Kirche gehen. Vielleicht sogar innerhalb der eigenen Familie oder dem Freundeskreis. Wenn wir uns in der Gemeinde engagieren, müssen wir uns vielleicht rechtfertigen, dass wir Zeit investieren. Es gegen manche fragende Blicke oder Getuschel hinter vorgehaltener Hand dennoch zu tun, ist Nachfolge.

Weiterhin auf Gott zu vertrauen, wenn wir durch Krankheit, Trauer, Krisen oder schwierige Situationen ein Kreuz tragen müssen, das ist Nachfolge.

Und wir dürfen darauf vertrauen, das Nachfolge auch bedeutet, diesen Weg nicht allein zu gehen.

„Mit dir hab` ich keine Angst, du gibst mir die Hand“

Amen

Impuls aus dem Wortgottesdienst vom 28.06.20 in der Fronleichnamskirche Aachen